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  Casting News zu " Sturm der Liebe, Rote Rosen, In aller Freundschaft, Verbotene Liebe neu in diesem Theard
Carina
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15.06.2012 19:59
" First Looks " Zitat · antworten




15.06.2012 08:30 Uhr First Look: «Dallas» – Die Fortsetzung auf TNT


Redakteur: Sidney Schering


Fernsehen kann wieder Sünde sein: Die «Dallas»-Fortführung von TNT ist melodramatisch, selbstbewusst und hat keinen Schimmer davon, was Subtilität ist. Sehvergnügen ist vorprogrammiert, aber für welchen deutschen Sender ist dieses geeignet?


Subtilität war den Darstellern der 1978 gestarteten Kultserie «Dallas» stets ein Fremdwort – und Bescheidenheit war den von ihnen verkörperten Figuren höchstens aus Lügengeschichten bekannt. Und genau deshalb baute sich die Primetime-Seifenoper um die Ölmagnaten-Familie Ewing eine so große Fangemeinde auf. Der Satz, mit dem die erste Episode der TNT-Fortführung ausklingt, ist deswegen in seiner kessen Theatralik nicht bloß ein ungläubiges Grinsen seitens der TV-Zuschauer wert – sondern tatsächlich auch unverhohlenen Respekt: „The fun is just beginning ...“ Das ist Selbstbeweihräucherung seitens der Schreiberlinge, eine dämliche Drohung an das Umfeld der diesen Satz äußernden Serienfigur und darüber hinaus ein aufgesetztes Versprechen an die Fernsehzuschauer. Kurzum: Es ist grandios. Denn genau so etwas verlangen «Dallas»-Fans.

Nach zwei Jahrzehnten Pause kehrt «Dallas» also wieder als Fernsehserie auf die Bildschirme zurück. Seither hat sich das Programmumfeld geändert, die Vielfalt an zu brechenden Tabus ging zurück und die Sehgewohnheiten sind eh längst andere geworden. Serien-Remakes, -Reboots und -Fortsetzungen gingen beim Versuch, ihre Vorlage zu modernisieren oder neu zu interpretieren unter. Aber «Dallas» auf TNT funktioniert. Keinesfalls als intelligente Fernsehunterhaltung, und solch ein Massenphänomen wie das Original wird dieser Nachzögling garantiert auch nicht. Aber die TNT-Serie funktioniert als aktualisiertes Fernsehrelikt, welches Seifenoper-Spaß im großen Stil bieten will – stets seiner eigenen Natur bewusst, doch niemals mit der Attitüde einer Persiflage.


http://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=tBrQoJiIiTw


Diese Erkenntnis kommt erfreulicherweise nicht erst mit dem Schluss der ersten neuen «Dallas»-Stunde. Bereits wenn wenige Minuten nach Episodenbeginn das klassische (nur minimal umarrangierte) Titelthema erklingt und ein wundervoll altmodisch geschnittener Vorspann den Bildschirm erfüllt, stellt sich das richtige Feeling ein. Lediglich musste das grobkörnig-charismatische Filmmaterial der Siebziger einem klareren, dadurch allerdings unpersönlicheren HD-Look weichen. Was durchaus Bände für die neue Generation des Ewing-Clans spricht: Josh Henderson und Jesse Metcalfe (beide u.a. aus «Desperate Housewives» bekannt) sind in ihren Hauptrollen als Söhne von J. R. und Bobby Ewing jung, aalglatt sowie austauschbar. Aufgrund dessen werden sie mühelos vom weiblichen Ensemblenachwuchs überschattet: Jordana Brewster und Julie Gonzalo sollen, wie ihre männlichen Kollegen, zwar primär das Auge der Betrachter verzücken, verleihen ihren Figuren jedoch die nötige, halboffen versteckte Giftigkeit, die so eine Serie benötigt, um zu funktionieren

Dennoch: So weit die erste Folge für die «Dallas»-Neuauflage sprechen kann, sind es die älteren Ewings, die aus einer mittelmäßig-kurzweiligen Serie eine Einschaltempfehlung machen. Larry Hagman glüht vor diabolischer Spielfreude als betrügerischer J. R., Patrick Duffy spielt einvernehmend den Gutmenschen Bobby, der vor seinem Krebstod die Familie einigen will. Und Brenda Strong (ein weiterer «Desperate Housewives»-Import) erfreut als Bobbys dritte Ehefrau, nach außen hin sehr besonnen wirkt, mit der man sich allerdings keinesfalls anlegen möchte. Die eigentlichen Handlungsstränge geraten da zur Nebensache, stellen sie eh nur das Fundament für größere und kleinere Intrigen dar: Hendersons Rolle will auf der Familienranch nach Öl bohren, während Metcalfes Figur eine ökologische Energiequelle markttauglich machen möchte. Hier ein Sakrileg für alte Serienfans, dort ein aktuelles Thema für junge Zuschauer – drum herum spinnen sich (vorläufige?) Bündnisse mit dreifachem Boden sowie ein Liebesdreieck.


Das ist Stoff, der einem den Fernsehgenuss mit seiner Klischeehaftigkeit ordentlich vermiesen kann. Aber Chefautorin Cynthia Cidre und ihr Team verstehen Melodramatik als sündiges TV-Vergnügen. Selbst wenn manche Dialoge holpern und die Schmierigkeit der Ewing-Söhne mehr langweilt, denn aufreibt: Exakt das versprochene, melodramatisch-sündige Vergnügen wird bei «Dallas» geboten. Dennoch darf, vor allem mit Blick auf eine deutsche Ausstrahlung, die Frage gestellt sein: Welches Publikum soll das auf Dauer verfolgen?

In den USA packte das Doppelpack mit den ersten beiden Episoden nahezu sieben Millionen Zuschauer – für den Kabelsender TNT ein ordentlicher Grund, die Sektkorken knallen zu lassen. Hierzulande dürften die Programmchefs der RTL Gruppe dies begierig beobachtet haben, schließlich sicherte sich der Medienkonzern die Ausstrahlungsrechte und hätte in Zukunft durch das nahende Ende von «CSI: Miami» am RTL-Dienstagabend ein prominentes Programmloch zu füllen. Aber wenn nach dem Verzehr einer Episode «Dallas» der sündhafte Spaß erstmal abgeklungen ist, fällt auf, wie sehr die TNT-Neuauflage derzeit zwischen den Generationen steht. Die junge Generation mutet mit ihren possierlichen Sex-Rollenspielen und ihrer wehleidigen Eifersucht zu sehr nach «90210» an, und es dürfte fraglich sein, wie lange das obere Spektrum der werberelevanten Altersgruppe diese Figuren aushält. Aber eben jene Teenager, die mit den jungen Ewings angesprochen werden, lassen sich von den eher altbackenen Machtspielen in «Dallas» vielleicht amüsieren, doch nur bedingt fesseln.

Für Marktführer RTL wäre «Dallas» also eine Zitterpartie, sofern die Serie nicht an (vergnüglicher) Dramatik zulegt. Möglicherweise bieten sich eher Marathon-Ausstrahlungen auf RTL II an – genug Suchtpotential für lange Fernsehnächte wäre vorhanden. Und ohne größere Bedenkzeit zwischen den Episoden fällt dem Publikum gar nicht auf, wie sehr es gerade sündigt. J. R. würde diese hinterhältige Taktik gewiss begrüßen.


Quelle http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=57313&p3=





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19.09.2012 17:06
#2 RE: " First Looks " Zitat · antworten




19.09.2012 11:00 Uhr First Look: «Revolution»


Redakteur: Sidney Schering


Mit «Revolution» bringt NBC den alljährlichen «Lost»-Klon auf die Bildschirme. Qualitätsrevolution oder Ausfall?


«Lost»- und «Fringe»-Produzent J. J. Abrams, «Supernatural»-Schöpfer Eric Kripke und «Iron Man»-Regisseur Jon Favreau: Drei Namen, die NBCs Sci-Fi-Drama «Revolution» zu einer Serie machen, die schwer zu ignorieren ist. Jedoch gibt es ebenso gute Gründe, misstrauisch gegenüber dem Format zu sein. Sci-Fi-/Mystery-Dramen, die noch immer auf den Nachwellen von «Lost» entstanden sind, scheiterten in der jüngeren Vergangenheit an durchsichtig konstruierten Storys, sperrigen Konzepten, die die Figuren überlagerten, und letztlich auch an den davon beeinflussten schwachen Einschaltquoten. Ob «Flash Forward», «Jericho» oder «The Event»: Dieses Genre ist derzeit gleichbedeutend mit Enttäuschungen. Kann «Revolution» mit seiner Handlung über eine Zukunft ohne Elektrizität diesen Fluch brechen?


Er hat den schweren Schicksalsschlag für die gesamte Menschheit vorhergesehen, doch kaum jemand wollte ihm glauben: Ben Matheson (Tim Guinee) prophezeite, dass der Strom für immer ausfallen wird. Kein elektrisches Licht mehr, kein Kühlschrank, kein Fernsehen, kein Internet. Doch auch keine Handys, Autos oder Taschenlampen mehr, denn nicht nur das Stromnetz bricht zusammen, sondern jegliche Elektrizität, auch die in Batterien. Da sie dort größere Überlebenschancen vermuten, ziehen Ben und seine Frau (Elizabeth Mitchell) mitsamt ihren Kindern aufs Land. Zeitsprung um 15 Jahre: Die Bevölkerung hat sich infolge des Stromausfalls ausgedünnt, die Regierung der Vereinigten Staaten ist zusammengebrochen und es gelten wieder die vagen Gesetze des Wilden Westens. Das Schicksal von Bens Frau ist uneindeutig, angeblich soll sie aber verstorben sein.


Als Captain Neville (Giancarlo Esposito) mit seiner Miliz in das Farmersdorf einfällt, wo Ben sich mit der Ärztin Maggie (Anna Lise Phillips) niederließ, nehmen sie ihn ins Verhör. Es kommt zu einer Auseinandersetzung, die Ben das Leben kostet. An Bens Stelle entführt Neville Bens Sohn Danny (Graham Rogers), woraufhin sich sein bester Freund Aaron (Zak Orth), Maggie sowie Bens Tochter Charlie (Tracy Spiridakos) auf den Weg nach Chicago machen, wo Dannys und Charlies Onkel Miles (Billy Burke) lebt und von dem sie sich Hilfe versprechen ...


Selbst wenn man das Konzept eines globalen Stromausfalls schluckt, der mit einem Schlag auch sämtliche elektrischen Geräte gebrauchsunfähig macht, die nicht am Netz hängen, verlangt «Revolution» einen Schuss Gutglaubens: In der zwischen postapokalyptischem Chaos, Wildwest und Distrikt 12 aus «Die Tribute von Panem» angesiedelten Zukunftswelt der Eric-Kripke-Serie gibt es keine von Wasser- oder Dampfkraft angetriebenen Maschinen, obwohl solche Gerätschaften den Menschen das Leben lange vor der Glühbirne erleichtert haben. Die Vermutung liegt nahe, dass große Dampfmaschinen schlicht nicht in die Ästhetik passen, die den Serienmachern vorschwebte, aber wenn sie das allumfassende Versagen der Elektrizität (vorerst) damit begründen können, dass eines nachts die physikalischen Gesetze Kopf standen, dann hätte ihre Kreativität auch für eine Pseudobegründung hinsichtlich der Abwesenheit von Dampfkraft genügen dürfen.


Aufgrund dieser und ähnlicher Oberflächlichkeiten im Bezug auf das zentrale Seriengeheimnis gewinnt man schnell den Eindruck, dass das Mysterium hinter «Revolution» den Autoren nur zu zwei Dingen dienlich ist: Es erschafft mit Fragen wie "Was wusste Ben über den Vorfall?" mittelfristige Spannung und es ist die notwendige Begründung für die in der Serie dargebotene, rückschrittliche Zukunftswelt. Zumindest die Pilotfolge erweckt den Anschein, dass es den Serienmachern mehr daran gelegen war, an moderne Bequemlichkeiten gewöhnte Menschen zu zeigen, die plötzlich in einer rauen, stromlosen Welt leben. In «Lost» war es der Flugzeugabsturz, der moderne Menschen aus diesem Komfort riss. Besagte Serie, man mag über ihr Finale denken, was man möchte, hat allerdings auch von den ersten Minuten an eine eigene Mythologie gesponnen. Davon ist in «Revolution» zunächst nichts zu spüren, weshalb die Grundidee zwar interessant ist, aber längst nicht so packend umgesetzt wurde, wie es denkbar wäre.


