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  Casting News zu " Sturm der Liebe, Rote Rosen, In aller Freundschaft, Verbotene Liebe neu in diesem Theard
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Carina
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18.11.2013 14:38
#26 RE: Serienprewievs Zitat · antworten

Serienpreview: "The Tunnel"




"The Tunnel"

Bild: Sky Atlantic HD/Canal+



Manche Serienstoffe scheinen unerschöpflich zu sein. Das aktuellste Beispiel ist die Geschichte von "Die Brücke - Transit in den Tod". Nach dem dänisch-schwedisch-deutschen Original aus dem Jahr 2011 folgte im Sommer dieses Jahres die Adaption "The Bridge - America" für den US-Markt. Nun legt Europa nach: Im Oktober startete in Großbritannien die neueste britisch-französische Variante "The Tunnel" auf dem Pay-TV-Kanal Sky Atlantic HD.

Genau wie das Original wurde auch diese Adaption zweisprachig gedreht. In den Hauptrollen als ungleiches Ermittlerduo Elise Wassermann und Karl Roebuck, das grenzüberschreitend einen politisch motivierten Serienkiller jagt, sind Clémence Poésy ("Gossip Girl") und Stephen Dillane ("Game of Thrones") zu sehen. Da es zwischen England und Frankreich keine Brücke gibt, wurde die Ausgangssituation der Handlung in den Eurotunnel verlegt. Exakt auf der Grenze zwischen den beiden Ländern wird eine Leiche gefunden, die sich aus zwei verschiedenen Körpern "zusammensetzt".

Im Mittelpunkt der zehnteiligen ersten Staffel sollen wie bei den anderen beiden Versionen die Mentalitätsunterschiede zwischen den beiden Ermittlern aus den jeweiligen Nachbarländern stehen - in diesem Fall Frankreich und Großbritannien. "Es geht um die unterschiedlichen Beziehungen, die wir zu Humor haben, wie ernst die Franzosen Dinge betrachten können und wie wichtig Humor und sich selbst nicht ernst nehmen für die Engländer ist", äußerte sich Hauptdarstellerin Clémence Poésy zur Serie.

Inwieweit diese Prämisse eingehalten werden kann und ob die neueste Adaption mit den Vorgängern mithalten kann, erläutert Marcus Kirzynowski im ausführlichen Serienpreview.


Quelle http://www.wunschliste.de/tvnews/m/serienpreview-the-tunnel




The Tunnel




Das Ermittlerduo der neuen Adaption: Elise Wassermann (Clémence Poésy) & Karl Roebuck (Stephen Dillane).


Friedrich Nietzsche prägte die philosophische Idee der ewigen Wiederkehr des Immergleichen. So manch ein deutscher Zuschauer dürfte sich daran erinnert fühlen, wenn er sich die neue britisch-französische Krimiserie "The Tunnel" ansieht. Dabei handelt es sich nämlich um die bereits zweite Adaption der dänisch-schwedischen Serie "Die Brücke - Transit in den Tod" von 2011 innerhalb weniger Monate. Nachdem die Handlung im Sommer 2013 in "The Bridge - America" auf dem US-Sender FX schon an die amerikanisch-mexikanische Grenze verlegt worden war, folgte nur Monate später die neueste Bearbeitung auf dem britischen Pay-TV-Kanal Sky Atlantic HD und dem französischen Pendant Canal+. Es ist die erste durchgehend zweisprachig gedrehte Serie, die für die beiden Länder produziert wurde.

Da es zwischen England und Frankreich anders als bei den jeweiligen Ländern der anderen Versionen keine Brücke gibt, wurde die Ausgangssituation in den Eurotunnel verlegt, auf den sich dann folgerichtig auch der Serientitel bezieht. Dort wird nun in der ersten Folge die Frauenleiche gefunden, wieder exakt auf der Grenze zwischen beiden Staaten. Und da sich auch diesmal herausstellt, dass sie aus zwei verschiedenen Körpern "zusammengesetzt" war, läutet der Fund erneut eine grenzüberschreitende Ermittlung ein, an der die britische wie die französische Polizei beteiligt sind. Das ungleiche Ermittlerteam setzt sich aus dem abgeklärten Familienvater Karl Roebuck (Stephen Dillane) ("Karl nach Karl Marx, mein Vater war ein echter Kommunist") und der sozial herausgeforderten, da leicht autistischen Elise Wassermann (Clémence Poésy) ("der Name ist jüdisch, ich nicht") zusammen. Abgesehen von der etwas ungewöhnlichen Namenswahl teilen die beiden Protagonisten die wesentlichen Eigenschaften mit ihren Vorbildern Martin Rode (Kim Bodnia) und Sarah Norén (Sofia Helin) aus der skandinavischen Originalserie. Auch Elise stößt also permanent ihre Umwelt vor den Kopf, wenn sie keine Rücksicht auf Umgangsformen und Höflichkeit nimmt, weil ihr schlicht die Fähigkeit zur Empathie fehlt.

So weit, so bekannt. Auch ansonsten gibt es in den ersten Folgen für Kenner des Originals wenig Neues zu entdecken, da im Prinzip nur die gleiche Geschichte mit leichten Variationen nacherzählt wird. Die Autoren um Ben Richards halten sich zwar nicht sklavisch an die Vorlage, fügen dem Konzept aber anders als ihre amerikanischen Kollegen bei "The Bridge" auch nichts Eigenes hinzu. Während die erste Adaption ihren Reiz vor allem aus den riesigen sozialen Unterschieden zwischen den USA und Mexiko bezog, sind sich die beiden EU-Nachbarländer einfach zu ähnlich, um hier ein vergleichbares Konfliktpotential zu bieten. So beschränken sich die Culture-Clash-Momente auf leichte Sprachschwierigkeiten, wobei die französischen
Polizisten alle fließend Englisch sprechen, während es bei Roebuck nur zu einigen Brocken Schulfranzösisch reicht.

Im Vergleich zu den beiden vorangegangenen Versionen wirken die Schauspieler wesentlich schwächer. Weder strahlt Stephen Dillane ("Game of Thrones", "Secret State") die machoartige Kumpeligkeit Kim Bodnias oder seines mexikanischen Gegenparts Demián Bichir aus, noch reicht die etwas ätherisch wirkende Clémence Poésy ("Harry Potter", "Gossip Girl") darstellerisch an Sofia Helins herrlich verschrobene Polizistin heran, und selbst die umstrittene Diane Kruger konnte in dieser Rolle noch eher überzeugen. Zudem entwickelt sich zumindest in den ersten drei Folgen zwischen dem Briten und der Französin keine richtige Chemie, bleiben die Gespräche zwischen beiden eher kraft- und witzlos. Damit ist das Alleinstellungsmerkmal des Originals gegenüber der Masse anderer Krimiserien schon mal verschenkt. Auch die Nebendarsteller fallen durchgehend vor allem hinter ihren amerikanischen Vorbildern zurück. Verkörpert beispielsweise Matthew Lillard in "The Bridge" den desillusionierten Lokaljournalisten mit einer großartigen Mischung aus Zynismus und alkoholbedingter Abgewracktheit, wirkt Tom Bateman in der entsprechenden Rolle in "The Tunnel" wie ein blasser großmäuliger Milchbubi, dem seine Mutti zu wenig Obst in die Journalistenschule mitgegeben hat. Und in den ersten beiden Folgen ist dann auch noch ausgerechnet Mathieu Carrière dabei, der seine besseren Zeiten schon länger hinter sich hat.

Auch der visuelle Reiz des ersten Remakes fehlt hier weitgehend. Überzeugt "The Bridge" mit ebenso wunderschönen wie unwirklichen Bildern der texanisch-mexikanischen Wüsten- und Berglandschaft, lehnt sich "The Tunnel" von der Bildgestaltung her eher an das Original an. Die düster-grauen Establishing Shots erwecken den Eindruck, als herrsche nicht nur an der englischen, sondern auch an der französischen Küste ständiges Regenwetter. Da die Produktion zudem nicht gerade aufwändig wirkt, wird es recht schnell etwas zu viel des grau in grau. So scheint es etwa dem niedrigeren Budget geschuldet, dass Journalist Danny hier statt in einer hektischen Zeitungsredaktion praktischerweise meist von Zuhause arbeitet.

So richtig klar wird an keiner Stelle, wen diese erneute Adaption eigentlich ansprechen will. Wer auch nur eine der beiden vorherigen Versionen kennt, wird schnell gelangweilt sein, wer keine davon gesehen hat, wäre sowohl mit der skandinavischen als auch mit der amerikanischen Fassung wesentlich besser bedient. Selbst das Argument, dass man englischsprachigen Zuschauern untertitelte oder synchronisierte Serien nur schwer vermitteln kann, läuft diesmal ins Leere, da es eben schon eine englischsprachige Adaption gibt. So ist "The Tunnel" höchstens für Menschen interessant, die eine besondere Affinität für den britischen (oder französischen) Akzent haben. Die beiden beteiligten Sender, die in der Vergangenheit durchaus schon mit hervorragenden Eigenproduktionen


Quelle http://www.wunschliste.de/serienpreview/thetunnel





Carina
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05.12.2013 20:45
#27 RE: Serienprewievs Zitat · antworten

Serienpreview: "Once Upon a Time in Wonderland"



"Once Upon a Time in Wonderland"

Bild: ABC



Nach dem großen Erfolg der Märchenserie "Once Upon a Time - Es war einmal..." bestellte das US-Network ABC für die TV-Saison 2013/14 einen Ableger namens "Once Upon a Time in Wonderland", der seit dem 10. Oktober ausgestrahlt wird.

Als Grundlage für die neue Serie dient der Kinderbuchklassiker "Alice im Wunderland" von Lewis Carroll. Die beiden "Once Upon a Time"-Schöpfer Edward Kitsis und Adam Horowitz erzählen die Geschichte auf ihre Art neu. In der Hauptrolle als Alice ist Sophie Lowe ("The Slap - Nur eine Ohrfeige") zu sehen, während Emma Rigby ("Hollyoaks") als eisige Red Queen die Rolle der Gegenspielerin übernimmt.

Inhaltlich bedient sich "Wonderland" mehr an der bekannten Disney-Verfilmung aus dem Jahr 1951 als an der Buchvorlage. So gibt es unter anderem ein Wiedersehen mit der Grinsekatze und dem verrückten Hutmacher. Konzeptuell weist das Spin-Off Parallelen zur Mutterserie "Once Upon a Time" auf. So spielt sich die Handlung im Wunderland der Gegenwart ab, das von einem Fluch heimgesucht wurde. Zwischendurch erfährt der Zuschauer in Form von Rückblenden, was vor dem Fluch im Wunderland geschehen ist. Darüber hinaus soll es auch Crossover-Episoden geben, die eine Verbindung zwischen den Figuren aus "Wonderland" und den Charakteren aus Storybrooke herstellen.

Während die Originalserie auch mit der derzeit laufenden dritten Staffel weiterhin gute Quoten von durchschnittlich sieben Millionen Zuschauern erreicht, tut sich das Spin-Off deutlich schwerer. Bei der ersten Episode schalteten noch 5,8 Millionen Zuschauer ein, doch zuletzt rasselte "Wonderland" auf 3,5 Millionen herunter. Die erste Staffel umfasst 13 Episoden.


Quelle http://www.wunschliste.de/tvnews/m/serie...e-in-wonderland




Once Upon a Time in Wonderland



Alice (Sophie Lowe) trifft im Wunderland auf den attraktiven Flaschengeist Cyrus (Peter Gadiot).