Auch die Charakterisierung befindet sich auf eher durchschnittlichem Niveau. Zak Orth hat als trockenhumoriger Aaron schnell die Sympathien auf seiner Seite, auch wenn er auffällig nah an «Lost»-Publikumsliebling Hurley orientiert ist. «Breaking Bad»-Fiesling Giancarlo Esposito zieht als freundlich lächelnder, eiskalt dreinblickender Captain einer Miliz in seinen wenigen Szenen durch seine bedrohliche Ausstrahlung jegliche Aufmerksamkeit auf sich und auch Billy Burke weiß als undurchschaubarer Onkel Miles zu überzeugen. Die Hauptrollen dagegen sind seitens des Skripts schwach umrissen und erhalten auch von ihren Darstellern wenig Profil. Weder Graham Rogers noch Tracy Spiridakos können als Bens Sprösslinge genügend Empathie erzeugen, um es berechtigt erscheinen zu lassen, dass ihre beiden charakterarmen Jugendhelden (sie sind nett und sehen gut aus, sonst weiß man nicht viel über sie) die größte Aufmerksamkeit in der Serie erhalten.


Die Ausstattung der Pilotepisode ist durchaus beeindruckend, allerdings steht erfahrungsgemäß abzuwarten, wie stark diese visuelle Komponente in nachfolgenden, budgetärmeren Episoden heruntergeschraubt wird. Zwar ist die postapokalyptische Welt von «Revolution» unnatürlich sauber, allerdings strotzt sie auch vor atmosphärischen Details und die geräumigen Sets erlauben komplex choreographierte Actionszenen, wie etwa den finalen Schwertkampf, der sich mühelos zum Höhepunkt des sonst etwas träge erzählten Piloten aufschwingt.


«Revolution» möchte Fragen darüber stellen, was die Menschheit durch das Abhandenkommen der Elektrizität gewinnt und verliert. Jedoch scheint den Serienmachern noch mehr daran gelegen, eine Art postapokalpytischen Western zu erzählen, bei dem aber die selbstgefällige Miliz die blassen Helden an die Wand spielt. Hinzu kommt, dass die eigene Mythologie der Serie bislang eher dünn ausfällt. Das Potential zu einem Genrehit hat «Revolution» zwar, allerdings muss das Format dieses Potential schneller ausschröpfen und an Charakter gewinnen, wenn es nicht in die Beliebigkeit abrutschen möchte.


Quelle http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=59242&p3=





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13.10.2012 18:52
#3 RE: " First Looks " Zitat · antworten




13.10.2012 08:53 Uhr First Look: «Beauty and the Beast»


Redakteur: Jan Schlüter


Das Märchen von der Schönen und dem Biest, verpackt als modernes Polizeidrama. Ein Kommentar zum vielleicht schlechtesten US-Neustart dieses Herbsts.
Klassische Märchenstoffe sind zeitlos. Dies dachte sich bereits das US-Network CBS im Jahr 1987 und übertrug die Geschichte von der Schönen und dem Biest in das moderne New York. Drei Staffeln erhielt die Serie, die bis heute für ihre Fans zu den kultigsten der TV-Geschichte gehört. Nun nahm sich der Sender The CW dieses Stoffes erneut an und startete mit «Beauty and the Beast» ein modernes Polizeidrama mit übernatürlichem Twist – heraus kam eine Serie, die bei US-Kritikern als schlechtester Neustart der Saison verspottet wird.


Die inhaltliche Prämisse von «Beauty and the Beast» wird in den ersten Minuten der Pilotfolge gelegt. Rückblende: 2003, vor elf Jahren, musste die Barbesitzerin Catherine Chandler mit ansehen, wie ihre Mutter von zwei mysteriösen Killern auf offener Straße erschossen wird. Catherine selbst kommt mit dem Leben davon: ein animalisches Etwas tötet die beiden Mörder, bevor diese noch mehr Schaden anrichten können. Heute ist Catherine erfolgreiche Detektivin beim NYPD, löst komplizierte Fälle mit ihrem Team. Was damals geschehen ist, weiß Catherine bis heute nicht – bis sie die Spur eines Falles zu Vincent führt, dem vermeintlichen Biest, das ihr einst das Leben gerettet hat.


Inhaltliche Probleme offenbaren sich bei dieser neuen Serie fast im Minutentakt: Dass Catherine auf die Spur ihres einstigen Retters trifft und ihn als eben jenen erkennt, ergibt sich aus einer solch plumpen Aneinanderreihung billig zusammengekleisterter Zufälle, dass es fast lächerlich wirkt. Ebenso zufällig scheinen die Detektive, die für ihre Recherchen gern auch mal googeln, letztlich den Fall um eine ermordete Journalistin eines angesagten Modemagazins zu lösen. Der lebensverändernde Einschnitt am Anfang der Serie – die Ermordung von Catherines Mutter – ist im Verlauf der Handlung kaum noch von Relevanz: Warum die Mutter damals sterben musste und wer die zwei Killer waren, bleibt offen und wird nur marginal am Ende nochmals aufgegriffen. Immerhin: Die Hintergrundgeschichte des Biests – eine Mischung aus «Das Bourne Vermächtnis» und «Resident Evil» – wird immerhin angerissen.


Auf darstellerischer Ebene liegen aber die wahren Probleme von «Beauty and the Beast»: Als Catherine Chandler ist «Smallville»-Darstellerin Kristin Kreuk zwar ein Hingucker, aber ihr schauspielerisches Potenzial hält sich auch hier arg in Grenzen. Mimik ist so gut wie nicht vorhanden, umso mehr dafür ein überspieltes Pathos, das Kreuk in ihre Dialoge legt. Noch schlimmer wird all dies, wenn man ihr die Rolle der toughen Detektivin nicht für eine Sekunde abnehmen kann – diese Besetzung wirkt schlicht deplatziert und macht es dem Zuschauer nur noch schwerer, der ohnehin konstruierten Handlung ein wenig Glaubwürdigkeit abzugewinnen. Nicht besser spielt Jay Ryan das vermeintliche Biest, das sich als gewöhnlicher Jungspund mit Dreitagebart entpuppt und nicht bedrohlicher aussieht als mancher «CSI»-Darsteller.


Die Fehlbesetzung der Figuren kann auch durch die Dialoge nicht gerettet werden, die sich als Aneinanderreihung peinlicher Einzeiler-Witze und dummer Interaktionen entpuppt: Da fragt Catherine ihr Biest „Was hälst du von einem Drink? Kannst du überhaupt trinken?“, und ihre NYPD-Partnerin gibt Beziehungstipps wie „Du hast eine Schwäche für Deppen. Sieh mal, wenn ich ein Date mit einem Deppen habe, dann weiß ich, dass er ein Depp ist. Deswegen halte ich mich derzeit von Männern fern.“ Viel Sinn, geschweige denn Witz, geben diese Dialoge nicht her – während der restlichen Handlung wird es kaum besser.


Insgesamt versagt «Beauty and the Beast» damit auf ganzer Linie: Die spannende Relevanz des Märchenstoffes (die wahren Monster sind manchmal die Menschen selbst, nicht das entstellte Biest) wird nicht im Ansatz ausgeschöpft. Action-Szenen, in der Kristin Kreuk gleich mehrere männliche Auftragskiller im Martial-Arts-Stil überwältigt, bieten unfreiwillig komische Unterhaltung. Das permanente Overacting – also das übertriebene nonverbale Schauspiel –, die irrwitzigen Dialoge und die Kamera, die oft die falsche Einstellung an der falschen Stelle bringt, zerstören jede Atmosphäre im Ansatz. Schließlich tut die aus Zufällen und Deus-Ex-Machina-Situationen zusammengekleisterte, spannungsarme Handlung ihr Übriges, um «Beauty and the Beast» als inhaltlich relevanten Saison-Start nicht wirklich ernst nehmen zu können.


Stattdessen schafft die Serie etwas anderes: Mit all ihren Fehlern ist sie so schlecht, dass sie schon fast als gutes, soapiges Trash-TV durchgeht – und damit unfreiwillig jene komödiantische hirnlose Unterhaltung schafft, die sich mancher Zuschauer möglicherweise inmitten der ernsten und komplexen TV-Dramen auch mal wünscht. Vielleicht bekommt das neue «Beauty and the Beast» auf diese Weise seine ganz eigene Kult-Fanbasis – wie der einstige Serienklassiker von 1987.


Quelle http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=59734&p3=





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13.10.2012 18:56
#4 RE: " First Looks " Zitat · antworten




12.10.2012 08:55 Uhr First Look: «Arrow»


Redakteur: Jan Schlüter


Eine neue Superhelden-Serie erobert die USA. Ist «Arrow» das nächste «Smallville»?
„Der Name der Insel, auf der sie mich fanden, ist Lian Yu. Das ist chinesisch – und bedeutet Fegefeuer.“ Mit diesen Worten beginnt «Arrow», eine neue Superhelden-Serie auf dem Sender The CW, der bereits mit «Smallville» bewiesen hat, heroische Stoffe für das Fernsehen erfolgreich umsetzen zu können. «Arrow» ist deswegen ein interessanter Neustart, weil Superhelden im Fernsehen unterrepräsentiert scheinen – denn der Kino-Boom um Batman, Spider-Man und Co., der in diesem Jahr mit «The Avengers» einen neuen Höhepunkt erreichte, ist nie auf die heimischen Bildschirme übergesprungen. Formate wie «The Cape», «No Ordinary Family» und zum Teil «Heroes» sind nur die prominentesten Beispiele für inhaltliche und wirtschaftliche Genre-Flops der jüngeren Zeit.


«Arrow» soll ein neuer, ein besserer Ansatz für Superhelden-TV sein – mit dem mysteriösen Bogenschützen Oliver Queen, der laut Zitat durch das Fegefeuer gegangen ist: Ein Schiffsunglück vor Südkorea riss einst die gesamte Besatzung in den Tod, einziger Überlebender ist Oliver Queen, der auf einer mysteriösen und einsamen Insel strandet. Nach fünf Jahren wird er gefunden und kehrt in seine Heimatstadt Starling City zurück – allerdings nicht mehr als der Mensch, der er einst war: Früher als reicher Playboy der Unternehmerfamilie Queen auf vielen Partys unterwegs, ist der Geläuterte nun ein Kämpfer für das Gerechte geworden. Er will seine Stadt, die mittlerweile in Armut versinkt, von den skrupellosen Konzernbossen befreien, die auch das Unternehmen seines Vaters – Queen Industries – einst zerstörten. Die Mission hat begonnen.


Dieser Story-Hintergrund erinnert nicht zufällig an Charakteristika von Bruce Wayne alias Batman. Die Macher von «Arrow» haben sich dieses Superhelden-Typus klar bedient und zeigen Oliver Queen als einen Menschen, der zwar keine magischen Kräfte besitzt, durch seine Ausbildung aber bemerkenswerte physische Fähigkeiten erlangte. Er ist ein exzellenter Bogenschütze und ein kräftiger Kämpfer. Zudem baut er sich in den leer stehenden Fabrikgebäuden von Queen Industries seine eigene kleine Bathöhle light – Überwachungsbildschirme und Hacker-Tools inklusive. Auch Kameraeinstellungen und die visuelle Darstellung des Superhelden-Charakters erinnern an Christopher Nolans Batman-Saga.


Mit dem Dunklen Ritter verbindet Queen auch das lebensverändernde Ereignis, das die Superhelden-Mentalität entfacht: Bruce musste den Mord an seinen Eltern erleben und schwor sich Rache, Oliver verlor beim Schiffsunglück seinen Vater und eine Freundin. Doch genau hier beginnen die Probleme des «Arrow»-Pilotfilms: Die wahre Motivation, die Queen antreibt, um jetzt plötzlich böse Unternehmerbosse zur Strecke zu bringen, ist nicht ersichtlich – und schon gar nicht, warum er der Stadt Starling City damit zu Geld verhelfen will. Immer nur wird marginal auf die mysteriösen Ereignisse verwiesen, die sich während seiner fünfjährigen Abwesenheit auf der Insel zugetragen haben sollen. Doch nicht einmal im Geringsten wird angedeutet, was dem einstigen Playboy dort passiert sein könnte. Mehr als eine Minute bekommt man von den Ereignissen auf der Insel im Pilotfilm nicht zu sehen – zu wenig, um irgendwie Spannung und Neugier für das aufbauen zu können, was wohl als Seriengeheimnis nach und nach gelüftet werden soll.


Ähnlich emotionslos nimmt der Zuschauer die Rückkehr Oliver Queens nach Starling City und zu seiner Familie hin – solche melodramatischen Elemente sind wenig sinnvoll, wenn der Hauptcharakter erst vor zwei Minuten eingeführt wurde. Dramaturgisch hätte sich angeboten, die in Rückblenden immer wieder gezeigten Szenen des einstigen Schiffsunglücks gleich am Anfang einzubauen, um der Figur zumindest ein wenig Tiefe zu geben und Empathie herzustellen. Die Kühle und Distanz Queens spielt Stephen Amell solide, aber ohne Witz und Esprit. Bester Darsteller der Pilotfolge ist Colin Donnell, ein Freund Olivers, der den einzigen Comic Relief in der sonst sehr düster und ernst gehaltenen Serie darstellt. Wenig überzeugend ist dagegen Katie Cassidy als Laurel Lance, Olivers frühere Freundin. Laurel macht ihn nach seiner Rückkehr – aus unerfindlichen Gründen – für den Tod ihrer Schwester verantwortlich, die ebenfalls auf dem gekenterten Schiff umkam. Doch nur 15 Serienminuten später verzieht Laurel ihrem früheren Lover – nur ein Beispiel für fehlende kohärente und glaubwürdige Charakterentwicklung.


Inhaltlich bleibt «Arrow» hinter den Erwartungen zurück. Charaktere sind größtenteils blass gezeichnet; die mysteriöse Grundstimmung um das Insel-Unglück wirkt nicht konsequent ausgearbeitet; Handlungsmotivationen werden nicht erklärt oder sind unglaubwürdig. Die Orientierung an Nolans Batman-Epos gelingt somit nur bei den stark inszenierten Action-Szenen und der kameratechnischen Visualisierung der Serie – besonders die Rückblenden sind optische Highlights. So bleibt die Pilotfolge von «Arrow» leichte, teilweise arg konstruierte Popcorn-Unterhaltung ohne Tiefe. Vermutlich reicht dies für einen Quotenerfolg – die meisten Superhelden-Kinohits machen es schließlich auch nicht besser.


Quelle http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=59710&p3=





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23.01.2013 10:42
#5 RE: " First Looks " Zitat · antworten




First Look: «The Following»


Redakteur: Jan Schlüter


Der viel erwartete Serien-Neustart mit Kevin Bacon wird allen Erwartungen gerecht. «The Following» erzählt ein packendes Charakterdrama zweier Gegenspieler – dem gefallenen FBI-Mann Hardy und dem kranken Serienkiller Carroll. Unsere Kritik zur Pilotfolge.


“Gott, hilf meiner armen Seele. Gott, hilf meiner armen Seele.” Dies sind die letzten Worte einer jungen Frau, bevor sie ein Messer zieht und auf grausame Weise Selbstmord begeht. In einem FBI-Gebäude. Öffentlich, vor dutzenden geschockten Zeugen. Der tote Körper dieser jungen Frau: komplett bedeckt mit aufgemalten Zeilen aus dem Werk des Schriftstellers Edgar Allan Poe. Die Worte, welche die Frau vor ihrem Selbstmord von sich gibt, soll auch Poe in seinen letzten Atemzügen ausgesprochen haben.

Dieser tragische wie mysteriöse Vorfall scheint für Ryan Hardy der Beweis dafür zu sein, dass es sich bei seinem neuen Fall um mehr handelt als den bloßen Ausbruch eines Serienkillers aus dem Gefängnis. Der eigenbrödlerische Hardy, eigentlich suspendiert, wird vom FBI gebeten, die Ermittlungen aufzunehmen: In der Nacht zuvor hatte Joe Carroll mehrere Sicherheitsleute brutal ermordet und war dem Gefängnis entkommen, befindet sich nun auf freiem Fuß. Carroll, früher gefeierter Literaturprofessor und Autor, scheint nur die Spitze des mörderischen Eisbergs zu sein – immer tiefer gerät Hardy in die Geschichte um diesen Serienkiller, der wohl das Internet benutzte, um Anhänger seines Kults zu rekrutieren.


Hardy und Carroll sind die beiden Gegenspieler in dieser spannenden Geschichte, deren Ausmaß sich in der ersten Episode von «The Following» nur erahnen lässt. Beide duellierten sich bereits vor Jahren, als Hardy zum ersten Mal auf Spurensuche nach Carroll ging, nachdem dieser mehrere junge Frauen ermordet hatte. Sein Motiv: den Tod als Kunst zu sehen. Carroll begreift seine blutigen Tatorte und zerstümmelten Leichen als Kunstwerke im Sinne Edgar Allan Poes, der im Tod viel Ästhetik findet: „Der Tod einer schönen Frau ist fraglos der dichterischste Gegenstand auf Erden“, schrieb er einst. Carroll versteht diese Worte in ihrer kompromisslosesten Form.

Zu sehen ist dieser Killer – stark gespielt von James Purefoy – nicht nur in der Gegenwart, sondern vor allem in den zahlreichen Flashbacks. «The Following» konstruiert seinen Antagonisten behutsam, dafür umso grausamer. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie diesen einen Charakter differenziert, ambivalent ausbildet, nicht nur als plattes Feindbild wie bisher. Dann könnte «The Following» ein neuer großer Hit werden, vielleicht die erhoffte Serienüberraschung dieser TV-Season. Zumal Kevin Bacon in der Rolle des FBI-Veteranen Hardy – wie erwartet – brilliert: Minimalistisch und authentisch verkörpert er den gefallenen Gerechtigkeitskämpfer, der sein Schicksal im Alkohol ertränkte, nachdem er vom Dienst suspendiert worden war.


So gesehen hatte der erste Kampf zwischen Hardy und Carroll keinen Sieger. Der Rückkampf hat gerade erst begonnen in diesem seriellen Abenteuer, das sich Zeit für Charakterentwicklung und die Entfaltung einer komplexen Story nimmt. Gegen Ende der ersten Folge wird Hardy in eine Falle gelockt, muss mit ansehen, wie Carroll eine junge Frau zu Tode quält. Jene junge Frau, die damals als einziges Opfer dem Blutrausch des Serienkillers entkommen konnte und nun seinem blutigen Kunstwerk den letzten Schliff verpasst. Am Ende der Pilotfolge wird Carroll wieder festgenommen – doch sein „Following“, seine Anhänger, bleiben. Im Verhör mit Hardy kündigt Carroll weitere Morde an, während Marilyn Mansons Version von „Sweet Dreams“ spielt. Wie heißt es in diesem Song noch? „Some of them want to use you / Some of them want get used by you”. Wer hier wen benutzt, ist noch längst nicht klar bei diesem Kampf zwischen dem zerrütteten FBI-Agent und seinem mächtigen Erzfeind.


Quelle http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=61637&p3=





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27.01.2013 16:33
#6 RE: " First Looks " Zitat · antworten




First Look: «Ringer»


Die Noir-Serie mit Sarah Michelle Gellar nicht mit «Buffy» zu vergleichen, ist schwer. Der Auftakt fiel mäßig aus.



Es ist die Heimkehr des noch jungen Jahrzehnts: Buffy ist zum Fernsehen zurückgekehrt. Und wie schwierig es ist, Buffys neue Serie nicht andauernd mit «Buffy – Im Bann der Dämonen» zu vergleichen, haben unzählige TV-Kritiker in den vergangenen Tagen bewiesen. Der Hollywood Reporter ging sogar so weit, die Einschaltquoten der Serienpremiere mit denen von «Buffy» vor vierzehn Jahren zu vergleichen. Wie schwierig es eigentlich ist, Buffys neue Serie «Ringer» als «Buffy»-Fan und -Fanatiker zu sehen, hat sich für einige der Zuschauer auch schnell gezeigt. Als wirklicher Fan von Sarah Michelle Gellar steht man vor einem kleinen Dilemma: Soll man «Ringer» für seine praktisch idiotische Story und der Unmenge an Plotholes hassen, oder sollte man der Serie weitere Chancen einräumen, nur weil sie mit Gellar eine Darstellerin hat, welche ein Star unter den jungen Zuschauern ist?

«Ringer» startet mit einer Szene, welche das Noir-Genre definiert: Eine junge Frau versteckt sich in ihrem Loft vor einem unbekannten Mann, der vorhat, sie auf der Stelle zu töten. Bevor es jedoch dazu kommt, springt die Episode um neun Tage zurück und stellt uns Bridget (Gellar) vor, die gerade in einer Selbsthilfegruppe ihre Lebensgeschichte erzählt. Als einzige Augenzeugin eines Mafiamordes wird sie vom FBI beschützt und beschattet, doch Bridgets traumatische Vergangenheit bringt sie trotzdem dazu, aus ihrem aktuellen Leben auszubrechen und ein neues zu starten. Sie lässt kurzerhand ihre Aufpasser im Regen stehen und trifft sich mit ihrer Zwillingsschwester Siobhan (ebenfalls Gellar) in den Hamptons. Doch «Ringer» wäre kein Noir-Thriller, wenn er nicht mit Twists um sich werfen würde. Während eines Boottrips begeht Siobhan offenbar Selbstmord, und gibt Bridget somit die Chance, das Leben ihrer Schwester zu übernehmen. Tage später ist Bridget in New York, mit der Überzeugung als Siobhan ein neues Leben zu starten. Wäre da nicht Siobhans Leben, welches noch durcheinandergewirbelter ist als Bridgets armseliges Leben. Sowie die unbekannte Person aus dem Anfang der Episode, welcher versucht Bridget zu töten...


Nach 41 Minuten fragt man sich doch irgendwie, wie das Drehbuch durch die Hände von CBS ging und letztendlich produziert wurde. In Sachen Logik hat «Ringer» nämlich allerhand Probleme, und schafft es nicht zu erklären, warum das Projekt Anfang des Jahres so viel Anklang fand.

Normalerweise würden Drehbücher mit einem Logikloch nach dem anderen zurückgestellt werden, doch offenbar war die Grundidee, ein Noir-Drama mit Soap-Elementen fürs Fernsehen zu schaffen, sowie Sarah Michelle Gellar in der Hauptrolle, stark genug, um der Serie eine Chance in diesem Jahr zu geben. Man muss sich als Zuschauer allerdings wirklich fragen, wie die Pilotfolge überhaupt durchs Raster gekommen ist. Nicht nur die fehlende Logik macht dem vollständigen Genuss von «Ringer» zu schaffen, sondern auch die Aufmachung. Die Elemente eines Noir-Dramas wurden völlig überreizt, die Darstellungen der Schauspieler geben nichts her, was man nicht schon dutzende Male gesehen hat (und selbst Gellar ist nicht unbedingt ein Licht im Dunkeln), und die berüchtigte Bootszene kann mit ihren billigen Effekten schon als schlechteste Szene einer Serie in diesem Jahr bezeichnet werden. Wenn man für eine Pilotfolge, die von Natur aus ein höheres Budget hat als die restlichen Folgen der Serie, nicht genügend Geld für eine Szene hergeben kann, fragt man sich zurecht, wo das Budget eigentlich hin verschwunden ist.


Die Noir-Elemente funktionieren nur bedingt. Es mag in der ersten Hälfte noch interessant sein, wenn Bridget und/oder Siobhan sich gegenseitig in den Spiegeln anblicken, doch mit der Zeit wird damit mächtig übertrieben. Zusätzlich hat das Drehbuch vernachlässigt, das eigentliche „Spiegeln“ der Handlung zu analysieren: Wie sieht Bridget sich im Leben von Siobhan, und warum gibt es keine Momente, in welchen die Noir-Elemente metaphorisch auf die Charaktere übertragen wurden? Als hätte Regisseur Richard Shepard vorher keinen Crashkurs besucht, wie man Noir-Dramen inszeniert. Das einzig Positive an den ganzen Noir-Übertragungen in die Geschichte sind nur die tiefen Totalen einiger Innenraumszenen, sowie New York als Ganzes – allerdings auch nur, weil man hier sieht, inwiefern der Big Apple mit in die Geschichten einbezogen wird, wie groß die Kulissen sind, und wie viel Spielraum die Schauspieler haben.