Edward Kitsis und Adam Horowitz lieben Fantasiewelten: Mehr als 20 Folgen von "Lost" schrieben sie gemeinsam, im Anschluss schufen sie dann ihr eigenes Universum: die ABC-Serie "Once Upon a Time". Die simple Lösung war allerdings nie ihre Sache. Die exotisch-mysteriöse Insel-Welt von "Lost" entpuppte sich schließlich als Parallel-Universum zweiter Ordnung, als in der letzten Staffel alternative, synchrone Realitäten Einzug hielten. Und auch die Familien-Fantasy "Once Upon a Time" gibt sich komplex: Der Zuschauer muss nicht nur die reale von der Märchenwelt, sondern auch noch die Märchenwelt vor und nach einem ominösen Fluch unterscheiden. Puh!

Damit aber nicht genug: Beflügelt vom Erfolg der fünffach 'Emmy'-prämierten Fairy-Tale-Abenteuer lancierten Kitsis und Horowitz nun ein Spin-Off - ebenfalls für das zum Disney-Konzern gehörende ABC-Network. Zusammen mit ihren Co-Autoren Zack Estrin ("Prison Break") und Jane Espenson ("Buffy - Im Bann der Dämonen") rücken sie diesmal dem britischen Schriftsteller Lewis Carroll zu Leibe. Der schrieb im 19. Jahrhundert die Bücher "Alice im Wunderland" und "Alice hinter den Spiegeln", die vor allem im angelsächsischen Raum jedem Kind bestens bekannt sind - und genau um jene Alice und um jenes Wunderland geht es in "Once Upon a Time in Wonderland". Vielmehr noch scheint es allerdings um jenes Wunderland zu gehen, das aus der klassischen Disney-Verfilmung von 1951 in Erinnerung ist: die Pilze, der Hase, die Raupe, die Katze, der verrückte Hutmacher. Mit der optischen Ähnlichkeit bleibt man also der Herangehensweise von "Once Upon a Time" treu: Auch dort sehen die Märchen- und Sagenfiguren von den sieben Zwergen bis Pinocchio, die "nach dem Fluch" in der Kleinstadt Storybrooke leben, eher nach den Disney-Versionen denn nach Grimm aus.

Auch in "Wonderland" sieht die Märchenwelt nicht mehr so aus wie gedacht, auch das Wunderland scheint vom Fluch gezeichnet, obwohl in dieser Hinsicht anfangs keine Klarheit herrscht. Das Universum scheint allerdings dasselbe zu sein - Granny's Diner in Storybrooke taucht gleich am Anfang auf. Auf jeden Fall herrscht keine Herzkönigin mehr in Carrolls psychedelischer Welt, sondern die eisige Red Queen, gespielt vom dicklippigen "Hollyoaks"-Soap-Starlet Emma Rigby, das hier mit blonder Betonfrisur in wallenden Gewändern herumstakst wie ein Botox-Opfer aus dem russischen Geldadel und die protestierenden Untertanen im Thronsaal mit einem blasierten "Eure Probleme langweilen mich!" stehen lässt. Durchaus großartig! Auch sonst scheint das Wunderland verheert: Der Hutmacher und seine Tea Party sind längst verschwunden, die Cheshire Cat ist aggressiv, und die kiffende Raupe (mit näselnder Altpunk-Nachlässigkeit gesprochen von Iggy Pop!) hält als subterraner Gangster Hof. Denn unter dem Wunderland liegt, wenn man nur den richtigen Riesenpilz hinabklettert, ein "Underland", das an Speakeasy-Spelunken aus der Prohibitionszeit erinnert.



Emma Rigby als eisige Red Queen.


In dieses Setting hinein purzelt Alice nun in der Pilotfolge. In wenigen Minuten hetzt die Episode durch einen Erzählstoff, den man über mehrere Spielfilmlängen hätte auswalzen können: Alice wurde als Kind, als sie erstmals aus dem Wunderland zurückkehrte, wegen ihrer pilz- und hasensatten Berichte in eine Irrenanstalt gesteckt. Dort wuchs sie zu einer jungen Frau heran (toll in der Hauptrolle: Sophie Lowe, ein australisches Ex-Model, das durch die neulich auf Arte gezeigte Serie "The Slap - Nur eine Ohrfeige" bekannt wurde). Und während sie vom schmierigen Psychiater gelöchert wird, flieht sie über die Jahre immer wieder zurück durchs Hasenloch ins Paralleluniversum. Dort lernt sie eines Tages den aus 1001 Nacht herübergewehten Flaschengeist Cyrus kennen, gespielt von Peter Gadiot, einem blendend attraktiven James-Franco-Lookalike. Cyrus wird, aus noch nicht klaren Gründen, vom Zauberer Jafar (bekannt aus "Aladdin") und von der Red Queen gejagt. Eines Tages stürzt die böse Königin den Jüngling über die Reling ins "Kochende Meer". Alice ist untröstlich und will sich in ihrer "wirklichen" Welt des viktorianischen Englands endgültig vom Psychiater lobotomisieren lassen, als sie vom Weißen Hasen und vom Herzbuben zurück ins verfluchte Wunderland entführt wird. Dem Zuschauer wird bald enthüllt, dass a) der Hase inzwischen Handlager der Königin ist und b) Cyrus nicht tot, sondern von Jafar in einem hängenden Käfig gefangen gehalten wird. Alices Mission - klar - ist nun die Suche nach dem feschen Geliebten.

Weil es in so rasendem Tempo erzählt wird, wirkt das alles ziemlich wirr. Wer neu in der "Once"-Welt ist, könnte sich bald schon aus der narrativen Kurve getragen fühlen - und optisch im falschen Film, was auch an den trashigen Spezialeffekten liegen mag. Denn in den Totalen erinnert das Wunderland an rudimentäre Vektorgrafiken aus alten Amiga-Spielen, und auch das Creature Design ist nur wenig besser. Der quietschbunte Look zwischen Gold, Lila, Kirschrot und Giftapfel-Grün macht, wenn schon nicht blind, so doch immerhin Staunen.

Den Herzbuben übrigens, der die Rolle von Alices Sidekick übernimmt, kennt man schon aus zwei Auftritten aus "Once", womit die Ankündigung der Macher, es werde in Zukunft Crossover-Episoden mit der Mutterserie geben, an Plausibilität gewinnt. Allerdings wird der junge Mann jetzt von einem anderen Darsteller gespielt, einem sehr guten: Michael Socha war bei den "This is England"-Filmen in tragender Skinhead-Rolle dabei und darf auch in "Wonderland" ein beherztes "Oi!" ausstoßen, wenn er die Grinsekatze mit einem Schrumpfzauber bewirft. Die dritte Episode blendet, in "Once"-Manier, in sein Vorleben zurück: Eine Zeit lang war er im Zauberwald Raubgenosse von Robin, bis er der Drachenhexe Maleficent einen Spiegel klaute, um sich mit dessen Hilfe und gemeinsam mit seiner Geliebten Anastasia (der Disney-Zarentochter?) ins Wunderland zu beamen.

Mit viel Kajal spielt Lockenkopf Naveen Andrews den Zauberer Jafar: Wie er im Kunstleder-Hexenmeisterkostüm seinen rot blinkenden Kobrakopf-Stab spazieren führt und mit der Hand seine magischen Energien dirigiert, das erinnert an Kasperletheater. Ohnehin spielen er und die Queen das Evil Couple wie zwei Shakespeare-Knattermimen auf der Freilichtbühne - und das nicht ohne sexuelle Anspielungen, die man im Family-Genre gar nicht erwarten würde. Andrews ist natürlich vor allem bekannt als Sayid aus "Lost" - womit sich die Reihe an ins Märchenland versetzten Ex-"Lost"-Stars (in "Once" spielen Emilie de Ravin und Jorge Garcia) nahtlos fortsetzt.

Nach dem überstürzten Beginn landet der Plot dann bald im Routineprogramm. Die Queen und Jafar dürfen Alice noch nicht bedrohen, weil das Mädchen erst (warum auch immer) ihre drei vom Flaschengeist geschenkten Wünsche verbrauchen muss. Die Königin winkt dazu mit dem Zaunpfahl: "Ich bin so viel mehr, als es den Anschein hat." Eine Dialogzeile zum Verlieben! Derweil dominiert Alices Suche nach Cyrus das Geschehen; diese ist untergliedert in kleine Zwischen-Aufgaben: einen Marshmallow-See überqueren, auf der Mock Turtle reiten oder - beste Sequenz bisher - einen magischen Knoten aus den Fängen des Beowulf-Unholds Grendel entwenden und dabei den "Bandersnatch" besiegen, das Monster aus Carrolls "Jabberwocky"-Gedicht, das hier aussieht wie ein falsch animiertes Riesenwildschwein.

Leider fehlt "Wonderland" noch der nötige Drive - was Anlass zur Sorge gibt, da die Handlung, anders als in "Once", bislang nur auf 13 Folgen verteilt werden muss. Wie soll einer Serie die Luft ausgehen, wenn erst gar keine hineinkommt? Bedenklich auch: Der versponnene Zauber von Carrolls Wunderland-Geschichten will sich nicht entfalten, vor allem wohl, weil sie als bloßer Figurenfundus und nicht um ihrer selbst willen verwendet werden. Am ehesten funktioniert die Serie noch als generischer Abenteuer-Plot: zwei junge Leute, sich kabbelnd, auf großer Reise. Sophie Lowe ist dabei als schwertschwingende, renitente und dennoch zutiefst liebesverzweifelte Alice eine sehenswert taffe Hauptfigur - eine gelungene Nachfolgerin von Jennifer Morrisons Emma Swan in "Once". Wenn es Kitsis und Horowitz gelingt, der Stärke dieser Figur auch auf der Plot-Ebene gerecht zu werden, wird man sich in dieser ansonsten noch allzu unübersichtlichen Parallelwelt gerne länger aufhalten wollen. Ansonsten jedoch mag man sich bald fragen, ob es dieses merkwürdigen Ablegers denn wirklich bedurft hätte.


Quelle http://www.wunschliste.de/serienpreview/...imeinwonderland





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09.12.2013 15:49
#28 RE: Serienprewievs Zitat · antworten

Serienpreview: "Reign"



"Reign"

Bild: The CW



In der im Oktober gestarteten Serie "Reign" des US-Networks The CW wird der Aufstieg von Maria Stuart zur Königin von Schottland neu erzählt. Das Historiendrama wurde mit Fantasy-Elementen und atttraktiven Jungschauspielern bestückt, um die Teenie-Zielgruppe des Senders auch optisch anzusprechen.

Die Hauptrolle der 15-jährigen Maria Stuart verkörpert Adelaide Kane, die "Teen Wolf"-Fans bestens als Cora Hale bekannt ist. Sie wird im Frankreich des 16. Jahrhunderts aus strategischen Gründen mit dem Prinzen Francis (Toby Regbo) verlobt und kommt so zusammen mit ihren vier besten Freundinnen an den französischen Hof. Dort werden die Zuschauer bald Zeuge von dunklen Mächten und sexuellen Intrigen.

Im November bestellte The CW weitere Folgen von "Reign", womit das neue Drama auf eine volle Staffelorder von 22 Episoden kommt. Bislang konnte die Serie durchschnittlich 1,8 Millionen Zuschauer erreichen.


Quelle http://www.wunschliste.de/tvnews/m/serienpreview-reign




Reign



Dauphin Francis (Toby Regbo), Mary Stuart (Adelaide Kane) und Sebastian "Bash" (Torrance Coombs) (v.l.n.r.).



Im fanatischen Bemühen, die ganze Welt als Glitzerkulissenuniversum voller wunderschöner Modelmenschen in seinen Serien nachzubauen, hat sich das Junge-Leute-Netzwerk The CW nach Vampiren in New Orleans ("The Originals") diesmal europäische Renaissance-Geschichte einverleibt. Richtig gelesen: Es geht um Mary, Queen of Scots, bei uns in Deutschland landläufig bekannt als Maria Stuart, jene schottische Katholikin, die in Schillers nach ihr benanntem Drama ein legendär unerquickliches Ende fand.