Die Darsteller sind nicht unbedingt das Gelbe vom Ei. Gellar hat seit dem «Buffy»-Finale offenbar Gefallen am stillen Schweigen ihrer Charaktere gefunden und setzt ihr minder steriles Spiel aus Filmen wie «The Grudge» und «Veronika Decides to Die» fort. Im Falle von «Ringer» ist dies aber nicht positiv zu verstehen: Bridget sollte eigentlich ein zugänglicher Charakter sein, deren Entscheidungen für die Zuschauer verständlich sein sollen, doch ging das im Piloten ziemlich in die Hose. Zu verdanken ist dies auch dem Drehbuch, welches mit dem fehlenden Akt von Bridget und ihren Vorbereitungen, in Siobhans Leben einzutreten, unterentwickelt und unvollständig wirkt. Es bedarf an Erklärungsnot im Mittelteil der Episode, welche sicherlich den Großteil der Logiklöcher ausradiert hätte. Hier bleibt nur die Hoffnung, dass die weiteren Episoden auf diese Story genauer eingehen. Der Rest des Cast, vor allem Ioan Gruffudd und Kristoffer Polaha als Bridgets/Siobhans Männer, bleibt dagegen größtenteils blass und benötigt so schnell wie möglich Tiefe. Da der Pilot sich in fast allen Instanzen auf Bridget konzentrierte, blieben wichtige Momente für die anderen Charaktere aus, und Zuschauer müssen warten, um immerhin mit einem Charakter in «Ringer» eine emotionale Verbindung herstellen zu können.


«Ringer» ist nicht unbedingt ein Totalflop, wie es hier den Anschein hat. Obwohl der Großteil der Kritiken gemischt ausfällt, hat die Serie immer noch einen Vorteil gegenüber anderen Neustarts in diesem Jahr: Die Autoren wollen eine Serie im Genre des Noir-Dramas erzählen, und die Produzenten wollen mit «Ringer» anspruchsvolles Programm an den Mann bringen. Dass es in der ersten Folge nicht geklappt hat, kann man ruhig dem „Pilotfluch“ zusprechen, welcher die Autoren zwingt, so viel Exposition wie möglich ins Drehbuch zu stecken (was beileibe der Episode das Genick brechen kann, wie im Sommer «Switched at Birth» bewiesen hat). Dass man eine Verbesserung in den nächsten Episoden erwarten kann, zeigt die Bestellung der Serie und der Faktor, dass sie gerade ausgestrahlt wird. Anderseits hätten auch die Leute von The CW die Serie nicht bestellt, und würde jetzt für solche Diskussionen sorgen. Doch zur Zeit ist «Ringer» mit seinem Plot in sich zusammengefallen – was man vielleicht hätte kommen sehen müssen, als in der ersten Minute Patsy Clines „I Fall to Pieces“ gespielt wurde.


sixx zeigt «Ringer» ab dem 29. November 2012 immer donnerstags um 21.00 Uhr


Quelle http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=52103&p3=





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28.02.2013 09:29
#7 RE: " First Looks " Zitat · antworten




First Look: «Cult»


«Cult» startete bei TheCW mit miserablen Quoten. Verdient die Serie ein größeres Publikum?



Das Verschwimmen von Fiction und Realität ist sicherlich ein spannender Ansatz für eine TV-Serie. Das neue TheCW-Format «Cult», entworfen von Rockne S. O'Bannon und produziert von Josh Schwartzs Fake Empire Productions, versucht aus dieser Prämisse für ihr Publikum das Meiste zu machen – und erzählt dabei zwar ganz nett, doch weit unter den Möglichkeiten bleibend, die diese Einladung zur Meta-Madness eigentlich bieten würde.

„Cult“ ist auch der Name der fiktionalen Serie, um die sich in «Cult» (also nicht dem fiktionalen „Cult“, sondern dem TheCW-the-Real-Deal-«Cult») alles dreht: Sie handelt vom ominösen Sektenführer Billy Grimm, der einen festen Zirkel von Jüngern um sich schart, die für ihn über Leichen gehen würden. „Cult“ hat seit Sendestart eine große Gruppe an Hardcore-Fans erworben, die jeden Screenshot zu Tode analysieren und sich zu Reenactments treffen. Unter anderem auch Nate, einer dieser Josh-Schwartz-Nerds, gewissermaßen ein Seth Cohen mit Drogenvergangenheit. Nate vermutet mehr hinter „Cult“ und recherchiert so besessen, bis seine Wohnung reif für «A Beautiful Mind» aussieht.

Schließlich in einem vollkommen paranoiden Zustand angekommen, nimmt er Kontakt zu seinem Bruder Jeff auf, der kürzlich bei der „Washington Post“ rausgeflogen ist und sich nun bei einem Käseblättchen in Los Angeles verdingt. Jeff schenkt Nates wirren Erzählungen keinen Glauben – bis er erfährt, dass Nate gekidnappt wurde.

Daraufhin versucht Jeff, mit den Produzenten der Serie in Kontakt zu treten. Vergeblich. Bis auf die Rechercheurin Skye, die schon seit einiger Zeit Wind von den dubiosen Hardcore-Fan-Sekten bekommen hat, erhält er keine Unterstützung.

Konzeptuell hängt hier sehr viel in der Luft. Zwar kann man durchaus anführen, dass das von O'Bannon und Schwartz auch so gewollt ist und sich die Spannung daraus ergeben soll, dass das Bedrohungsszenario sehr vage bleibt und sich aus dem Meta-oder-nicht-Meta-Spielchen speißt. Doch das lässt leider all die Plots sehr ungriffig bleiben und es fehlt an einem stringenten Rahmen, der einem sinnvolle Anhaltspunkte liefern würde, woran man überhaupt sein könnte.

Natürlich liefert der Pilot von «Cult» auch durchaus ein paar spannende Szenen, die nicht zu gewollt auf die typische CW-Zielgruppe getrimmt sind. Im Gesamtkontext aus Psycho-Thriller meets Teenie-Fernsehen bleibt das aber Stückwerk.

Durch die Serie-in-der-Serie-Situation als zentralem Anker der Dramaturgie wäre es möglich gewesen, sich intensiv mit Themen wie Wirkungspsychologie und der wechselseitigen Beeinflussung von Medien und Realität auseinanderzusetzen. Natürlich auch gerne zielgruppenaffin und damit wohl nicht allzu intellektuell. Doch der Pilot verschenkt leider sehr viel Potential mit dem Abhaken billiger Ideen, etwa dem ständigen grinsenden Genöhle des Network-Executives, der ein paar ganz tolle kreative Einfälle zu haben meint und beim Showrunner vorsprechen möchte. Das lenkt von der eigentlich interessanteren Ausarbeitung der zunehmenden Verflechtungen zwischen dem Plot der Serie in der Serie und Jeffs Bemühungen, das Verschwinden seines Bruders aufzuklären, unnötig ab. Will man konsequent düster (und sinnvoll) erzählen, wird man in Zukunft auf diese aufgesetzten Methoden, die intrigante Fernsehwelt vorzuführen, verzichten müssen.

In einzelnen Momenten ist durchaus Potential vorhanden, auch wenn die typische TheCW-Ausrichtung mit all ihren von Brian Lowry aufgezeigten Anachronismen immer störend dazwischenfunkt. Die Prämisse als solche funktioniert – sie hätte nur nicht so schnörkellos auf soapig und vor allem in Bezug auf die Backstorys der beiden Hauptfiguren klischeehaft erzählt werden dürfen, auch wenn man sich mit flotten Sprüchen im Vergleich zu anderen Formaten des Senders schon deutlich zurückgenommen hat, um zumindest den Versuch zu unternehmen, ein Szenario der kontinuierlichen latenten Bedrohung zu entwerfen.

Angesichts der miserablen Quoten wird «Cult» aber wohl sowieso kein Cult-Following erreichen. These things just snap right off.


Quelle http://www.quotenmeter.de/cms/?p1=n&p2=62355&p3=





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18.03.2013 09:53
#8 RE: " First Looks " Zitat · antworten




First Look: «The Americans»


«The Americans» thematisiert einen sehr amerikanischen Stoff – für den deutschen Markt ein Grundsatzproblem.



Wenn Amerika sich in seiner Fiction mit sich selbst beschäftigt, war das zumindest früher für andere Märkte eher weniger interessant. Das vielfach preisgekrönte «The West Wing», das von 1999 bis 2006 beim Network NBC lief, hat es etwa bis heute nicht ins deutsche Free-TV geschafft.

In den letzten Jahren schien sich der deutsche Markt jedoch zumindest ein Stück weit den eher amerikalastigen Fiction-Produktionen aus Übersee anzunehmen. «Mad Men», das sich sehr stark mit den gesellschaftlichen Umwälzungen der 60er Jahre in den USA beschäftigt, wird hierzulande im frei empfangbaren Fernsehen zumindest bei ZDFneo ausgestrahlt – und damit ähnlich unter Ausschluss einer breiten Öffentlichkeit wie etwa die viel gelobte Miniserie «Angels in America» vor rund zehn Jahren, die das Erste damals im Nachtprogramm versendete.

In den letzten Wochen kam es nun vielleicht zu einem kleinen Paradigmenwechsel: «Homeland», ein Alptraumszenario der amerikanischen Sicherheitspolitik, ist derzeit eines der wenigen Formate, das bei Sat.1 verhältnismäßig breiten Anklang findet. Qualität macht sich hierzulande auch mit sehr amerikanischen Themen und sehr amerikanzentrischen Plots, die sich auf die deutsche Realität kaum übertragen lassen, bezahlt.

Mit «The Americans» startete nun bei FX vor wenigen Wochen ein weiteres Format in den USA, das bei den Sendern hierzulande wohl ein Gefühl zwischen Hoffnung und Kopfzerbrechen aufkommen lassen wird. Die Ausrichtung und das Thema sind dem von «Homeland» ähnlich, der dramaturgische Fokus ist jedoch in mancher Beziehung ein anderer, das Setting für ein kontinentaleuropäisches Publikum vielleicht noch einen Tacken unzugänglicher.

Keri Russell und Matthew Rhys spielen im Washington, DC der frühen 80er Jahre das Ehepaar Jennings. Sie leben in einem schicken Suburb, wo die Zäune weiß und die amerikanischen Flaggen vor den Häusern obligatorisch sind. Das Geheimnis der Jennings: Sie sind Undercover-Agenten für den KGB, spionieren im Zentrum der Macht der USA, führen Liquidierungsoperationen aus – all das, was Agenten in Hollywood-Produktionen eben so machen. Dass man aufgrund ihres äußerlich durch und durch amerikanischen Lebensstils und ihrem akzentfreien Englisch nicht im Traum daran denken würde, dass es sich bei den netten Nachbarn von nebenan um Spione aus Moskau handelt, ist Teil des KGB-Konzepts: Seit sich die Jennings in den USA aufhalten, haben sie kein russisches Wort auch überhaupt nur gesehen.

Die 80er Jahre in Amerika, das bedeutet: republikanisch, konservativ, patriotisch, geeinigt in erdrutschartigen Wahlsiegen für Ronald Reagen und einem gefestigten nationalen Selbstverständnis, mitunter gespeist aus einem letzten Aufbäumen des Kalten Krieges, einem Ende der „Malaise“ nach dem Scheitern der Carter-Regierung, einem vergleichsweise glücklichen Ende der Geiselkrise von Teheran – und noch ein weiter Weg zu „Tear Down this Wall“.

Auch ein jüngeres Publikum in Amerika kann zumindest noch in Ansätzen diese Zusammenhänge verstehen, wenn es vielleicht auch das Zeitgefühl nicht in vollem Umfang nachempfinden kann. Doch viele dieser Eregnisse, die bei den «Americans» den historisch-gesellschaftlichen Rahmen setzen, sind im kollektiven Gedächtnis der USA noch fest genug verankert, um Referenzen darauf leicht verständlich zu machen. Einem deutschen Publikum wird das deutlich schwerer Fallen.

Schließlich ist «The Americans» kein weiteres «ALIAS», das zwar dynamisch, im Sinne der historischen Relevanz und der gesellschaftlichen Brisanz aber belanglos jede Woche einen neuen Plot abspult und im Hintergrund um die Hauptfiguren einen pseudo-mysthischen Arc aufbaut.

Natürlich klammert «The Americans» als Agenten-Thriller nicht sein Genre aus. Doch neben den gut geschriebenen plotgetriebenen Momenten und dem spannenden Konflikt um diese sonderbare, vor zwanzig Jahren vom KGB arrangierten Ehe schimmert nahezu dauerhaft das historisch-kulturelle Setting als tragender Eckpfeiler durch – wenn es natürlich auch hier um die ganz großen Themen Liebe, Vertrauen und Betrug geht.

Doch anders als die meisten anderen Produktionen des Genres ist «The Americans» durch seine schon titelgebende sehr starke Fokussierung auf die amerikanische Vergangenheit klar begrenzt. Wer das nötige Hintergrundwissen mitbringt sowie über die notwendige kulturelle Sensibilität verfügt, kann sich auf eine der besten neuen Serien der bisherigen Season freuen – gespickt mit hervorragenden Dialogen, beeindruckenden, hoch emotionalen Szenen und zwei hervorragenden Hauptdarstellern.

Wer sich dagegen schon mit dem Namen Ronald Reagan schwer tut, wird sich im Universum der «Americans» kaum zurechtfinden können.

Je nachdem, wie die deutschen Sender ihr Publikum diesbezüglich beurteilen, wird wohl auch das Schicksal dieser hervorragenden FX-Serie auf dem deutschen Markt ausfallen: Wird man sie feiern wie «Homeland»? Oder ignorieren wie «The West Wing»?


Quelle http://www.quotenmeter.de/n/62651/first-look-the-americans





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19.03.2013 11:15
#9 RE: " First Looks " Zitat · antworten




First Look: «The Secret Circle»


Neue Mysterykost aus dem Hause The CW: Warum «The Secret Circle» mit toller Story und talentiertem Cast nicht so unscheinbar ist, wie es den Anschein hatte, und den Zuschauern eine potentiell große Serie bevor steht.



Box-Office-Schlager bekommen in der Regel eine Fortsetzung; erfolgreiche Serien werden für weitere Staffeln verlängert; und einige Serien bekommen sogar ihre eigenen Ableger und Spin-offs. Das «Star Trek»-Franchise wäre nichts ohne den Erfolg von «The Next Generation», und CBS müsste wohl eine Handvoll komplett neue Serien mit neuen Charakteren entwickeln lassen, wenn der Siegeszug von «CSI» nicht so beeindruckend gewesen wäre. Mit «The Secret Circle» gibt es nun ein neues Beispiel. Geht man ein wenig die Zeitlinie zurück, würde es die neue übernatürliche CW-Serie nicht ohne den «Twilight»-Erfolg geben. Und «The Secret Circle» hat den Zuschauern nicht mal Vampire anzubieten. Nein, «Twilight» brachte die ehemalige CW-Chefin Dawn Ostroff dazu, «The Vampire Diaries» ins Programm zu nehmen, wessen Erfolg nun dazu geführt hat, dass «The Secret Circle» als nächste L.J.-Smith-Adaption im Fernsehen auf Zuschauerjagd gehen darf. Nach der Qualität der Premiere zu urteilen, dürfte es keine drei Jahre dauern, bis auch die nächste Buchserie der Autorin fürs Fernsehen adaptiert wird. Hier steht ein Erfolg auf der Türmatte.

Die Serie startet mit einem Schicksalsschlag für die 16-jährige Cassie (Britt Robertson, «Life UneXpected»). Ihre Mutter wird bei einem Hausbrand getötet und zwingt Cassie, in die kleine Küstenstadt Chance Harbor umzusiedeln und mit ihrer Großmutter Jane (Ashley Crow) zusammenzuziehen. Als wäre der Umstand nach dem Tod eines Elternmitglieds nicht schon schlimm genug, stellt Cassie fest, dass ihre neue Umgebung mehr als mysteriös auf sie wirkt. Jeder Einwohner scheint sie und ihren Familienhintergrund mehr zu kennen als sie selbst, und selbst ihre neuen Freunde, eine Gruppe angeführt von der bissig-fiesen Faye (Phoebe Tonkin) und dem geheimnisvollen Romantiker Adam (Thomas Dekker, «Terminator: The Sarah Connor Chronicles») sind merkwürdige Freaks. Was bei ihrer Vergangenheit allerdings kein Wunder ist: Sie sind Nachkommen einer langen Linie von Hexen, welche bis in die 1600er Jahre zurückreicht. Und Cassie lernt, dass sie ebenfalls eine Hexe ist. Für die Gruppe ist Cassie das letzte Stück zur Komplettierung des Zirkels. Während sie vorher nur kleine, ungefährliche Magie nutzen konnten, sind sie mit Cassies Hilfe nun in der Lage, die vollen magischen Geschütze aufzufahren. Doch bis es dazu kommt, gibt es einiges an Geheimnissen aufzuklären, die allesamt in der Vergangenheit der Stadt liegen, und in welchen Cassie im Mittelpunkt steht.


Dass hinter «The Secret Circle» und seinem Serienpartner «The Vampire Diaries» die selben Produzenten stehen, merkt man schon zu Beginn der Pilotfolge. Beide Serien haben eine vergleichbare Aufmachung, gehen mit dem selben Stil ins Storytelling, und schrecken nicht davor zurück zu zeigen, dass der Mysterypart nicht der einzige Schwerpunkt sein wird. Stattdessen werden das Liebesleben und der dazugehörige Herzschmerz jedes Teenagers in Chance Harbor (zumindest die mit einem Hauptcharakterstatus) die Zuschauer begleiten - entsprechende Storys wurden im Piloten schon vorbereitet. Da wäre die aufkommende Romanze zwischen Cassie und Adam, die natürlich dadurch gestört wird, dass Adam mit Diana (Shelley Hennig) schon in einer langjährigen Beziehung steckt, sowie der einen oder anderen klischeebeladenen Szene, die glücklicherweise den Kitsch der ersten «The Vampire Diaries»-Episoden unterbieten kann und demnach den Mysteryfan nicht zu sehr mit einem romantischen Plot bombardiert.

Produzent Kevin Williamson und Serienentwickler Andrew Miller haben auch von den «The Vampire Diaries»-Fehlern der ersten Episoden dazu gelernt: Statt auf den Herzschmerz des Genres der Teenmystery zu setzen, was «The Nine Lives of Chloe King» letztendlich den Kopf gekostet haben könnte, legt man Wert auf die Geheimnisse der einzelnen Protagonisten und kommenden Antagonisten, und fokussiert auf die Einführung der eigentlichen Geschichte. Es ist definitiv was faul in Chance Harbor mit all ihren Einwohnern und deren Geheimnisse und Lügen, und «The Secret Circle» wäre kein interessanter Neustart, wenn das Storytelling schleppend oder zu rasant ist. Innerhalb von 42 Minuten bekommt der Zuschauer genügend Informationen über die Story und die Charaktere, dass er ohne großen Wissenshunger die Wartezeit zur nächsten Episode einschlagen kann, und ohne ihm das Gefühl zu geben, dass der Pilot belanglos war.

Die Effekte und die Musikuntermalung tun ihr Übriges. Allein das von Kindern gesummte Schlummerliedchen, welches die Episode eröffnet und abschließt, trägt zur Spannung der Story und zur Aufmachung der Serie bei, und im Gegensatz zu anderen CW-Dramen hat der Zuschauer nicht den Anschein, als wäre er soeben mit der Top 20 der aktuellen Musikcharts attackiert worden. Auch der Score von John Frizzell lässt «The Secret Circle» mehr als eine Mysteryserie wirken denn ein Teeniedrama, welches im für The CW typischen Genremix nur mit leichter Kost unterhalten will. Selbiges gilt für die Kameraführung von Ramsey Nickell: Die Bilder werden ohne wilde Kamerafahrten oder verwackelten Szenen eingefangen, und geben den Eindruck einer Produktion, die von den absoluten Profis unter den Profis geleitet wurde. Am Ende zeigen auch die Spezialeffekte, dass für den Piloten nicht gekleckert, aber auch nicht geklotzt wurde. Der behutsame Eindruck der Episode macht sich bezahlt, wenn der Zuschauer am Ende mit einem positiven Gefühl zurückgelassen wird.


Vom technischen Standpunkt ist die Premiere einwandfrei und ohne Mängel. Auch die darstellerischen Leistungen lassen keinen Zweifel an den Talenten des Casts übrig. Natürlich muss man sich wieder einmal fragen, warum für minderjährige Charaktere Mittzwanziger engagiert wurden, oder warum selbst die Erwachsenen in Chance Harbor so aussehen, als hätten sie ihre fast erwachsenen Kinder zusammen mit Lorelai Gilmore im Teenageralter ausgebrütet, doch am Ende braucht man sich keine Sorgen mehr zu machen. Erstens ist Britt Robertson viel zu schnuckelig, um sie einfach so zu übersehen; zweitens könnte Phoebe Tonkin mit ihrer Lindsay-Lohan-Art zum geheimen Star der Serie aufsteigen; drittens hat man Thomas Dekker seit dem Ende von «The Sarah Connor Chronicles» viel zu lange nicht mehr im TV gesehen; und viertens nimmt der geneigte Serienfan jede Serie mit, in der Natasha Henstridge («Species») wieder einmal ihre kaltblütige Ader ausspielen kann.

Ein Liebesdreieck, Geheimnisse zwischen zwei Generationen, Magie und deren gefährliche, manchmal tödliche Nachwirkungen, sowie die aufkommende Gefahr, welchem sich der nun komplettierte Hexenzirkel stellen muss – «The Secret Circle» macht hungrig, ohne schon nach einer Stunde übersättigt und angewidert zu sein. Es ist nicht der unbedingt perfekteste Einstieg in eine Serie, doch in einer Zeit, in welcher die Zuschauer in Piloten mit mörderischer Hektik und einem unausgegorenem Drehbuch hineingeworfen werden, hält «The Secret Circle» sich sehr konsistent am ungeschriebenem Regelwerk. Sowohl auf Papier als auch in der Ausführung. «The Secret Circle» hat eine Menge Potential, und wenn man miterlebt hat, wie «The Vampire Diaries» mit einem Qualitätsanstieg durch seine erste Staffel ging, kann man von der neuen Serie aus dem Hause The CW Großes erwarten.


Quelle http://www.quotenmeter.de/n/52113/first-...e-secret-circle





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21.03.2013 12:45
#10 RE: " First Looks " Zitat · antworten




First Look: «Red Widow» – Dead on Arrival


ABC hat einen neuen Drama-Flop: «Red Widow». Wir sagen, ob der Freshman zurecht beim Publikum durchfällt.



«Sopranos» meets «Desperate Housewives» oder «Weeds» mit Mafia-Verwicklungen und Network-gerecht. Wie man «Red Widow» auch beschreiben will, schon die Prämisse mutet seltsam an: Soccer Mom Marta, die mit ihrem bärtig-verschrobenen, in verwaschenen Shirts und Hosen bemüht auf Schlabber, aber knuffig zurechtgekleideten Mann Evan und ihren drei Kindern, Grundschüler bis Teenager, im Großraum San Francisco lebt, ist die Tochter eines russischen Mafiabosses, der seine dubiosen Geschäfte aus einem Café in der Innenstadt führt. Gatte Evan steckt ebenfalls bis zum Hals im Familiengeschäft – bis ein Deal mit der Konkurrenz schief geht und er bei einem Drive-By vor seinem Haus erschossen wird.

Von diesem Punkt an ist Autorin Melissa Rosenberg («Twilight») bemüht, den Pilot dahin auf Kurs zu bringen, wo die dramaturgische Reise hinzugehen hat: Marta soll, gegen ihren eigentlichen Willen natürlich, Evans Platz in den Drogenschmugglereien ihrer Familie einnehmen und zwischen den Fronten Soccer-Mom von drei Kindern und eiskalter Mafiosa mäandrieren. Glaubwürdig ist das nicht; Rosenbergs eher fadenscheinige Begründungen, die sie ihrer Marta für ihr Sich-Hineinziehen-lassen in die mafiösen Strukturen gibt, machen das ziemlich unmöglich.

Doch es ist vor allem der Ton, den Rosenberg leider nicht getroffen hat. Will man einen Stoff über die organisierte Kriminalität spannend erzählen, darf man vor einer gewissen Radikalität nicht zurückschrecken. «Red Widow» wirkt über weite Strecken der ersten beiden Folgen jedoch zu sehr auf das Klischeebild von Frauenaffinität getrimmt. Mit allen Konsequenzen: Evan liegt in der Klimax des ersten Aktes nicht einfach tot auf der Straße, wie man das in «Breaking Bad» sehen würde. Nein, er muss sich theatralisch erschießen lassen, im blutüberströmten T-Shirt neben seinem kleinen Sohn sein Leben aushauchen und seine Frau Marta muss in Zeitlupe aus dem Haus rennen, um ihm in seinen letzten Momenten verzweifelt beizustehen. Melodram, ich hör' dein Trapsen.