"Reign" stürzt sich aber nicht auf ihre späteren Jahre in Gefangenschaft der britischen Königin Elisabeth, sondern auf ihre in Frankreich verbrachte Jugend. Von der Geschichtsschreibung abweichend holen die Serienmacherinnen Laurie McCarthy ("Ghost Whisperer") und Stephanie SenGupta ("Criminal Intent - Verbrechen im Visier") die 15-jährige Mary aber erst einmal aus einem Kloster: Eingangs fällt dort eine als Vorkosterin dienende Nonne röchelnd in ihren Porridge, und weil das als Attentat auf das Mädchen gewertet wird, befördert man es umgehend an den französischen Hof, der aus katholischer Verbundenheit die schützende Hand über die minderjährige schottische Königin hält.

Zwischen Frankreich und England herrscht gerade zwar einigermaßen Ruhe, doch Engländer und Schotten sind sich spinnefeind - ab der "kalten" Eröffnung von Folge drei wird das eine zentrale Rolle spielen. Englische Soldaten überschreiten da die schottische Grenze und zwingen die im französischen Exil lebende jugendliche Königin zum Handeln. "Reign" entpuppt sich dann tatsächlich als vages politisches Drama mit Interesse an strategischen Winkelzügen.

Zuvor jedoch versucht "Reign" mit einiger Mühe, wenn auch nicht ohne Charme, den Serienkosmos aufzuziehen und vergleichbare Geschichtsglitzerserien wie "Die Tudors" auf die Teen-Zielgruppe herunterzubrechen. Mary Stuart steht dabei als strahlende Heldin fest, und mit der 22-jährigen Australierin Adelaide Kane ("Teen Wolf") haben die Produzentinnen eine umwerfende Schauspielerin gecastet, die die verlangte heroische Ungebrochenheit von Anfang an souverän meistert.

Mary kommt also (in der von "Casper"-Regisseur Brad Silberling inszenierten Pilotfolge) am französischen Hofe an, der allerdings mehr nach einem mittelalterlichen Schloss in Irland aussieht - was nicht verwundert, fanden die Außenaufnahmen doch vorwiegend auf der grünen Insel statt. Diesen Drehort hat "Reign" übrigens mit "Game of Thrones" ebenso gemein wie das Thema der politischen Ranküne, wobei stilistisch und in Sachen Abgründigkeit natürlich in einer anderen Liga gespielt wird und man von eingefleischten Fernsehsessel-Westerosi wahrscheinlich schon für den bloßen Vergleich einen Kopf kürzer gemacht würde.



Alan van Sprang verkörpert King Henry II of France.


Am Hofe regiert König Henri II, in der Serie "Henry" genannt. Was gleich zur größten Bild-Ton-Schere der Originalversion führt: Die Franzosen, den Engländern heftig abgeneigt, versichern sich paradoxerweise in schneidigem Bühnen-Englisch ihrer Liebe zu Frankreich. Das ist einigermaßen grotesk, doch mit untertiteltem Französisch hätte man die Zielgruppe wohl ebenso verschreckt wie mit einer schottisch nuschelnden Mary. Gespielt wird "Henry-the-Second", der notorische Hugenottenschlächter, vom "Tudors"-erfahrenen Macho-Man Alan van Sprang (letzte Serie, kein Witz: "King"), dem man von der ersten Sekunde an ansieht, dass er seine biestige Gattin, Catherine de Medici, nur des Geldes und der Taktik wegen erträgt. Die katholische Fanatikerin aus Florentiner Adelsgeschlecht wird von Megan Follows verkörpert, die mal die jugendliche "Anne auf Green Gables" im gleichnamigen Mehrteiler von 1985 war. Jetzt, als Mittvierzigerin, darf sie die Hexe rauslassen: Als intrigante Königsgattin kreuzt sie das Gluckenhafte von Mutter Guldenburg mit der eisigen Selbstverachtung von Cersei Lannister und dem Upperclass-Hass von Catherine Martell aus "Twin Peaks". Mögen kann man so eine Figur nicht, und fast freut man sich, wenn sie sich in Folge zwei über ein blutiges X in ihren königlichen Laken erschrickt.

Wie interessant aber ist eine rein unsympathische Serienfigur? Zumal die Medici auch noch wundergläubig ist: Ihr zur Seite steht der legendäre Seher Nostradamus, der zur Spielzeit 1557 eigentlich bereits ein älterer Herr sein müsste, sich hier aber als viriler Vollbartträger im schicken Pelzmantel präsentiert. Rossif Sutherland (auch er aus "King") sieht in der Rolle aus wie einer jener Australier im Holzfäller-Look, die derzeit in Berlin überall überteuerte Coffeebars eröffnen. In jeder seiner Szenen hat er irgendwann eine Vision: Dann reißt er die Augen auf und "sieht", dass Mary dereinst für den Tod von Prinz Francis sorgen wird. Vor allem deshalb ist Mutter Medici der jungen Schottin gegenüber feindselig eingestellt. Eine Heirat mit Sohn Francis muss aus ihrer Sicht unbedingt vermieden werden. Dumm nur, dass sich Mary und Francis seit Kindestagen an versprochen sind, als französisch-schottisch-katholische Allianz. Drama und Intrige, hier entlang!

Francis führt uns allerdings gleich ins nächste Handlungsversatzstück: ins Liebesdreieck aus schöner Frau und schönen Brüdern, nicht zuletzt aus dem CW-Dauerbrenner "Vampire Diaries" bekannt. Francis ist zwar kein Vampir, sieht aber als blass-blonder Elfenjunge dem ewigen Blutsauger Robert Pattinson bestimmt nicht nur versehentlich ähnlich. In den ersten Folgen ringt Toby Regbo ("Mr. Nobody") als Francis noch um Statur, vor allem im direkten Vergleich mit Halbbruder Bash (Torrance Coombs, "Tudors"), einem grünäugigen Beau, den Papa Henry mit seiner Mätresse zeugte, und der schon wegen seiner zupackenden Maskulinität beim Erzeuger besser gelitten ist als Francis. Zu Francis' Ehrenrettung muss man jedoch sagen, dass sein historisches Vorbild ein kleinwüchsiger, hässlicher Stotterer gewesen sein soll. Das ist Regbo in seiner Funktion als designierter neuer CW-Hottie natürlich nicht. Trotzdem scheint Mary in den ersten Folgen auch für Bashs tiefe Blicke empfänglich zu sein.

Und sonst noch? Es spukt! Eine geheimnisvolle junge Frau mit Leinensack auf dem Kopf geistert durch das Schloss, taucht meist unscharf irgendwo im Bildhintergrund auf, um dann sofort wieder zu verschwinden. Sie, die laut Auskunft des kleinsten Prinzenbruders Charles "Clarissa" heißt, scheint es gut mit Mary zu meinen und warnt sie vor weiteren Attentaten. Und: Irgendwo im Wald nahe des Schlosses droht zudem eine bislang nicht näher bekannte, aber blutig-tödliche Gefahr. Und: Die ganze Zeit - auch in die Dialoge hinein - dudelt auf dem Soundtrack textlastige Folk-Musik von den Lumineers, Bastille oder Band of Skulls. Womöglich dachten die Macher: Ein Banjo? Das klingt alt! Das nimmt uns die Zielgruppe als Renaissancemusik ab... Diese Art Anachronismus steht natürlich im Einklang mit dem bewährten CW-Credo, dass auch in Sachen Dekor und Kostüm eher auf trendige Schnitte denn auf historische Akkuratessen zu achten ist. Trotzdem fürchtet man stets, dass da gleich Mumford & Sons aus den Kulissen springen könnten.

Es gibt weitere Figuren (etwa die Königs-Mätresse), die in den ersten Episoden noch keine nennenswerten Rollen spielen. Besonders schade ist das für Marys Zofenquartett, vier Grazien auf Männersuche, die wohl das "Gossip Girl"-Moment ins höfische Geschehen einführen sollen. Doch auch wenn der Lover von Lola (Anna Popplewell aus den "Narnia"-Filmen) als Intrigen-Opfer schnell tot im Wald hängt und Kenna (Caitlin Stasey) sich in einer denkwürdig verklemmten Montagesequenz von Henry Zwo verführen lässt - ausdefinierte Figuren sind das noch lange nicht. Der Favorit von Greer (Celina Sinden) immerhin, ein portugiesischer Prinz, ist es, der ab Folge drei dann die polit-taktischen Dinge ins Rollen bringt. Wird Mary dessen Heiratsangebot annehmen, um dafür Hilfe im schottischen Kampf gegen England zu bekommen?

McCarthy und SenGupta versuchen also, alles unter einen Hut zu bekommen: das Teen-Drama, die Romanze, das Intrigenspiel und den historischen Hintergrund, der hier trotz aller Verjüngungen und Verzerrungen ernster genommen zu werden scheint als man anfangs erwarten könnte. Dieser Versuch wirkt zwangsläufig oft krampfhaft. Doch trotz der klischeehaften Dialoge und unausgereiften Nebenfiguren kommt die Serie langsam in die Gänge. Das liegt an Adelaide Kane, die als starke Zentralfigur die losen Enden bündelt, aber auch an den erwähnten Mystery-Elementen, die von den Macherinnen bislang relativ geschickt in der Schwebe gehalten werden. Für Erstaunen sorgt zudem, dass ein paar der weiteren Folgen von Kult-Regisseuren inszeniert werden: Was Bruce MacDonald ("Hard Core Logo") oder Jeremiah Chechik ("Benny & Joon") anpacken, kann so schlecht eigentlich nicht werden.


Quelle http://www.wunschliste.de/serienpreview/reign





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30.01.2014 15:27
#29 RE: Serienprewievs : : "Chicago PD" Zitat · antworten

Serienpreview: "Chicago PD"



"Chicago PD"

Bild: NBC



Seit nur noch die "Special Victims Unit" ermittelt, ist das langlebige "Law & Order"-Universum deutlich geschrumpft. Doch Serienschöpfer Dick Wolf ist es längst gelungen, eine weitere Franchise-Produktion zu etablieren. Auf sein Feuerwehrdrama "Chicago Fire" folgte in diesem Monat das Spin-Off "Chicago PD".

Im Mittelpunkt des Crime-Procedurals steht die Intelligence Unit vom District 21 des Chicagoer Police Departments. Das Eliteteam beschäftigt sich unter anderem mit Drogenhandel und durchleuchtet mafiöse Strukturen. Angeführt wird die Einheit vom nicht übermäßig gesetzestreuen Sergeant Hank Voight (Jason Beghe). Wie Voight wurde unter anderem auch Detective Antonio Dawson (Jon Seda) zuvor in der Originalserie "Chicago Fire" gesichtet.

Zum US-Serienstart am 9. Januar 2014 erzielte "Chicago PD" auf seinem Sendelatz am späten Mittwochabend ordentliche Quoten: 8,6 Millionen schalteten den Pilotfilm ein. Die Episoden 2 und 3, im Anschluss an "Law & Order: Special Victims Unit" ausgestrahlt, lagen im Bereich um die sechs Millionen Zuschauer - für NBC ein akzeptabler Wert. In den kommenden Wochen soll der Bekanntheitsgrad von "Chicago PD" mit Hilfe von zwei Crossover-Episoden weiter erhöht werden. So werden sich die Wege der "Chicago PD"-Hauptcharaktere nicht nur mit den Kollegen der Originalserie kreuzen, sondern auch mit denen von "Law & Order: SVU".


Quelle 30.01.2014, 10.00 Uhr - Michael Brandes http://www.wunschliste.de/tvnews/m/serienpreview-chicago-pd




Chicago PD


von Marcus Kirzynowski



Henry "Hank" Voight (Jason Begh, m.r.) und seine Intelligence Unit.