Es ist diese Zelebrierung des forcierten Melodrams, das unfähig zur Übermittlung jedweder wirklichen Tragik ist, die Rosenberg an «Red Widow» thematisch so hoffnungslos scheitern lässt. Kitschmusik, narrative Belanglosigkeit und ein Mafia-Stoff, aus der man eine Geschichte um Frauen machen will, die zu sehr lieben. Ein guter erster Eindruck sieht anders aus.

Und die Einschaltquoten scheinen dieser Einschätzung recht zu geben.

«Red Widow» reiht sich somit perfekt in die Schlange der in dieser Season neu gestartete ABC-Drama-Flops ein: Den noch im Sommer hoch gehandelten Serien «666 Park Avenue» und «Last Resort» wurde bereits während der November-Sweeps der Stecker gezogen, während das am 14. Februar gestartete «Zero Hour» nun den Rekord für die zuschauerschwächste ABC-Serien-Premiere innerhalb einer TV-Saison hält. Lediglich «Nashville» konnte aus dem ABC-Lineup Zuschauer wie Kritiker überzeugen. Doch eine Serie zu finden, die von Anfang an ein Aushängeschild wie «Desperate Housewives» hätte ersetzen können, ist nicht geglückt. Mit einer Larifari-Sendung wie «Red Widow», die eine Mafiaserie für die bügelnde Hausfrau aus Nebraska sein will, natürlich erst recht nicht.


Quelle http://www.quotenmeter.de/n/62777/first-...dead-on-arrival





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22.03.2013 20:25
#11 RE: " First Looks " Zitat · antworten




«Scandal»: Shonda Rhimes wird erwachsen


Die Serie hebt sich klar von bisherigen Formaten wie «Grey's Anatomy» ab. Was die Schöpferin anders macht und warum es gut ist...



Jahrelang waren Serien wie «Grey’s Anatomy» oder «Private Practice» Quotengaranten. Eingeschaltet haben überwiegend Frauen. Vor allem weil die Charaktere so menschlich waren, so nachvollziehbar. Weil Shonda sie immer wieder vor emotionale Fragen gestellt hat, die Frauen aus ihrem eigenen Leben kennen. Eines hatten die Figuren in Rhimes Serien dabei immer gemeinsam: Sie waren gut. Helden, die versucht haben, ihr Leben auf die Reihe zu kriegen, ohne dabei über Leichen zu gehen. Und genau das ist bei Rhimes neuer Serie «Scandal» anders.

Die Protagonistin Olivia Pope ist schwarz und der größte politische „Fixer“ in Washington. Sie wird angerufen, wenn die Dinge nicht so laufen, wie sie sollen - und kümmert sich darum. Dabei hilft ihr ein Team von Mitarbeitern, ihre „Gladiatoren in Anzüge“, die ihr zuarbeiten. Und das kann auch schon einmal heißen: jemanden verschleppen, jemanden umbringen oder im besten Fall nur ein bisschen lügen und betrügen. On Top hat Olivia eine Affäre mit einem verheirateten Mann: dem Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika. Und der ist nicht schwarz, sondern weiß.


Shonda Rhimes kann «Scandal» genau so on the edge schreiben, wie sie es tut, weil sie nichts zu verlieren hat. «Grey’s Anatomy» läuft nach wie vor erfolgreich. «Private Practice» endete jetzt nach der sechsten Staffel. Ein guter Zeitpunkt, um neue Wege zu gehen und sich etwas zu trauen. So hat jede Figur in «Scandal» ihr kleines schmutziges Geheimnis. Jeder hat ein Verbrechen begangen – niemand ist nur gut. Und trotzdem stehen wir auf der Seite von Olivia und ihrem Team.

Dass Olivia die Geliebte eines verheirateten Mannes ist, tut unserer Sympathie dabei keinen Abbruch – weil Rhimes die Geschichte aus ihrer Sicht erzählt. Wir sind dabei, wenn Olivia sich verliebt. Wir spüren die magnetische Anziehungskraft zwischen ihr und dem Präsidenten hautnah. Und wir können sie verstehen. Genauso wie Olivias Mitarbeiter, die ihr gegenüber absolut loyal sind. Aber nicht ohne Grund. Denn Olivia hat jedem Einzelnen aus einer schwierigen Situation herausgeholfen und dabei immer auch ein Verbrechen vertuscht. Oder um in ihrem Jargon zu bleiben: gefixt.

Was die Story extrem spannend macht: Die Figur der Olivia Pope hat ein reales Vorbild – auch ein First für Shonda Rhimes. In 2009 traf sich Shonda mit Judy Smith, einer ehemaligen Mitarbeiterin des Weißen Hauses, die später eine Krisenmanagementfirma gegründet hat. Das Treffen war für weniger als eine halbe Stunde angesetzt. Tatsächlich dauerte es mehr als drei Stunden, in denen die Damen den Grundgedanken entwickelten, aus dem die Serie «Scandal» entstand. Wer das weiß, den wundert es nicht mehr, dass die Serie so authentisch rüberkommt. Auch wenn der politische Tenor und das Setting für die meisten Zuschauer erst einmal eher fremd sind, merkt man schnell, dass die Storylines nicht nur frei erfunden sind. Die besten Geschichten schreibt eben doch das Leben.


Quelle http://www.quotenmeter.de/n/62782/scanda...-wird-erwachsen





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12.04.2013 06:44
#12 RE: " First Looks " Zitat · antworten




First Look: «Da Vinci's Demons»


David S. Goyer erzählt mit «Da Vinci's Demons» eine "Historical Fantasy" voller Sex und Intrigen, in deren Mittelpunkt ein brillantes Genie gegen die Konventionen rebelliert.



Der Serienstaff
•Serienschöpfer und Chefautor: David S. Goyer
•Ausführende Produzenten: David S. Goyer, Julie Gardner, Jane Tranter
•Komponist: Bear McCreary
•Kamera: Julian Court, Fabian Wagner
•Schnitt: Nick Arthus, Tim Murrell
•Kostüme: Annie Symons



Die Survival-Horrorserie «The Walking Dead» beförderte Fox International Channels in eine neue Ära. Das Produktions- und Vertriebshaus bricht allein schon mit seinem Zombiedrama regelmäßig Fernsehrekorde, und dies nicht nur in den USA, wo man der TV-Adaption eines Horrorcomics den meisten Erfolg ausrechnen würde, sondern weltweit. Von diesem globalen Publikumshit beflügelt möchten die Fernsehmacher mit «Da Vinci's Demons» ein zweites TV-Phänomen nachlegen. Die Elemente, die aus der neusten televisionären Serienerfindung einen Welterfolg machen könnten, sind auch allesamt vorhanden: Mit einer fiktionalisierten Erzählung der Jugendjahre des Visionärs Leonardo da Vinci verfügt die Serie über einen international attraktiven thematischen Kern. Das Format ist „sexyer“ als «The Walking Dead». Es hat kontroverse Züge, ohne sich zu dreist mit seinem Publikum oder Kulturwächtern anzulegen. Mit David S. Goyer, dem Co-Schöpfer von Christopher Nolans Batman-Trilogie, hält ein fähiger und bekannter Geschichtenerzähler die Fäden in der Hand dieser Serie. Und Fox International Channels schwang mit einer aufwändigen Weltpremiere ordentlich die Werbetrommel für diese Serie, die nicht über mehrere Monate in allen Teilen der Welt startet, sondern innerhalb weniger Tage nach der US-Erstausstrahlung. Also ist auch der Wille zum Erfolg da. Aber greifen all diese Mechanismen geglückt zusammen?

Zumindest startet «Da Vinci's Demons» packend genug, um einen Großteil des Potentials auszuschöpfen. Der Pilot präsentiert da Vinci (Tom Riley) als hübschen Lebemann, der sich mit seinem geheimnisvollen, neuen Mentor (Alexander Siddig) trifft, um sich mit Drogen zu betäuben und über rästelhafte Bücher zu philosophieren oder sein martialisches Kindheitstraumata zu sprechen. Da Vinci kokettiert mit jungen, leicht bekleideten Frauen, ganz gleich welchen gesellschaftlichen Stand sie haben und ob sie vergeben oder Junggesellinnen sind, und beim verzweifelten Versuch, für seine zahllosen Ideen für Fluggerätschaften finanzielle Unterstützung zu erhalten, verspricht er den Reichen und Mächtigen zur Not auch gewaltige Kriegsgerätschaften. Seine Sympathie wird von seiner vorlauten Art aufgewogen, die ihn unter anderem bei Count Girolamo Riario (Blake Ritson) in Ungnade fallen lassen. Riario, der uneheliche Sohn von Papst Sixtus IV (James Faulkner), einem rumhurenden, mörderischen Despoten, ist zudem auf der Suche nach einem der Sage nach die Antworten auf alle Fragen des Universums beantwortenden Schriftstück, dem „Book of Leaves“, und darüber hinaus Teil einer politischen Intrige rund um die Familie Medici, welche die heimlichen Machthaber der blühenden, wenngleich gewaltvernarrten, Stadt Florenz stellt ...

Serienschöpfer, Regisseur und Autor David S. Goyer legt in «Da Vinci's Demons» ein sehr hohes Tempo hin und balanciert zahlreiche Handlungsstränge, ohne dabei hastig von Storyelement zu Storyelement zu wechseln. Mit den für Kabel-Historienserien so typischen getragenen Dialogen, teils melodramatisch übertrieben, teils angemessen überlebensgroß, werden die Fronten in dieser Serie grob abgesteckt und das große Ensemble, das durchweg großes Engagement zeigt, lässt bereits nach wenigen Minuten Lust entstehen, mehr von den überlebensgroßen, zwar karikierten, dennoch nicht flachen Figuren zu sehen. Und während sich da Vinci von Inspiration zu Inspiration schlägt, umgarnt Serienkomponist Bear McCreary das Publikum mit eingängigen, träumerischen Leitthemen, die das Serienfeeling großartig unterstützen.


Gleichwohl kann die Pilotfolge ihr Publikum auch erschlagen. Es werden einige Figuren und deren komplexen Beziehungen zueinander eingeführt, zugleich wird auf angenehm subtile Weise klar gemacht und welches Universum die Serie vor den Augen der staunenden Zuschauer ausbreiten möchte. «Da Vinci's Demons» spielt nämlich in einem weitestgehend der realen Renaissance gleichenden Setting, in dem da Vinci schlichtweg eine Handvoll mehr seiner genialen Ideen umsetzen konnte – und in dem das Mystische vielleicht etwas mehr Hand und Fuß hat (aber nur ein wenig!). Offen bleibt derweil das „Mission Statement“, die Aussage darüber, wo David S. Goyer mit seiner „Historical Fantasy“ hin möchte. Überraschungen in allen Ehren, aber wenn keinerlei Eindruck über den weiteren Verlauf einer Serie übrig bleibt, so hat dies einen leicht bitteren Nachgeschmack. Ist es eine Abenteuerserie, eine Serie über politische und private Intrigen, ist es ein Charakterdrama über den intellektuellen Rebellen da Vinci, geht es doch schlussendlich mehr um den Sex, die Gewalt, die Erfindungen und das melancholisch-aufregende Feeling der Serie und weniger um die Handlungsbögen? Und was sind die titelgebenden Dämonen da Vincis?

So imposant die erste Folge auch sein mag, so hinterlässt sie einen auch leicht orientierungslos. Deshalb sollten Neugierige, die sich ein Bild von «Da Vinci's Demons» verschaffen wollen, definitiv mindestens noch die zweite Folge anschauen. Diese verschafft bereits etwas mehr Klarheit, ohne dass David S. Goyers Spielerei mit Fakt und Fiktion plötzlich völlig durchschaubar werden würde. Was die Gattung und Gangrichtung der Serie angeht, so ist von allem etwas dabei. Eine Prise Mystery um das „Book of Leaves“ und die Verschwörung rund um einen Erhängten aus dem Serienpiloten, eine kleine Dosis Swashbuckling-Spaß, charaktergesteuertes Drama um die sich widersprechenden Facetten da Vincis und ein wenig Sinn und Sinnlichkeit, um das Paket schmuck zu verschnüren. Nach dem mitreißenden, überwältigen, allerdings auch eine Orientierungslosigkeit ausdrückenden Piloten balanciert die zweite Folge all diese Elemente wohlig aus und lässt die einzelnen Handlungsbögen und -stimmungen einander stützen.