Mit "Chicago PD" versucht das US-Network NBC, an eigene erfolgreiche Polizeiserien der Vergangenheit anzuknüpfen. Der Sender hat einige Serien vorzuweisen, die das Genre mit innovativen Ansätzen weiterentwickelt haben. Angefangen bei "Polizeirevier Hill Street", das 1981 erstmals eine Vielzahl parallel verlaufender Handlungsstränge miteinander verknüpfte, von denen nur manche nach 45 Minuten abgeschlossen wurden. 1999 kombinierte NBC in "Third Watch" klassische Cop-Show-Elemente mit medical drama à la "Emergency Room" und Feuerwehraction. Zuletzt versuchte sich der Sender 2009 mit "Southland" an einer ambitionierteren Serie über den Polizeialltag, brach allerdings bereits nach sechs Folgen ab, bevor der kleinere Kabelsender TNT sie weiterführte.

Nachdem NBC in der TV-Saison 2012/13 mit dem Feuerwehrdrama "Chicago Fire" zumindest zufriedenstellenden Erfolg hatte, kam schnell die Idee eines Ablegers auf, der auf einem Polizeirevier spielen sollte. Die vorgesehenen Hauptfiguren wurden bereits in der ersten Staffel der Mutterserie eingeführt, unter anderem in einem so genannten Backdoor-Piloten. Die meisten davon wurden aber vor dem eigentlichen Produktionsbeginn des Spin-Offs wieder ausgetauscht. Einige der neuen Hauptfiguren waren dann schon in der zweiten "Chicago Fire"-Staffel zu sehen.

Nun also "Chicago PD": Von der ursprünglich angestrebten Gleichbehandlung von Streifenpolizisten und Kriminalbeamten ist nicht mehr viel geblieben, lediglich zwei Uniformierte tauchen, eher am Rande, in den ersten drei Folgen noch auf. Im Mittelpunkt steht hingegen eine Intelligence Unit, die sich mit schweren Verbrechen wie Drogenhandel, Mord und mafiösen Strukturen beschäftigt. Leiter dieser Einheit ist Sergeant Henry "Hank" Voight (Jason Beghe), ein zwielichtiger Cop, der es mit dem Gesetz nicht immer ganz so genau nimmt. Er wurde in der Mutterserie bereits als korrupt überführt, ist jetzt aber doch wieder im Dienst, weil er verdeckt Informationen für die interne Ermittlungsabteilung sammeln soll. Seine wahren Beweggründe bleiben vorerst im Halbdunkeln, jedoch deutet alles darauf hin, dass er im Grunde ein gutes Herz hat. Bestechungsgelder behält er etwa nicht selbst, sondern gibt sie einem jugendlichen Informanten, um ihm bei dessen Ausstieg aus dem kriminellen Milieu zu helfen. Vom Auftreten her erinnert Voight stark an Michael Chiklis' Vic Mackey aus "The Shield", aber ihn so richtig korrupt zu zeichnen wie diesen, hat man sich im Mainstreamfernsehen dann wohl doch nicht getraut.



Attraktiver Blickfang im männerdominierten Einsatzteam: Sophia Bush als Erin Lindsay.


Ihm zur Seite steht ein etwas zu groß geratenes Team von Männern und einer Frau, die alle mit etwas zu schönen Schauspielern besetzt sind, als dass es realistisch wirken könnte. Für männliche heterosexuelle Zuschauer ist Sophia Bush als ebenso toughe wie attraktive Vertraute Voights, Erin Lindsay, durchaus ein Grund einzuschalten. Dem weiblichen Publikum mag es mit den durchweg wie aus dem Ei gepellten männlichen Detectives ähnlich gehen. Einer davon, Antonio Dawson (Jon Seda), ist der Bruder der Rettungssanitäterin Gabriela aus "Chicago Fire", womit dem Bezug zur Mutterserie Genüge getan ist. Die anderen Figuren bleiben in den Auftaktepisoden eher blass und wirken noch austauschbar.

Die Fälle selbst sind im Grunde ebenso austauschbar und nach dem Ende der jeweiligen Folge schnell wieder vergessen. Mal geht es um einen Drogenboss, der Gegner enthauptet, mal um eine Bande von Waffenschmugglern. Insbesondere die Handlung der Auftaktfolge wirkt wie dem Ratgeber "Drehbuchschreiben für Anfänger" entnommen. Alle Plot Points werden pflichtschuldig abgehakt, bis hin zum Cliffhanger. Originalität sucht man hier vergebens.

Trotzdem funktioniert die Serie erstaunlich effektiv. Die straffe Inszenierung und die durchaus gelungenen Actionszenen lassen kaum Langeweile aufkommen. In der zweiten Folge steigert sich die Serie noch, insbesondere was den Spannungsaufbau angeht. Handwerklich ist den Produzenten um "Law & Order"-Mastermind Dick Wolf wenig vorzuwerfen. Ein Pluspunkt ist, dass tatsächlich on location gedreht wird, also auf den Straßen Chicagos statt in nachgebauten Studiokulissen, wie es früher Standard war. Die Erzählstruktur beschränkt sich nicht auf den abgeschlossenen Fall der Woche, sondern bedient sich überraschend vieler übergreifender Handlungsstränge. Modern gefilmt und geschnitten ist die Serie sowieso. Wenn die Autoren dem Publikum doch nur inhaltlich etwas mehr zutrauen würden! Stattdessen bedienen sie sich bei Versatzstücken aus modernen Genreklassikern von "The Shield" bis "The Wire", kratzen aber immer nur an deren Oberfläche. Ein Schauplatz etwa, eine Couchgarnitur unter einer Hochbahntrasse, wo schwarze Drogendealer Hof halten, wirkt wie ein direktes Zitat aus David Simons bahnbrechender HBO-Crimeserie, aber natürlich dürfen die Gangster nicht fluchen und Straßenjungs sind in Wahrheit doch gute Kids. Das US-Networkfernsehen war hier schon einmal wesentlich weiter, denn eine Mainstreamserie wie "Third Watch" zeichnete durchaus ein realistisches Bild vom harten Leben auf der Straße. Auch die Musikuntermalung ist wesentlich aufdringlicher als noch vor zehn Jahren üblich. Jeder im Polizeialltag eigentlich ganz normale Vorgang wie das Stoppen eines Autos wird mit wummernden Bässen begleitet, als würde jeden Moment eine Bombe explodieren. Der angestrebten realistischen Härte tut das jedenfalls nicht gut.

Insgesamt ist "Chicago PD" fürs Network-TV durchaus ein Schritt in die richtige Richtung: raus aus den sterilen Laboren und Büros der Forensiker und Mordermittler und zurück auf die Straße, wo sich Cops auch mal die Finger schmutzig machen. Leider ist NBC dabei auf halber Strecke stehengeblieben. Sollten die Autoren den Figuren später mehr Charaktertiefe zugestehen und ihnen originellere Einsätze auf den Leib schreiben, könnte sich noch eine fesselnde Cop-Show entwickeln. So ist es zumindest eine unterhaltsame Actionserie, die man sich durchaus anschauen kann, wenn man über mangelnde Originalität hinwegsieht.


Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Episoden von "Chicago PD".


Quelle
http://www.wunschliste.de/serienpreview/chicagopd





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11.02.2014 03:46
#30 RE: Serienprewievs : "True Detective" Zitat · antworten

Serienpreview: "True Detective"



Ungleiches Ermittlerteam im Jahr 1995: Matthew McConaughey und Woody Harrelson

Bild: HBO



Es mehren sich die kritischen Stimmen, die dem Pay-TV-Sender HBO einen Qualitätsabfall unterstellen. Lange Jahre war HBO im Bereich anspruchsvoller Serien die führende Adresse, aber Fakt ist zumindest, dass Konkurrenten wie Showtime, FX oder Netflix deutlich aufgeholt haben. Mit "Game of Thrones" und "Girls" hat HBO nur noch zwei Serien, die einen weltweiten Buzz erzeugt haben. Der langjährige Publikumsliebling "True Blood" hat seinen Zenit überschritten, und auch "Boardwalk Empire" biegt langsam in die Zielgerade ein. Jüngere HBO-Serien sind zuletzt überwiegend gefloppt.

Abhilfe schaffen soll nun das Mitte Januar gestartete Crime-Drama "True Detective", in dem Matthew McConaughey und Woody Harrelson zwei Ermittler aus Louisiana verkörpern: Rust Cole und Martin Hart beschäftigten sich im Jahr 1995 mit einem bizarren Mord, der einige offene Fragen hinterlassen hat. 17 Jahre später wird die Suche nach dem Täter wieder aufgenommen. In Rückblicken werden nicht nur die düsteren Details eines okkulten Ritualmordes offenbart, sondern auch die komplizierte Verbindung der beiden sehr gegensätzlichen Detectives sowie die Auswirkungen, die der Fall auf ihr Leben und ihre persönliche Entwicklung hatte.

Angelegt ist "True Detective" als Anthologie-Serie nach dem Vorbild von "American Horror Story": Falls HBO eine zweite Staffel ordert, geht es mit neuen Figuren, verändertem Handlungsort und frischem Mordfall weiter.

Hierzulande wird die achtteilige erste Staffel seit 13. Januar in der englischsprachigen Originalfassung über 'Sky Go' und 'Sky Anytime' verbreitet. Die lineare TV-Ausstrahlung, wahlweise im Original oder in deutscher Synchronisation, erfolgt ab Mitte April auf dem Sender Sky Atlantic HD.


Quelle http://www.wunschliste.de/tvnews/m/serie...-true-detective




True Detective


von Marcus Kirzynowski



Ungleiches Ermittlerteam im Jahr 1995: Matthew McConaughey und Woody Harrelson


Im Jahr 2012 werden zwei ehemalige Detectives der Louisiana State Police getrennt voneinander in die Mordkommission bestellt. Sie sollen erzählen, wie sie 17 Jahre zuvor gemeinsam im aufsehenerregenden Fall eines Ritualmordes ermittelt haben. Denn obwohl sie den mutmaßlichen Täter damals gefasst haben, gab es jetzt einen neuen Mord nach dem gleichen Tatmuster. Während der Einheimische Martin Hart ein gesetzter, gesellschaftlich gut integrierter Südstaatler ist, macht sein Ex-Partner, der gebürtige Texaner Rustin 'Rust' Cohle, einen desolaten Eindruck: Er wirkt verwahrlost, scheint alle sozialen Bezüge hinter sich gelassen zu haben und ist nur bereit auszusagen, wenn er mittags das erste Sixpack bekommt. In langen Rückblenden entfaltet sich die Haupthandlung, die 1995 angesiedelt ist.

Auch damals, zu Beginn ihrer Partnerschaft, waren die beiden Ermittler schon höchst unterschiedlich: Hart ist bodenständig, etwas simpel gestrickt und Christ, Cohle hingegen ein verschlossener Grübler mit misanthropischem Weltbild, der anscheinend nie über den Tod seiner Tochter hinweggekommen ist. Gemeinsam begeben sich die ungleichen Kollegen auf die Suche nach dem Mörder, der sein Opfer, eine junge Prostituierte, nackt, in kniender Stellung und mit einem seltsamen, geweihähnlichen Kopfschmuck vor einem Baum drapiert hat. Cohle ist schnell überzeugt, dass es sich um einen Serienkiller handeln muss. Trotz seiner Unzugänglichkeit entpuppt sich Cohle als brillanter Ermittler. Schon bald stoßen die beiden Detectives auf weitere Fälle auf ungeklärte Weise gestorbener oder schlicht verschwundener Mädchen und junger Frauen. Und irgendwie führen alle Spuren immer wieder zu religiösen Einrichtungen wie Kirchen und einer christlichen Schule.