Zudem wird klar, dass sich der Serientitel auf mehrere, sehr unterschiedliche Dämonen stützt. Tom Riley spielt da Vinci mit begeisternder Intensität als unsteter Zeitgenosse, der nie Rast finden kann und sich gezwungen sieht, seine Gedanken zu betäuben, um sie auszuhalten. Diese gedankliche und körperliche Hyperaktivität ist einer von den vielen Dämonen des Multitalents, das zudem von dem Trauma einer halbverdrängten Kindheitserinnerung geplagt wird und mit seinen charismatisch vorgetragenen Lügen ganz langsam seine eigene gesellschaftliche Verachtung vorbereitet. Eine weiterer Dämon da Vincis, der langsam seine Schatten voraus wirft, ist sein Engagement als Kriegsmaschienenhersteller – dass der Humanist auf diese Weise Geld verdient, nimmt in Episode zwei bereits einigen Raum ein und wird im weiteren Serienverlauf zu einer wiederkehrenden Plage für den Künstler.

Um «Da Vinci's Demons» in Sachen Publikumserfolg zum neuen «The Walking Dead» zu machen, fehlt es den ersten paar Episoden jedoch unter anderem an Ruhe. Ob im überwältigenden Piloten oder der flott voranschreitendenn, plottechnisch stärkere und spannenderen zweiten Folge: Die Handlung hat zwar keinen Mangel an Dramatik, doch da David S. Goyer seinen Figuren kaum eine Ruhepause gönnt, gibt es auch kaum Möglichkeit, ausführlich in das Innenleben der Protagonisten zu blicken und zu erkennen, wie ihnen die Konsequenzen ihres Handelns bewusst wird. All dies wird vorerst auf relativ kurze Dialoge beschränkt, was die Fallhöhe niedriger als möglich hält. Und rein visuell fügen sich die teils unfertig wirkenden, zu grellen und sauberen CG-Landschaften nicht in die üppigen Sets mit den in aufwändigen Kostümen bevölkerten Schauspieler ein, weshalb «Da Vinci's Demons» auch als reines Spektakel nicht ganz so gut wegkommt wie es möglich gewesen wäre. Aber wer sich für einen explosiven Genremix im historischen Gewand zu begeistern weiß, wird mit dieser Serie auf jeden Fall neuen Fernsehstoff finden, den er so einfach nicht bei Seite legen kann


Quelle http://www.quotenmeter.de/n/63132/first-...-vinci-s-demons





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13.04.2013 08:47
#13 RE: " First Looks " Zitat · antworten




Der gute, böse Hannibal Lecter


Nach mehreren Kinofilmen macht der kannibalische Psychiater auch das Fernsehen unsicher. Diesmal in der Rolle eines FBI-Helfers, der ein doppeltes Spiel spielt. Unsere Kritik zur Premiere.



Hinter den Kulissen
Die Serie kommt von den ehemaligen Machern des Hits «Heroes», Bryan Fuller und Tim King. Fuller schrieb die Bücher gemeinsam mit Thomas Harris. Tim King ist ausführender Produzent. An seiner Seite arbeiten zudem auch noch Michael Kessler, Loretta Ramos und Carol Dunn Trussell.



Hannibal Lecter isst gern Fleisch, sehr gern. „Ich bereite all meine Mahlzeiten selbst zu“, sagt er in einer Szene der neuen Serie «Hannibal», und reicht seinem Gegenüber eine Tupperdose mit Gebratenem. Dieser, unwissend, greift beherzt zu. „Schmeckt sehr lecker“, sagt er.

Wir alle kennen Dr. Lecter bereits, diesen wahnsinnigen Kannibalen, der bereits in drei großen Kinofilmen von Anthony Hopkins meisterlich verkörpert wurde. Die nun bei NBC gestartete TV-Serie spielt zu jener Zeit, als Lecter noch ganz normaler Bürger der Vereinigten Staaten ist, unverdächtig als Psychiater arbeitend. Die Serie weiß um die popkulturelle Geschichte dieser Figur – und weckt bewusst ekelerregende Assoziationen, wenn der Kannibale Hannibal seine Menüs zubereitet, das Fleisch genüsslich verzehrt.

Die Rolle dieses Mannes ist nicht ganz klar im neuen TV-Format. Er wird von Special Agent Jack Crawford – gespielt von Laurence Fishburne – in einem neuen Fall von Serienmorden engagiert; das FBI tut sich schwer mit einer Spur zum Mörder. Lecter soll psychologische Aufklärungsarbeit leisten, das Motiv des Killers entziffern und seine nächsten Schritte vorausahnen. An seiner Seite ist Will Graham, ein weiterer Soziopath mit einer außergewöhlichen Fähigkeit: Er kann sich in die Gedanken eines Mörders hineinversetzen, ihre Taten im Kopfkino rekonstruieren, als ob sie seine Werke wären.

Der Zuschauer von «Hannibal» erlebt diese Morde mit eigenen und mit Grahams Augen – denn in seiner Gedankenwelt nimmt er selbst die Rolle der Täter ein, so sehr kann er sich in sie hineinversetzen. Per Farbfilter wechselt das Bild zwischen Traum und Realität, spult vor und zurück. Nicht minder visuell beeindruckend: die einsamen, antiseptischen Szenen mit Hannibal Lecter und seiner Vorliebe für gutes „Essen“.

Dass die beiden – Graham und Lecter – zusammenarbeiten müssen, ist kein Zufall: Sehr ähnliche Charaktere treffen hier aufeinander, beide mit einzigartigen Talenten ausgestattet, beide ohne wirklichen Bezug zur sozialen Normalität, beide in einer Welt lebend, die sich nicht ganz mit unserer zu decken scheint. Unterschiede ergeben sich erst im Speziellen: Wenn Graham das Leben eines Opfers zu retten versucht und dabei einen Nervenzusammenbruch erleidet, während Lecter besonnen agiert. Und wenn Lecter den Serienkiller vor dem FBI warnt. Lecter scheint also verstrickt in das mörderische Spiel – und der eigentliche Täter, den das FBI am Ende der ersten Episode ausfindig macht, nur (s)ein Handlanger?

NBC hat sich mit «Hannibal» an ein ehrgeiziges Serienprojekt gewagt, das von einer fortlaufenden Handlung leben soll – im Network-Fernsehen ist dies nicht mehr allzu oft der Fall. Daher soll jede Season der neuen Serie nur 13 Episoden enthalten, um die Story möglichst komprimiert erzählen zu können. Der Auftakt jedenfalls ist gelungen, da sich das Format sehr stark auf die beiden Hauptcharaktere fokussiert, Graham und Lecter. Beide unsympathisch, beide unnahbar und geheimnisvoll. Der Reiz an «Hannibal» liegt in seiner vermeintlichen Reizlosigkeit und den beiden eher untypischen Seriencharakteren, die mit ihren verwandten und doch gegensätzlichen Lebensentwürfen aufeinanderprallen. „Du und ich, wir sind uns einfach ähnlich. Wir haben keine Probleme. Nichts gibt’s über uns, vor dem man sich fürchten müsste“, sagt Lecter in einem skurrilen Einzelgespräch mit Graham.

In einer recht ähnlichen Konstellation macht seit einigen Wochen die Serie «The Following» beim Konkurrenzkanal FOX Schlagzeilen: Hier treffen ebenfalls zwei starke Charakterköpfe aufeinander, zwei gebrochene Figuren mit ihren eigenen Geheimnissen. Auch hier steht ein Serienkiller im Mittelpunkt, der Handlanger für seine Taten benutzt. Der einzige Unterschied: Bei «Hannibal» spielt der vermeintliche Antagonist die Rolle des Agenten und unterstützt seinen Kollegen Graham noch bei dessen Arbeit. Bei «The Following» sind die Rollen klar verteilt; der Agent macht Jagd auf seinen Widersacher und die Komplizen.

Beide Serien rücken zwei sehr interessante Figuren und zwei starke Schauspieler in den Fokus. In «Hannibal» spielt Hugh Dancy seinen Graham hervorragend ausdruckslos und minimalistisch, wie sein Charakter es vorgibt. Umso gewaltiger die Szenen, in der Graham explodiert, wie bei seinem Nervenzusammenbruch. Noch eindrucksvoller spielt Mads Mikkelsen (Le Chiffre in «Casino Royale») den Dr. Hannibal Lecter: mit snobistisch-britischem Akzent, völlig kühl, empathielos analytisch. Der Entwickler hinter der Serie «Hannibal» ist Bryan Fuller, zuletzt Autor bei NBCs «Heroes» und Erfinder des «Munsters»-Remakes, das im Oktober 2012 ausgestrahlt wurde.

Dass «Hannibal» zur Premiere in der vergangenen Woche nicht einmal 4,5 Millionen Zuschauer anlockte, ist nicht allzu überraschend – trotz der prominenten Hauptfigur. Zunächst stellt NBC, wie so oft, ein schwaches Vorprogramm für diese neue Serie, die um 22 Uhr nur vier Prozent der werberelevanten Zuschauer anlockte. Weiterhin dürfte sich die Ähnlichkeit zu «The Following», das bereits viele Fans gewonnen hat, negativ auswirken. Drittens hat NBC das Format falsch vermarktet: In Trailern warb man mit Slogans wie „Feed Your Fear“ (dt. Nähre deine Angst) und lockte mit dem Eindruck eines blutigen Horror-Thrillers. Angst oder Gruselatmosphäre aber weckt diese Premierenfolge kaum; «Hannibal» ist dem Charakterdrama näher als jeder «Saw»-Film. Die unterschwellige Beklommenheit, welche die Kinofilme weckten, fehlt hier (noch). Dass NBC die Serie mit einer innovativen Facebook-Kampagne vermarktet, in der die eigenen virtuellen Freunde zur Delikatesse auf Lecters Menü werden, ist zwar spaßig. Aber auch hier fehlt der Bezug zur wirklichen Identität der Serie, die anders ist als dargestellt. Eine eigene tumblr-Seite mit Drehbüchern, Chats mit der Crew und weiteren Entdeckungen ergänzen die soziale Vernetzung des Formats.

Diese Serie «Hannibal» ist eben nicht ganz, was sie vorgibt zu sein. Genauso wie ihr Hauptcharakter Dr. Lecter. Umso besser für die Zukunft: Es gibt viel zu entdecken in dieser geheimnisvollen Geschichte.


Quelle http://www.quotenmeter.de/n/63118/der-gu...hannibal-lecter





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06.10.2013 14:08
#14 RE: " First Looks " Zitat · antworten




First Look: «Mom»


Bei den Quoten fällt die neue Chuck-Lorre-Serie bisher glasklar durch. Unser Kritiker Julian Miller hält sie dagegen für einen der besten Neustarts der bisherigen Saison.



Prognose zur Überlebenschance
Die Premiere ging mit 6% Prozent Marktanteil in der Zielgruppe und mageren 2,5 Ratingpunkten voll in die Hose. Eine Woche später sank der Marktanteil in der Zielgruppe sogar noch auf klägliche 5%, wohingegen man wenigstens die absoluten Zuschauerzahlen ausbauen konnte. An Boden verlieren darf das Format keinesfalls, zumal mit «Mike & Molly» ja schon ein Joker parat steht. Jetzt kommt es auf den Namen Chuck Lorre an - er könnte für eine gewisse Schonfrist sorgen. 20%



Eine völlig verheulte Anna Faris («Scary Movie») nimmt in einem schicken Restaurant Bestellungen auf. Warum es ihrer Figur, der Anfangdreißigerin Christy, so dreckig geht? Einer der Gäste hat sie vor ein paar Minuten „eine gute Kellnerin“ genannt. Eine Epiphany.

Denn der Lebensplan war ein anderer: Sie wollte nach der High School Psychologie studieren, Karriere machen. Daraus wurde nichts. Christy wurde schwanger. Ihre Tochter, Violet (cute gespielt von Sadie Calvano), ist heute sechzehn – und zu Moms Beunruhigung geht seit kurzem auch ein durchtrainierter Teenage-Boy im All-Girls-Haushalt ein und aus.

Ohnehin: Die „schiefe Bahn“ scheint in der Familie zu liegen. Auch Christys Mutter Bonnie (Allison Janney, «The West Wing») bekam schon in sehr jungem Alter ihre Tochter. Und das war noch das kleinste Problem: Bonnie war jahrelang alkohol- und drogensüchtig. Mit den üblichen abstrusen Chuck-Lorre-esken Verrenkungen, versteht sich: Monologe darüber, wie sie vor zwei Jahrzehnten einmal eine kanadische Kindertagesstätte geleitet hat, die als Frontorganisation für die Mafia gedacht war, gehören dazu.