"True Detective", die neue Anthologieserie von HBO, die in jeder Staffel einen neuen Fall mit anderen Ermittlern erzählen soll, hat bereits vor ihrem Start einigen Hype ausgelöst. Das lag hauptsächlich an den beiden Hauptdarstellern der ersten Staffel, Matthew McConaughey und Woody Harrelson, die man bisher fast nur aus dem Kino kannte. McConaughey hat zur Zeit einen fantastischen Lauf: Wenige Tage vor dem Start der Serie wurde er mit dem 'Golden Globe' für seine Rolle als homophober, HIV-infizierter Cowboy im Indie-Film "Dallas Buyers Club" ausgezeichnet, nun besticht er als verschrobener Einzelgänger im Kampf mit seinen inneren Dämonen. In den Rückblenden erinnert er mit abgemagertem Körper und wirrem Blick an Christian Bale in "The Machinist", in der Rahmenhandlung sieht er mit Hippiemähne und Schnurrbart komplett anders aus. Mit dieser Wandlungsfähigkeit und seinen mit sonorer Stimme vorgetragenen philosophisch-nihilistischen Ergüssen dürfte er sich problemlos auf die Nominierungslisten der Fernsehpreise dieser Saison spielen.



Stark verändert im Jahr 2012: Matthew McConaughey.


Dagegen wirkt Woody Harrelson schauspielerisch deutlich eingeschränkter. Mit ständig gleichem verbissenen Gesichtsausdruck und breitestem Südstaatenakzent legt er den Redneck-Typen Hart fast schon parodistisch an. Aus den Gegensätzen zwischen den beiden Hauptfiguren bezieht die Serie einen Großteil ihres Reizes. Von den übrigen Figuren bekommt lediglich Harts Ehefrau Maggie (Michelle Monaghan) größeren Raum. Daran, wie Martin mit ihr und seiner heimlichen Geliebten umgeht, zeigt sich in der dritten Folge, dass zwischen dem öffentlichen Bild, das er von sich zu vermitteln versucht, und seinem wahren Charakter, Welten liegen. Psychisch scheint er nicht weniger Probleme zu haben als sein gleich auf den ersten Blick irre wirkender Partner, bloß dass der sich und der Welt seine Schwächen offen eingesteht.

Für die eigentliche Krimihandlung interessieren sich Serienschöpfer Nic Pizzolatto, der alle Folgen selbst geschrieben hat, und sein Regisseur Cary Joji Fukunaga bislang wenig. Neben dem Charakterdrama steht vielmehr die unwirkliche Atmosphäre des südlichen Louisiana im Fokus, wo die Zeit still zu stehen scheint. Untermalt von den langsamen Gitarrenklängen T Bone Burnetts beobachten wir die Einwohner bei ihrem einfachen Alltag zwischen Kirche und Bar und begleiten die beiden Cops immer wieder auf langen Autofahrten übers Land. Die verlassenen Gebäude und leeren Plätze, die sie dabei passieren, bringen wohl nicht nur Cohle auf den Gedanken, es handele sich mehr um die Erinnerung an eine Stadt als an eine tatsächlich lebendige Gemeinde - eine Erinnerung, die zudem langsam verblasse.

Der inhaltliche Ansatz von "True Detective" lässt an skandinavische Krimiserien wie "Kommissarin Lund" denken, wo sich eine Ermittlung über die ganze Staffel langsam entfaltet und dabei die Verstrickung von immer mehr gesellschaftlichen Institutionen offenbart. Die Optik erinnert hingegen an die US-Version von "The Bridge": Unerbittlich brennt die Sonne auf die Protagonisten und scheint Natur wie Gedanken zu verdorren. Kameramann Adam Arkapaw fängt nicht nur diese Atmosphäre höchst kunstvoll ein, sondern durchbricht zudem mit optischen Effekten, die Cohles Wahrnehmungsstörungen visualisieren, immer wieder die realistische Erzählebene. Während HBOs neues Aushängeschild auf handwerklicher Ebene heraussticht, bleibt es inhaltlich noch ambivalent: Die Charaktere, vor allem Cohle, sind interessant und dessen philosophische Monologe heben die Serie von der Dutzendware anderer Ermittlerserien ab. Andererseits ist nichts an der Story wirklich neu oder originell und der Fall selbst schreitet zu behäbig voran, um zu packen. Hinter der schillernden Oberfläche ist "True Detective" nach drei Folgen noch eine im Grunde recht konventionelle Kriminalgeschichte. Ob die Serie wirklich der Meilenstein wird, als den viele sie schon jetzt sehen, wird davon abhängen, wohin sich der Fall entwickelt - und ob das Konzept auch mit neuen Darstellern überzeugen kann, wenn McConaughey längst zum nächsten Projekt weitergezogen ist.


Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Episoden von "True Detective".


Quelle
http://www.wunschliste.de/serienpreview/truedetective





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01.03.2014 13:37
#31 RE: Serienprewievs : Helix Zitat · antworten

Helix



Das Forschungsteam um Alan Farragut (Billy Campbell, m.r.) versucht einen Virenausbruch zu bekämpfen.


Eine Forschungsstation in der Arktis, ein Virus geht um. Zwei Männer liegen tot am Boden, ein dritter röchelt noch, irgendwas zappelt unter seinem Adamsapfel. Zwei Tage später sitzt ein smarter Mann vom Militär im Büro der "Centers for Disease Control and Prevention" in Georgia, also jener Behörde, die in den USA vor allem für Krankheitsprävention zuständig ist. Dr. Alan Farragut, Koryphäe auf dem Gebiet der Seuchenbekämpfung, soll vor Ort nach dem Rechten schauen. Warum gerade er? Nun, der röchelnde Dritte ist sein Bruder. Nach seiner Ankunft muss Farragut vermuten, dass der Chef der Station, Dr. Hatake, nicht die Wahrheit sagt. Und das Virus? Es verbreitet sich, indem Infizierte pechschwarzen Schleim in anderer Leute Münder rotzen.

Keine Frage: Das ist ein lupenreiner B-Film-Plot, den der Syfy-Kanal hier auf die Fernsehwelt loslässt. Normalerweise würde man so etwas in einem mittelkurzen Guilty-Pleasure-Reißer aus dem unteren Videothekenregal erwarten, doch Syfy hat eine Serie daraus gestrickt, die zunächst einmal auf 13 Folgen angelegt ist. Erdacht hat "Helix" ein Newcomer namens Cameron Porsandeh. Als einer der ausführernden Produzenten fungiert Ronald D. Moore, jener Mann, der Syfy vor einer Dekade mit der "Battlestar Galactica"-Neuauflage den bis dato einzig relevanten Serien-Hit bescherte.

Die Verbindung "alter Hase" vs. "junges Talent" klingt gut, doch "Helix" geht, das zeigt sich schnell, keine wirklich neuen Wege: Die Ansteckungsparanoia aus Infektionsfilmen wie "Outbreak" wird mit der klaustrophobischen Stimmung kombiniert, die Filme mit isolierten Schauplätzen zu eigen ist: Raum- oder Geisterschiffe, Ölbohrinseln - oder eben Forschungsstationen im ewigen Eis, die am Tag nur eine Stunde lang per Satellit Kontakt zur Außenwelt haben. So wie hier.

Der Pilotfilm, der aus zwei ineinander übergehenden Folgen ("Pilot" und "Vector") besteht, bringt zunächst Ernüchterung: Nach dem eingangs beschriebenen, blutigen Kaltstart werden die Hauptfiguren denkbar schematisch eingeführt: Farragut selbst ist der projektierte Star der Serie, sein Darsteller Billy Campbell der prominenteste im Cast. Das langjährige Seriengesicht ("Noch mal mit Gefühl", "The Killing") ist mit Mitte Fünfzig offenbar knarzig und faltig genug, um als seriöser Wissenschaftler durchzugehen. Das macht er sehr solide, auffällig ist jedoch, dass er nahezu ausschließlich im rauen Flüsterton kommuniziert: Soll das charakterliche Tiefe simulieren?

Nötig wär's, denn Farraguts Beziehungen zum Rest seines Teams sind pures Klischee. Zum Pol fliegt mit ihm natürlich seine Ex-Frau Dr. Julia "Jules" Walker, eine katzenhafte Brünette, die Kyra Zagorsky optisch zwischen Sandra Bullock und Sahra Wagenknecht verortet. Walker hat Farragut vor Jahren verlassen - und zwar für Farraguts Bruder, den Infizierten. An ihre Stelle scheint derzeit Farraguts junge Mitarbeiterin Dr. Sarah Jordan zu treten. Das zumindest lassen die bewundernden Blicke vermuten, die sie dem Chef zuwirft, als dieser eingangs einen schmissigen Proseminar-Vortrag vor den Untergebenen hält (Einführung in die Epidemiologie, quasi). Jordan (gespielt von Jordan Hayes) definiert sich als ehrgeizige, beflissene Durchstarterin über ihre wissenschaftlichen Titel und Auszeichnungen, die sie gegen den Vorwurf in Stellung bringt, nur wegen ihrer Looks schon als Mittzwanzigerin in ihre gehobene Positionen gerutscht zu sein. Im Grunde ist sie ein Rip-Off von Cameron aus "Dr. House". Der Nährboden für Eifersüchteleien der beiden Frauen um Farraguts Gunst ist per Seifenopernkonstruktion also bereitet.

Hinzu kommt nun der obligatorische, für Comic Relief zuständige Sidekick: Die drall-derbe Catherine Lemieux spielt Dr. Boyle, eine taffe Tierärztin, die in der deutschen Fassung garantiert von Regina Lemnitz synchronisiert werden wird, der deutschen Stimme von Whoopi Goldberg und Kathy Bates. Des Weiteren gibt es den dunkelmächtigen Widerstand, auf den Farragots Team trifft: Das ist vor allem besagter, im Dienst einer Pharmafirma stehender Stationsleiter Dr. Hatake, gespielt von Hiroyuki Sanada, Hollywoods Mann für zwielichtige Japaner (z. B. in der letzten "Lost"-Staffel). Er verhält sich nur bedingt kooperativ und hat, wie sich dem Zuschauer bald enthüllt, ein Geheimnis: Wenn er seine Kontaktlinsen herausnimmt, leuchtet es giftig gelb aus seinen Augen! Ein Alien? Ein Roboter? Die Serie macht also nicht nur in Science- und Pharma-Horror, sondern auch in Mystery. Angeblich existiert diesbezüglich ein übergreifender Handlungsbogen, der für mehr als eine Staffel Futter hat. Hatakes Scherge ist, scheint's, Major Balleseros, ein viriler Militär (Mark Ghanimé). Er holt Farraguts Team an den Nordpol und verwirrt den Zuschauer, indem er einerseits als knallharter Vollstrecker auftritt und offenbar um Hatakes Geheimnis und unbekannte Hintermänner weiß ("die Leute, für die wir arbeiten..."), andererseits aber auch Dr. Boyle und Co. zu Diensten ist. Warum wechselt er die Seiten? Hat er eine eigene Agenda?

Ein B-Film-Plot, wie gesagt. Neben den Charakterschablonen stören auch die Dialoge. Sie bestehen meist daraus, dass Figuren hinweisende, erklärende, beschreibende Sätze äußern - und mehr nicht. Echtes Leben hat bislang noch keiner der Protagonisten entwickeln können, Dr. Hatake immerhin verbreitet, wenn er da vor seiner Wand aus ledergebundenen Büchern sitzt (wer die wohl alle in die Arktis geschleppt hat?) und unergründlich ins Eis starrt, einen dezent bedrohlichen Dunkelcharme.

Taugt denn nun der Rest? Eins ist sicher: Es wird besser. Nicht nur sorgt der kontrastive Einsatz von sonnigen Burt-Bacharach-Hits aus den Sixties für Unbehagen im klinischen Laborszenario. Auch gelingt es den Machern z. B. ganz gut, die Forschungsstation als klaustrophobischen Raum zu entwickeln. Dieser scheint aus ziemlich vielen, ins Eis gestampften Stockwerken zu bestehen, verbunden durch viele, enge Korridore. Zweitens erweist sich der Infektions-Horror als überraschend effektiv: Die Ansteckungsmethode selbst (pechschwarzer Schleim muss in fremde Körperöffnungen gelangen) segelt schön eklig in David-Cronenberg-Fahrwasser, spielt also auf bewährte Weise mit der puritanischen Angst des US-Publikums vor allem Sexuellen. Auch schwarz vermoderte Skelette im Leichensack sind nichts für Zartbesaitete. Die Infizierten werden bald zu rasenden Bestien, die durch die Gänge irrlichtern wie die High-Speed-Untoten des neueren Zombiefilms. Tricktechnisch überzeugt das mehr als das würmchenförmige, nanometerwinziger Virus selbst, das einmal dabei gezeigt wird, wie es sich wildwuchernd und blitzschnell zu einem schwarzen Riesengebilde verzweigt.

Drittens wird spätestens ab Episode drei heftig an der Paranoiaschraube gedreht: Bald weiß niemand mehr, wer infiziert ist und wer nicht. Was ist ein Symptom und was nicht? Warum hat Jordan eine lange Narbe über ihrer Wirbelsäule? Unter Tage macht sich Massenpanik breit. Lange beruhigen sich Walker und Jordan mit einem angeblich verlässlichen Test, doch am Ende stellt sich der als falsch heraus. Walker will Alarm schlagen (die Falschen sind in Quarantäne! die Infizierten laufen frei herum!), doch da hat schon jemand den Satelliten in die Luft gesprengt. Das ist schon ziemlich spannend.

Dennoch reißt "Helix" auch inszenatorisch nicht zu Jubelstürmen hin. Von einigen desorientierenden Jump Cuts und einem schönen Helikopterflug über den Nordpol abgesehen, kommt die Serie optisch zu gelackt daher, das ständige Oberlicht erinnert ungut an Mystery-Serien aus den Neunzigern.

Wenn es Porsandeh, Moore und Co. jedoch gelingen sollte, ihren Figuren mehr Fleisch und Seele anzudichten und sich dabei weniger auf die Seifenoper-Klischees als auf die Science- und Mystery-Elemente zu konzentrieren (Was ist der "White Room"? Wovor flohen die toten Affen draußen im Eis?), dann könnte aus "Helix" noch eine angemessen mitreißende Sache werden. Aber nur, wenn.


Quelle http://www.wunschliste.de/serienpreview/helix





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01.03.2014 13:41
#32 RE: Serienprewievs : Intelligence Zitat · antworten

Intelligence



Taffes Dreiergespann: Lilian Strand (Marg Helgenberger, l.), Riley Neal (Meghan Ory, m.) und Gabriel Vaughn (Josh Holloway, r.).


Josh Holloway - das ist vor allem Sawyer aus "Lost". Dieser blonde Biker-Typ im Don't-Mess-With-Me-Modus, meist relaxt an irgendeiner Palme lehnend, Bücher lesend und trotzdem rüde. Im Gegensatz zu Holloways Post-"Lost"-Filmrollen in Flops wie "Paranoia" oder "Battle of the Year" blieb das im Gedächtnis. Nebenher war Holloway auch lange als Model tätig - halbnackt tollte er im Meer herum für Herrenduftreklamen. "Intelligence" nun, neu auf CBS, versucht beide Holloway-Images abzurufen: Schon in der Pilotepisode darf er seinen aus "Lost" patentierten Running Gag neu auflegen und mit zusammengebissenen Zähnen fluchen: "Son of a bitch!" Das war damals bei ABC der Gipfel aller Gossensprache und wurde entsprechend häufig ins Dialogbuch geschrieben. Außerdem gibt's in "Intelligence" pro Folge mindestens einen Oben-ohne-Shot von Holloway, mal leicht betucht aus der Dusche schreitend, mal frustig gegen den Boxsack dreschend: Auch mit Mitte Vierzig ist der Mann gut in Schuss. Leider endet da schon alles, was man an Interessantem über dieses Action-Abenteuer-Spionage-Sci-Fi-Cyberpunkdrama vermelden könnte. "Intelligence" ist deutlich um Holloways Persona herumgestrickt worden, lässt es dabei jedoch in jeder Hinsicht an Originalität vermissen.

Verantwortlich für die Serie ist Michael Seitzman, der vor acht Jahren das 'Oscar'-nominierte Charlize-Theron-Drama "Kaltes Land" schrieb und danach nichts Relevantes mehr. Jetzt kehrt er zurück mit einer Serie, die lose auf dem eben erst veröffentlichten Roman "Phoenix Island" von John Dixon basiert und nichts weniger ist als der feuchte Traum von NSA und GCHQ: Holloway spielt Gabriel Vaughn, der mal für die Delta Force in Afghanistan und im Irak unterwegs war und jetzt die neue superheiße Waffe des US-Geheimdienstes ist. Gabriel trägt ein Chip-Implantat im Kopf, das es ihm ermöglicht, sekundenschnell auf sämtliche ihn umschwirrende digitale Netzwerke, Funkübertragungen und virtuelle Datenbanken zuzugreifen. Damit kann er Gebäudepläne visualisieren, Infrarot erkennen, Bluetooth empfangen, durch Maschinengewehrsucher anderer Leute blicken und quasi als personifizierte Schufa die geheimsten Akten von Privatpersonen durchblättern. Außerdem kann er so etwas wie Flashbacks "rendern", also Tatorte virtuell durchwandern. Gabriel ist, anders gesagt, die digitale Variante des Sechs-Millionen-Dollar-Manns, ein Psycho-Superman, ein 007 mit NSA-Anschluss.

Gut, "Intelligence" ist sicher konzipiert worden, bevor Edward Snowden im letzten Juni das groteske Ausmaß unser aller Überwachung enhüllte. Dennoch hätte man sich zumindest einen kurzen Verweis oder Kommentar oder ironischen Seitenhieb zum Thema wünschen können, doch nichts da: Die Serie feiert Gabriels Fähigkeiten und den Spitzel-Anspruch der US-Geheimdienste (wohlgemerkt: nur der US-Geheimdienste!) ohne jeden Bruch, ein Vorgehen, das selbst dann irritiert, wenn man anerkennt, dass hier halt affirmatives Spionagepersonal im Mittelpunkt steht.

Der Geheimdienst, um den es hier geht, ist das US Cyber Command. Deren Direktorin ist Lilian Strand, eine taffe No-Bullshit-Person, eisig verkörpert von der "CSI"-gestählten Marg Helgenberger. Strand holt in der ersten Folge das bezopfte Karrieremädchen Riley Neal an Bord, gespielt von der außergewöhnlich attraktiven Meghan Ory, die neulich noch das Rotkäppchen in "Once Upon a Time" war. Rileys Auftrag: Gabriel beschützen. Als Stichwortgeber und Datenbeschaffer tritt in der zweiten Episode noch Chris Jameson hinzu, gespielt vom ebenso attraktiven Michael Rady (Dr. Barnes aus "Emily Owens") - eine Null-Figur, die außer Schlips und Kragen keine einzige charakterliche Eigenschaft aufweist. Direkt von der Klischeestange kommen auch Vater (Shenandoah) und Sohn (Nelson) Cassidy, zwei nerdig bebrillte Wissenschaftler und Katzenliebhaber im pantoffeligen Tweed-Look, die im ultrageheimen "Clockwork Project" den Chip entwickelten und Gabriels Aufträge begleiten. Als kuriose Figuren müssen sie für das herhalten, was Seitzman und Co. für Comic Relief halten. John Billingsley (Dr. Phlox aus "Star Trek - Enterprise") und P.J. Byrne machen das zwar ganz gut, gegen die hölzernen Dialoge haben sie trotzdem keine reelle Chance. "Fringe"-Star Lance Reddick spielt als CIA-Boss eher eine Nebenrolle.

Ein nicht geringer Teil der ersten Folgen wird darauf verwendet, immer und immer wieder zu wiederholen, was für eine geniale Waffe Gabriel Vaughn ist, und das wirkt so, als trauten die Macher ihrer Konstruktion selbst nicht: "Andere Nationen würden einen Krieg anzetteln, um ihn zu besitzen!" heißt es, er sei das "wertvollste Stück Technologie", "wichtiger als der Präsident" (sagt der Präsident persönlich!), und bewundernd wird erläutert, dass endlich mal nicht versucht worden sei, Künstliche Intelligenz menschlicher zu machen, sondern einen Menschen zur Maschine: Gabriel ist RoboCop fürs digitale Zeitalter. Allen Ernstes hört man dann Lilian Strand in jedem Vorspann die Vorzüge Gabriels aufs Neue rekapitulieren: Man wohne hier der "next evolution of intelligence" bei. Wobei "intelligence" natürlich "Geheimdienst" heißt. Brrrr.

Will man das? Man muss es wohl. Und "Intelligence" geht plotmäßig von Anfang an so sehr in die Vollen, dass das nur nach hinten losgehen kann. Jede der drei ersten Folgen gibt sich als Endspiel. Auch wenn die erwartbare Dramaturgie (Gabriel muss pro Episode mit seinen Cyber-Rendering- und Virtual-Snapshot-Fähigkeiten einen Auftrag übernehmen) sofort klar wird, geht es ausschließlich ums grundlegend Existenzialistische: Im Piloten wird Vater Cassidy entführt und gezwungen, der Chinesin Mei Chen einen zweiten, noch perfekteren Chip zu implantieren. In Episode zwei wird erst mühsam Gabriels großes Trauma aufgefächert (dass nämlich seine Frau vor einiger Zeit als Undercover-Agentin die kaschmirische Terroristengruppe Laschkar-e-Taiba infiltrierte und dabei wohl die Seiten wechselte), und während man noch denkt, dass das ja eine akzeptable Grundlage für einen staffel- oder gar serienübergreifenden Handlungsbogen werden könnte, implodiert das Ganze schon im überstürzten Finale eines Plots, der um unentdeckbare Selbstmordattentäter kreiste. Wer nun denkt, dass Gabriel etwas Ruhe bräuchte, geht fehl, denn obwohl er seinen Status als "government property" kritisch sieht und zum Tequilasaufen nach Mexiko fährt, wartet schon der nächste Endkampf: Chip-Kollegin Mei Chen ist wieder da. In kürzester Zeit ist sie zur Killermaschine der bösen Seite (sprich: der Chinesen) mutiert, und mit Gabriel möchte sie zu "Adam und Eva" einer neuen Spezies werden. Klappt natürlich nicht.

Wer will, kann jetzt abwarten, ob das alles in diesem überhitzten Letzte-Dinge-Modus weitergeht oder ob sich der Plot bald in übliche Procedural-Routine abkühlt. Darin befindet sich der Rest der Serie ja schon von Anfang an: Kompetenzstreitigkeiten im Geheimdienst, eine mögliche Liebschaft zwischen Gabriel und Riley, konspirative Treffen auf Parkbänken am See, mal explodiert eine Bombe, mal gibt's eine Prügelei im Fahrstuhl, dann eine Schießerei im Hinterhof. Doch trotz all der pflichtschuldig eingestreuten Action-Nummern und Last-Minute-Rescues kommt "Intelligence" nicht aus den Startlöchern. Vor allem mangelt es an Spannung: Zu egal sind einem die Figuren, zu öde sind die Bösewichter. Es fehlt an Witz, es mangelt an Charme.