Christy schlug schließlich einen ähnlichen Weg wie ihre Mutter ein. Bis beide, unabhängig voneinander, die Reißleine gezogen haben. Seit einigen Wochen treffen sich Mutter und Tochter nun bei Sitzungen der Anonymen Alkoholiker.

Der Humor ist, wie bei den meisten Formaten aus der Chuck-Lorre-Schmiede, eher Geschmackssache: nicht so feingeistig wie ein «Frasier», nicht so selbstreferentiell wie ein «Seinfeld», nicht so modern wie ein «Modern Family» – und im Vergleich zu seinen anderen Serien nicht so nerdig-verschroben wie «The Big Bang Theory», aber auch lange nicht so derb wie «Two and a Half Men».

Konzeptuell mag sich das vielleicht alles nach Schnee von gestern anhören. Und in der Tat funktioniert «Mom» als Sitcom auch sehr klassisch, mit punchlinebeladenen Dialogen und so mancher Slapstickeinlage.


Quelle http://www.quotenmeter.de/n/66565/first-look-mom





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03.11.2013 14:17
#15 RE: " First Looks " Zitat · antworten




First Look: Amerikas Märchenstunde


Das Spin-Off von «Once Upon a Time» kommt in den USA so gar nicht an. Dabei ist es hervorragende Familienunterhaltung, meint Kritiker Julian Miller.



Einschaltquoten beim Gesamtpublikum
•10.10.2013: 5,7 Mio.
•17.10.2013: 4,5 Mio.
•24.10.2013: 4,3 Mio.



Was muss an harmloser Familienunterhaltung schon großartig innovativ sein?

Das ist eine von deutschen Fernsehmachern eher rhetorisch gemeinte Frage. Denn unter diesem angestaubten Begriff versteht man hierzulande im Fiction-Bereich auch ebenso angestaubtes Zeug. «Unser Charly», «Hallo Robbie» und bald auch herzensbrechende Priester. Das Hauptkriterium für dieses Genre, das es sich zum Ziel setzt, im Digitalzeitalter Lagerfeuerstimmung beim Publikum von 8 bis 88 aufkommen zu lassen, ist neben der selbstverständlichen Harmlosigkeit eine völlige Abwesenheit jedweder narrativer oder visueller Ambition.

Nun wird man sagen: Was braucht es narrative oder visuelle Ambition, wenn die Robbe und Affe so süß sind? – Das reicht doch.

Aber genau an diesem Punkt scheinen sich deutsche von amerikanischen Fernsehmachern zu unterscheiden. Denn nicht nur finanziell lässt ABC bei seiner neuen Serie «Once upon a Time in Wonderland» einiges springen, um aufwändige 3D-Sets und computergenerierte Animationen zu entwerfen. Auch der Stoff ist viel intelligenter, vielschichtiger, spannender – und gleichzeitig doch angemessen simpel und auf klare Konflikte reduziert – als alles, was in Deutschland produziert wird, wenn Großeltern, Eltern und Kinder auf einmal bespaßt werden sollen.


Die Grundzüge des Stoffes kann man bei einem angelsächsischen Publikum voraussetzen. Lewis Carrolls „Alice im Wunderland“ und „Alice hinter den Spiegeln“ haben jenseits des Atlantiks etwa den Stellenwert, den die Gebrüder Grimm in deutschen Kinderzimmern haben. «Once upon a Time in Wonderland» beschränkt sich jedoch, ähnlich wie die Mutterserie «Once upon a Time», nicht darauf, die sture Nacherzählung eines altbekannten Kinderbuchs zu sein, sondern entspinnt aus der den Büchern entnommen Grundsituation ein mythologisches Geflecht, das weit über das der belletristischen Vorlage hinausgeht.

Im viktorianischen England ist Alice (Sophie Lowe) ein viel geliebtes Sorgenkind. Immer wieder verschwindet die Kleine, manchmal für ganze Tage, und erzählt bei ihrer Rückkehr abenteuerliche Geschichten von einem Wunderland mit verrückten Hutmachern und narkoleptischen Mäusen. Alberne Spinnereien eines phantasievollen Kindes, meint der liebevolle Vater zuerst. Aber auch im Erwachsenenalter glaubt Alice weiterhin an diese kuriose Parallelwelt, erzählt von ihrem Geliebten Cyrus, einem Djinn, hinter dem der machtgierige Jafar (Naveen Andrews, «LOST») und die Herzkönigin her sind und die ihn im Kampf töten. Bis ihr Vater sie in die Geistesheilanstalt bringen lässt, wo sie die schmerzvollen Erinnerungen an Wunderland endgültig vergessen will.

Doch kurz bevor der düstere Oberarzt eine neue Therapie an ihr ausprobieren will, taucht der Herzbube (Michael Socha, «This is England») mit einer Botschaft des Weißen Kaninchens (im Original gesprochen von John Lithgow, «3rd Rock from the Sun») auf: Cyrus ist noch am Leben und braucht dringend Alices Hilfe. Mit einigen gezielten Schlägen und Round-House-Kicks entwischt das Trio den Wärtern, flieht zurück in die magische Welt, die Alice eigentlich vergessen wollte, und eine wundersame Reise nimmt ihren Anfang.

Das klingt nicht gerade nach einem moralphilosophischen Diskurs wie «Breaking Bad», einer Aufarbeitungsserie wie «Mad Men» oder einem modernen Großstadtroman wie «Girls» – es ist schließlich Familienunterhaltung, bei der sich der amerikanische Grundschüler genauso unterhalten will wie seine Eltern. Aber es ist Familienunterhaltung mit Stil, mit Anspruch, mit Klasse, mit Selbstironie, ohne penetrantes Anbiedern, ohne dramaturgische Schludereien, weil man meint, ein zweitklassiges Drehbuch würde schon reichen, schließlich sehen die Haustiere so nett aus.

Wie grandios wäre es erst, wenn die Serie vom Publikum angenommen würde?


Leider ist das nämlich gar nicht der Fall. Nicht mal in Amerika, wo die Zuschauerzahlen im Time-Slot-Vergleich sogar schon mal hinter denen von TheCW lagen. Wenn nicht ein Wunder geschieht, wird Alices Reise also schneller ihr Ende finden, als das weiße Kaninchen den nächsten Termin hat.


Quelle http://www.quotenmeter.de/n/67072/first-...-maerchenstunde





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07.02.2014 14:18
#16 RE: " First Looks " Zitat · antworten




First Look: «Beauty and the Beast»


Das Märchen von der Schönen und dem Biest, verpackt als modernes Polizeidrama. Ein Kommentar zum vielleicht schlechtesten US-Neustart dieses Herbsts.



Klassische Märchenstoffe sind zeitlos. Dies dachte sich bereits das US-Network CBS im Jahr 1987 und übertrug die Geschichte von der Schönen und dem Biest in das moderne New York. Drei Staffeln erhielt die Serie, die bis heute für ihre Fans zu den kultigsten der TV-Geschichte gehört. Nun nahm sich der Sender The CW dieses Stoffes erneut an und startete mit «Beauty and the Beast» ein modernes Polizeidrama mit übernatürlichem Twist – heraus kam eine Serie, die bei US-Kritikern als schlechtester Neustart der Saison verspottet wird.

Die inhaltliche Prämisse von «Beauty and the Beast» wird in den ersten Minuten der Pilotfolge etabliert. Rückblende: 2003, vor elf Jahren, musste die Barbesitzerin Catherine Chandler mit ansehen, wie ihre Mutter von zwei mysteriösen Killern auf offener Straße erschossen wird. Catherine selbst kommt mit dem Leben davon: ein animalisches Etwas tötet die beiden Mörder, bevor diese noch mehr Schaden anrichten können. Heute ist Catherine erfolgreiche Detektivin beim NYPD, löst komplizierte Fälle mit ihrem Team. Was damals geschehen ist, weiß Catherine bis heute nicht – bis sie die Spur eines Falles zu Vincent führt, dem vermeintlichen Biest, das ihr einst das Leben gerettet hat.


Inhaltliche Probleme offenbaren sich bei dieser neuen Serie fast im Minutentakt: Dass Catherine auf die Spur ihres einstigen Retters trifft und ihn als eben jenen erkennt, ergibt sich aus einer solch plumpen Aneinanderreihung billig zusammengekleisterter Zufälle, dass es fast lächerlich wirkt. Ebenso zufällig scheinen die Detektive, die für ihre Recherchen gern auch mal googeln, letztlich den Fall um eine ermordete Journalistin eines angesagten Modemagazins zu lösen. Der lebensverändernde Einschnitt am Anfang der Serie – die Ermordung von Catherines Mutter – ist im Verlauf der Handlung kaum noch von Relevanz: Warum die Mutter damals sterben musste und wer die zwei Killer waren, bleibt offen und wird nur marginal am Ende nochmals aufgegriffen. Immerhin: Die Hintergrundgeschichte des Biests – eine Mischung aus «Das Bourne Vermächtnis» und «Resident Evil» – wird immerhin angerissen.

Auf darstellerischer Ebene liegen aber die wahren Probleme von «Beauty and the Beast»: Als Catherine Chandler ist «Smallville»-Darstellerin Kristin Kreuk zwar ein Hingucker, aber ihr schauspielerisches Potenzial hält sich auch hier arg in Grenzen. Mimik ist so gut wie nicht vorhanden, umso mehr dafür ein überspieltes Pathos, das Kreuk in ihre Dialoge legt. Noch schlimmer wird all dies, wenn man ihr die Rolle der toughen Detektivin nicht für eine Sekunde abnehmen kann – diese Besetzung wirkt schlicht deplatziert und macht es dem Zuschauer nur noch schwerer, der ohnehin konstruierten Handlung ein wenig Glaubwürdigkeit abzugewinnen. Nicht besser spielt Jay Ryan das vermeintliche Biest, das sich als gewöhnlicher Jungspund mit Dreitagebart entpuppt und nicht bedrohlicher aussieht als mancher «CSI»-Darsteller.


Die Fehlbesetzung der Figuren kann auch durch die Dialoge nicht gerettet werden, die sich als Aneinanderreihung peinlicher Einzeiler-Witze und dummer Interaktionen entpuppt: Da fragt Catherine ihr Biest „Was hältst du von einem Drink? Kannst du überhaupt trinken?“, und ihre NYPD-Partnerin gibt Beziehungstipps wie „Du hast eine Schwäche für Deppen. Sieh mal, wenn ich ein Date mit einem Deppen habe, dann weiß ich, dass er ein Depp ist. Deswegen halte ich mich derzeit von Männern fern.“ Viel Sinn, geschweige denn Witz, geben diese Dialoge nicht her – während der restlichen Handlung wird es kaum besser.

Insgesamt versagt «Beauty and the Beast» damit auf ganzer Linie: Die spannende Relevanz des Märchenstoffes (die wahren Monster sind manchmal die Menschen selbst, nicht das entstellte Biest) wird nicht im Ansatz ausgeschöpft. Action-Szenen, in denen Kristin Kreuk gleich mehrere männliche Auftragskiller im Martial-Arts-Stil überwältigt, bieten unfreiwillig komische Unterhaltung. Das permanente Overacting – also das übertriebene nonverbale Schauspiel –, die irrwitzigen Dialoge und die Kamera, die oft die falsche Einstellung an der falschen Stelle bringt, zerstören jede Atmosphäre im Ansatz. Schließlich tut die aus Zufällen und Deus-Ex-Machina-Situationen zusammengekleisterte, spannungsarme Handlung ihr Übriges, um «Beauty and the Beast» als inhaltlich relevanten Saison-Start nicht wirklich ernst nehmen zu können.



Stattdessen schafft die Serie etwas anderes: Mit all ihren Fehlern ist sie so schlecht, dass sie schon fast als gutes, soapiges Trash-TV durchgeht – und damit unfreiwillig jene komödiantische hirnlose Unterhaltung schafft, die sich mancher Zuschauer möglicherweise inmitten der ernsten und komplexen TV-Dramen auch mal wünscht. Vielleicht bekommt das neue «Beauty and the Beast» auf diese Weise seine ganz eigene Kult-Fanbasis – wie der einstige Serienklassiker von 1987.

Hinweis: Diese Meldung erschien erstmals nach dem US-Start im Oktober 2012.


kabel eins zeigt «Beauty and the Beast» ab Freitag, 7. Februar 2014 , um 21.15 Uhr.


Quelle http://www.quotenmeter.de/n/59734/first-...y-and-the-beast





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