Hinzu kommt die visuelle Darstellung Gabriels "seherischer" Fähigkeiten. Da schwirren dann irgendwelche Screens, Statistiken und Karteikarten vor Josh Holloways starrenden Augen umher, mal erinnert das an die Optik aus "TRON", mal an "Matrix", meist jedoch eher an ausgelutschte Hacker-Krimis, auf jeden Fall sieht nichts daran so revolutionär aus, dass es die permanente Hyberbolik der das alles beschreibenden Dialoge rechtfertigen würde. Ganz abgesehen also davon, dass es günstigere Zeitpünkte gegeben hätte, eine Serie am Bildschirm zu etablieren, die sich in der hemmungslosen Feier amerikanischer Spitzeldienste ergeht, könnte "Intelligence", falls nicht noch sehr Entscheidendes geschieht, vor allem an der Langeweile scheitern, die Look, Figuren und Plot verbreiten.


Quelle http://www.wunschliste.de/serienpreview/intelligence





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01.03.2014 13:44
#33 RE: Serienprewievs : Black Sails Zitat · antworten

Black Sails



Ein Teil der Besatzung der Walrus mit Captain Flint (Toby Stephens, 2.v.l.) und John Silver (Luke Arnold, r.).


Manchmal ergeben sich in der Popkultur merkwürdige Gleichzeitigkeiten: Während die österreichische Indieband Ja, Panik im Januar 2014 ein Album herausbrachte, das nach Libertatia, der angeblich von Piraten auf Madagaskar gegründeten ersten Demokratie der Neuzeit, benannt ist, startete fast zeitgleich in den USA eine TV-Serie, die sich einem ganz ähnlichen Thema widmet. Denn gleich in den ersten, um 1715 spielenden Folgen von "Black Sails" diskutieren die Protagonisten um Captain Flint in ihrem Heimathafen auf der karibischen New Providence Island, ob man sich nicht besser einen abgelegenen Flecken Land suchen soll, um eine Nation von Gleichen zu gründen. Das harte Seeräuberleben aufgeben und stattdessen anfangen, Felder zu bestellen, heimisch zu werden - ein schöner Traum. Aber schnell kommen die Einwände: Lassen sich aus Banditen wirklich so leicht Bauern machen? Und vor allem: Würden nicht sofort sämtliche Armeen großer Staaten aufbrechen, um sich das neue Land einzuverleiben? So bleibt vorerst doch nur die Rückkehr aufs Meer, die Suche nach dem nächsten Schatz.

Solche politisch-sozialphilosophischen Diskussionen erwartet man nicht gerade von einer Serie, an der Michael Bay als Executive Producer beteiligt ist. Der Regisseur und Produzent ist vor allem durch Actionkracher wie "Armageddon" oder die "Transformers"-Filme berühmt-berüchtigt. So könnte man vermuten, auch bei seinem Serienprojekt handele es sich um eine vordergründige Angelegenheit, die hauptsächlich auf Schlachten und ähnliche Schauwerte setze. Tatsächlich beginnt die Pilotfolge auch gleich mit dem Entern eines Handelsschiffs und blutigen Gefechten, die allerdings technisch recht bescheiden wirken. Hier war eindeutig zu viel billige CGI im Spiel. Danach konzentrieren sich die Autoren um Jonathan E. Steinberg und Robert Levine jedoch weitgehend auf die Etablierung ihrer Charaktere und deren komplexe Beziehungen zueinander. Da ist zunächst einmal der Kommandant der Walrus, Captain Flint (Toby Stephens), dessen Autorität jedoch von seinen Männern in Frage gestellt wird. Insbesondere sein erster Offizier Singleton, ein furchteinflößender Kerl mit entstelltem Gesicht, empfindet ihn als zu weich und will ihn selbst ablösen. Für zusätzliche Unruhe sorgt John Silver (Luke Arnold), ein junger Schönling, der von der Crew des gekaperten Schiffs zur Walrus stößt und dessen Motive im Unklaren bleiben. Jedoch ist er im Besitz einer entscheidend wichtigen Seite aus dem Logbuch des Handelsschiffs, die schon bald zum umkämpften Objekt wird, weist sie doch den Weg zu einer gesunkenen, mit Schätzen bestückten spanischen Galeone. Wem die Namen bekannt vorkommen: Das ist kein Zufall, soll die Serie doch die Vorgeschichte von Robert Louis Stevensons Romanklassiker "Die Schatzinsel" erzählen, was bisher aber über einen Insider Joke hinaus noch keinen dramaturgischen Mehrwert liefert.

Das Figurenensemble verdoppelt sich, als die Walrus auf New Providence Island einläuft, einer paradiesisch anmutenden Enklave, die als Zufluchtsort der Piraten dient. Hier führt die resolute Eleanor Guthrie (Hannah New) das Regime, stellvertretend für ihren Vater, den britischen Gouverneur der Bahamas. Der dient längst nur noch vordergründig der Krone, unterstützt in Wahrheit aber die Seeräuber, deren Beute er verkauft. In gewisser Weise ist der Inselhafen schon jetzt eine frühe Form der sozialen Utopie, die Flint vorschwebt: Die Piraten leben hier nach eigenen Gesetzen, ohne Einfluss des Mutterlandes. Und diese Gesetze gelten für alle Männer gleichermaßen, auch für Schwarze, die woanders versklavt würden. Auch auf den Schiffen der Renegaten gilt die Regel "Ein Mann, eine Stimme" und der Captain hat nur solange die Macht, wie er die Mehrheit seiner Besatzung hinter sich weiß.

So entpuppt sich "Black Sails" schnell als erstaunlich ambitioniertes Gesellschaftsporträt, das viel mehr character driven als action driven ist. Zwar wirken die schier endlosen Dialoge manchmal etwas ermüdend, aber es fasziniert schon, ein so detailliertes Bild einer vergangenen Epoche gezeichnet zu bekommen. Verglichen mit anderen aktuellen Serienbearbeitungen historischer Stoffe kann die historische Genauigkeit durchaus überzeugen. Natürlich sprechen auch hier alle Figuren Englisch, aber zumindest mit unterschiedlichsten Akzenten, was die Sache glaubwürdiger macht als etwa bei den "Musketeers" der BBC, wo alle Franzosen lupenreines Oxford-Englisch reden. Weniger gelungen sind leider die Kulissen, denen man ansieht, dass sie aus Kostengründen überwiegend am Computer erstellt wurden. Auch die Hafenstadt wirkt eher wie ein Studionachbau als on location gedreht. Für Schauwerte sorgen stattdessen brutale Kämpfe und zwischen heftig und übertrieben schwankende Sexszenen - immerhin sind wir hier im US-Pay-TV. Rundum gelungen ist der Musikscore, für den man mit Bear McCreary ("Battlestar Galactica", "The Walking Dead") den derzeit wohl angesagtesten Komponisten für TV-(Genre-)Serien gewinnen konnte. Der ruft schon mit der Titelmelodie Assoziationen zu Toten Manns Kisten und Buddeln voll Rum auf.

Bisher hatte der Bezahlsender Starz mit seinen eigenproduzierten Serien - abgesehen von "Spartacus" - nicht allzu viel Glück. Ob das Politdrama "Boss" oder die 1950er-Jahre-Mafia-Serie "Magic City": Vieles schien bei den Vorbildern HBO oder AMC abgeschaut, wirkte eher wie ein bemühter Abklatsch von Erfolgsserien wie "The Wire", "Die Sopranos" oder "Mad Men" als wie eine originelle Eigenschöpfung. Ausgerechnet mit diesem Piratenepos aus Michael Bays Produktionsschmiede scheint der Sender jetzt endlich auf gutem Weg, aus dem Schatten der Branchenprimen zu treten. Auch wenn die Serie qualitativ noch weit von ähnlich angelegten Epen wie "Game of Thrones" entfernt ist, die Mischung aus langatmiger Exposition und plötzlichem Beischlaf oft noch zu beliebig wirkt, hat sie doch ein originelles Konzept mit großem Potential. Um das auszuschöpfen, müssten die Autoren die einzelnen Elemente nur noch etwas besser ausbalancieren.


Quelle http://www.wunschliste.de/serienpreview/blacksails





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17.04.2014 16:09
#34 RE: Serienprewievs : Die Bibel Zitat · antworten

Serienpreview: "Die Bibel"



"The Bible"

Bild: History Channel



VOX legt seinen Zuschauern über die Feiertage ein ganz besonderes Osterei ins Nest. Die Miniserie "Die Bibel" war im vergangenen Jahr in den USA der Überraschungserfolg schlechthin. Das deutsche Publikum bekommt nun innerhalb von drei Tagen alle zehn Folgen am Stück zu sehen - jeweils Gründonnerstag, Karfreitag und Ostersamstag ab 20.15 Uhr. Ob sich jedoch auch hierzulande gigantische Quoten erzielen lassen, erscheint ohne Bible Belt eher fraglich.

Für den amerikanischen History Channel hatte es sich jedenfalls gelohnt, zum Einstieg in die Produktion fiktionaler Serien die klassischen Bibel-Geschichten noch einmal aufzubereiten. Mit durchschnittlich 11,36 Millionen Zuschauern lag "The Bible" unter den meistgesehenen Programmen des US-Kabelfernsehens 2013 nur hauchdünn hinter "The Walking Dead". Keine andere US-Serie der vergangenen fünf Jahre hat sich so oft auf DVD verkauft.

Dabei erhielt das Historiendrama im Vorfeld kaum mediale Aufmerksamkeit. Jene US-Medien, die sich im Allgemeinen mit Fernsehserien beschäftigen, reagierten mit schlechten Kritiken - oder ignorierten die Serie völlig. Vermutlich, weil die Produktion von heutigen Quality-TV-Maßstäben, die Serien wie "Breaking Bad" oder "House of Cards" setzen, denkbar weit entfernt ist. Auf viel zu oberflächliche Weise werden die komplexen "Bibel"-Themen etappenweise abgehakt, in der altbackenen Inszenierung regiert vor allem der Pathos. Die früheren Monumentalschinken über die Bibel hatten sich ähnlicher Mittel bedient.

Dass mittlerweile weltweit mehr als 100 Millionen Menschen die einzelnen "Bibel"-Folgen gesehen haben sollen, unterstreicht die Vermutung, die Zielgruppe bestehe weniger aus Serienjunkies, sondern vor allem aus streng gläubigen, bibelfesten Christen, die nur selten den Weg ins Kino finden oder gar auf die Idee kommen würden, sich mit "Game of Thrones" oder "The Walking Dead" zu beschäftigen.

Obwohl die Miniserie von der Arche Noah bis zur Auferstehung Jesu kaum ein Thema ausspart, wurde angesichts des lukrativen Geschäfts mittlerweile eine zweite Staffel (Titel: "A.D.: Beyond the Bible") angekündigt. Das Produzentenpaar Mark Burnett und Roma Downey wechselt vom History Channel zu NBC, um ein noch größeres Publikum zu erreichen. Auf die Frage, was denn in Staffel 2 noch erzählt werden könnte, antwortete NBC-Unterhaltungschefin Jennifer Salke: "Man könnte denken, mit der Kreuzigung sei die Story auserzählt. Aber wie fast die ganze Welt weiß, war das erst der Anfang."


Quelle http://www.wunschliste.de/tvnews/m/serienpreview-die-bibel




Die Bibel



Die "Stars" der Bibel: Judas (Joe Wredden), Jesus (Diogo Morgado) und Maria (Roma Downey).


Mark Burnett ist ein rechtschaffener Reality-TV-Produzent, er steckt hinter "Survivor" und "The Voice". Seine Frau Roma Downey ist eine katholische Schauspielerin und war im CBS-Dauerbrenner "Ein Hauch von Himmel" jahrelang als Engel unterwegs. Gemeinsam haben sie eine Mission: Alle Menschen sollen die Bibel kennen! Natürlich, sagen sie, hätten sie dabei keine Indoktrination, sondern Bildungsförderung im Sinn: Ohne Kenntnis der Bibel, schrieben sie im März 2013 im Wall Street Journal, könne sich schließlich niemand gebildet nennen. Und überhaupt: Unser Wissen über die Antike sei wesentlich in der Bibel zu finden. Lasst das mal nicht die alten Griechen hören!

Wie wichtig sowohl das Alte als auch das Neue Testament für alle Teilbereiche der (westlichen!) Kultur waren und noch immer sind, darüber besteht kein Zweifel. Umso großartiger wäre es, wenn tatsächlich mal jemand eine kluge, interessante, spannende Verfilmung dieser grundlegenden Textsammlungen zustande brächte. Denn was wir bisher hatten, waren Monumentalfilme aus den 1950ern und 1960ern, ein New-Age-befeuertes Musical ("Jesus Christ Superstar") sowie eine 21-teilige Reihe von Bibel-Fernsehfilmen mit internationalem Cast, die in den 1990ern von der Kirch-Gruppe produziert wurde. Anspruchsvollere Projekte (etwa Pasolinis "Matthäus-Evangelium" von 1964) liefen am Mainstream stets vorbei.

Was aber Downey und Burnett für den amerikanischen History Channel zusammengestoppelt haben, zerstört schon in den ersten Minuten jede Hoffnung auf eine ernsthafte Beschäftigung mit der Heiligen Schrift: Die "komplette" Bibel in zehn dreiviertelstündigen Folgen wollen sie bieten. Fünf Episoden Altes Testament, fünf Episoden Neues Testament. Alles was man wissen muss, von der Schöpfung bis zur Offenbarung! Doch was man im History Channel womöglich für ein Bildungsprogramm halten sollte, entpuppt sich schnell als bloßes Propagandaunternehmen, als televisionärer Missionierungsversuch, an dem sich erwartbarerweise kein Star die Hände schmutzig machen wollte: Besetzt wurde "Die Bibel" mit meist britischen Darstellern aus der zweiten Reihe, nur Downey selbst ließ es sich nicht nehmen, als Jungfrau Maria (wer auch sonst?) aufzutreten. Sie und Burnett erklären den wenig prominenten Cast freilich damit, man habe bewusst auf Stars verzichtet, um nicht vom heiligen Kern der Geschichte abzulenken. Soso.

Was die Macher von ihrem Publikum halten, ist schon an den extensiven Vor- und Rückschauen in jeder Episode abzulesen. Endlose "Previously on"-Rückschauen und noch ausführlichere "Next time on"-Vorschauen vor und nach jeder neuen Episode nehmen einen beträchtlichen Teil der Spieldauer ein. Penetrante Binnen-Rückblenden und enervierende Wiederholungen der zentralen Dialogzeilen buhlen um das Dranbleiben noch der Gedankenlahmsten. Eine Serie als Exerzitium, ganz nah am Kommunionsunterricht.


Schon dieser Anfang: Da wird prospektiv im Eiltempo durch alles, was da noch kommen wird, durchgeskippt, von Gottes Schöpfung bis zu Jesu Tod am Kreuz. Schnell wird klar, welches Programm hier zu erwarten ist: Die Bibel ist in dieser fundamental-christlichen Sicht eine zielgerichtete narrative Einheit, verstanden als heilige Worte einer Richtinstanz. Kaltschnäuzig ignoriert wird somit die seit Jahrhunderten unstrittige Tatsache, dass beide Testamente das kompilatorische Werk einer Vielzahl von Autoren sind, die Bibel mithin eine Anthologie ist, an der vor ihrer Kanonisierung zahlreiche Menschen mit unterschiedlichen Agenden mitgeschrieben haben.

Auch die Darstellung Gottes erfolgt aus dezidiert christlicher Perspektive: Meistens hören wir nur die Stimme des Herrn aus dem Off (mit viel Hall!), doch mit Stammvater Abraham aber trifft er sich auch zum Pläuschchen. Sein Gesicht ist zwar nicht zu sehen, doch im Anschnitt sieht man sein jugendlich langes Haar wallen: Wenn das mal nicht Jesus Christus ist, der da spricht! Was wohl jüdische Zuschauer dazu sagen, deren Glaube sich bekanntlich ebenfalls auf das Alte Testament bezieht? Natürlich muss man von einer Bibel-Serie nicht zwangsläufig einen neutralen Blick erwarten, obwohl gerade das interessant wäre: eine Beschäftigung mit den biblischen Geschichten, die nicht ausschließlich durch die christliche Brille gefiltert ist. In "Die Bibel" aber verkünden schon die anfänglichen Titel, dass die Schrift hier beim Wort genommen wird: "Diese Serie versucht dem Geist der Schrift treu zu bleiben."

In diesem Verkündigungstonfall geht es dann weiter: Aus dem Off werden Politiker mit Bibelzitaten eingespielt, Keith David führt als Erzähler mit donnerndem Weihe-Pathos durch die Jahrtausende. Plötzlich steht Noah sturmgepeitscht auf seiner Arche und übernimmt armerudernd den Erzählerpart: Wem er da, im outrierenden Duktus eines Provinzbühnenmimen, die Schöpfungsgeschichte erzählt, den Giraffen oder den Affen, das bleibt ungeklärt und ist nicht weiter wichtig, da wir uns dann schon (schwuppdiwupp!) in der Abrahamsgeschichte befinden.

Ein weiteres Problem wird deutlich: Vom Anspruch, die "komplette Bibel" seriell aufzubereiten, kann keine Rede sein. Vielmehr haben wir es hier mit einer Art "Reader's Digest: Heilige Schrift" zu tun, die im Tempo des Gehetzten von Highlight zu Highlight springt und dabei kein dramaturgisches Konzept erkennen lässt: Die Schöpfungsgeschichte gibt's als Zeitraffer-Montage, nach Abraham und Isaak, Sodom und Gomorrha kommt direkt Mose, dann Josua, Samson und Delila, schließlich die Könige Saul und David. Warum zum Beispiel eine derart zentrale Erzählung wie die Josephsgeschichte außen vor bleibt und andere Erzählstränge (z. B. Ishmael) bedeutungsschwanger angerissen und dann fallengelassen werden, bleibt ein Rätsel. Auch die Geschichten der Episodenhauptfiguren (erste Folge: Abraham, zweite Folge: Mose, dritte Folge: Josua und Samson), werden allenfalls skizziert.


"Die Bibel" scheitert dabei auf zahlreichen Ebenen. Allein das Vorhaben, allegorische Bibelgeschichten als psychologisch-realistische Figurendramen erzählen zu wollen, kann einfach nicht gelingen - besonders grotesk zu besichtigen ist das in der Konstellation von Pharao Ramses und Mose, die hier als Familiendrama angelegt ist und sowohl von den grimassierenden Knattermimen als auch von papiernen Predigerdialogen ruiniert wird. In solchen Momenten wird deutlich, um wie viel ehrlicher da ein Trickfilm wie "Der Prinz von Ägypten" oder eben die alten Kino-Bibelschinken sind: Die nehmen die biblischen Geschichten als Steinbruch für (moralische) Genre-Erzählungen, Thriller, Dramen, Actionfilme, Komödien. Womöglich ist das das Vernünftigste, was man damit machen kann.

Vernunft jedenfalls ist in "Die Bibel" nicht gern gesehen, denn hier regiert die manipulative Lenkung, begleitet vom pompös-klebrigen Soundtrack mit Säusel-Gesang und Ethno-Getrommel. Wenn die Israeliten dem Roten Meer entronnen sind, wird am anderen Ufer "Freedom!" geschrien, und goldige Kinder, denen die Zahnpflege des 21. Jahrhunderts ins Gebiss geschrieben sieht, liegen sich lachend in den Armen, während am anderen Ufer Schuft Ramses brüllend am Strand steht. Dabei spricht man Bühnen-Britisch - selbst Fundamentalkatholik Mel Gibson war da schon weiter, als er die Protagonisten seines Torture Porn "Die Passion Christi" historisch akkurat Aramäisch sprechen ließ. Nicht so im "History Channel"! Hier metzeln Engel mit roter Kapuze (ethnisch markiert als Asiaten und Afroamerikaner) die fiesen Sodomiten und die Verteidiger Jerichos mit blutigem Schwert nieder, als solle ein wenig Splatter-Action aus Filmen wie "300" in die Serie importiert werden; und die protestantische Versagungsethik sorgt für eine pflichtschuldige Dosis Klemm-Erotik, wenn etwa Abraham schuldigen Blickes aus dem Lotterbett der Sklavin Hagar steigt (die sich darin befriedigt wälzt). "True to the book" ist hier praktisch nichts. Hauptsache, der Erlöser wartet am Horizont. Und das tut er.

Ende Februar ist in den USA ein Zusammenschnitt von "Die Bibel" ins Kino gekommen ("Son of God"), dabei wurde auch die Satans-Figur entfernt, die gelegentlich blaugesichtig durch die Szene stakst: Es hatte Vorwürfe gegeben, dass des Teufels Physiognomie an Barack Obama erinnere. Dass den Machern eine solche Perfidie überhaupt zugetraut wird, muss freilich nicht verwundern angesichts einer Serie, an der als "Berater" zahlreiche evangelikale Priester mitgewirkt haben. Von der amerikanischen Kritik jenseits der christlichen Special-Interest-Fraktion wurde "Die Bibel" weitgehend ignoriert, beim Bible-Belt-Publikum war die Serie dagegen ein Riesenhit. VOX legt sie nun seinen frommen Zuschauern ins Nest - ein besonders fauliges Oster-Ei.


Quelle http://www.wunschliste.de/serienpreview/diebibel





Carina
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06.05.2014 16:07
#35 RE: Serienprewievs : Die Bibel Zitat · antworten

Serienpreview: "24: Live Another Day"



"24: Live Another Day"

Bild: FOX



Jack Bauer ist zurück! Im Serienevent "24: Live Another Day " übernimmt Kiefer Sutherland vier Jahre nach seinem letzten Einsatz noch einmal die Rolle des wohl populärsten Actionhelden der Nuller Jahre. Das US-Network FOX hatte angesichts seines nur mäßig erfolgreichen aktuellen Serienangebots noch einmal zwölf neue Folgen in Auftrag gegeben.

Es sprach im Sommer 2001 nichts dafür, dass "24" einmal zur langlebigsten Agentenserie des US-Fernsehens werden würde. Bei FOX zweifelten zunächst viele an den Erfolgsaussichten der Idee von Serienschöpfer Joel Surnow, die Serie in Echtzeit zu erzählen - zumal damals eine episodenübergreifende Handlung noch die Ausnahme war. Die damalige FOX-Unterhaltungschefin Gail Berman setzte sich schließlich gegen interne Widerstände durch, in dem sie "24" als "Seifenoper für Männer" verkaufte, die nicht nur sporadisch, sondern Woche für Woche eingeschaltet werden würde.

Für die Rolle des Jack Bauer wurde zunächst ein älterer, witziger Darsteller vom Kaliber eines Bruce Willis gesucht. Doch die Verantwortlichen fanden schließlich Gefallen am Auftritt vom Kiefer Sutherland in einem (gescheiterten) Serienpiloten zum Kinofilm "L.A. Confidential". Die Figur des Superagenten wurde deshalb nüchterner und ernsthafter angelegt als zunächst geplant. Ein Erfolg war die erste "24"-Staffel in den USA allerdings nicht. Nach nur einem Jahr drohte bereits die Absetzung. Es gab zunächst Überlegungen, "24" als konventionelle Actionserie mit abgeschlossenen Episoden fortzusetzen, doch ein zu diesem Zweck angefertiges Drehbuch überzeugte niemanden. Gerade recht kamen dann der internationale Erfolg von "24" und die guten DVD-Verkaufszahlen.

Die Fangemeinde von "24" wurde Jahr um Jahr größer, doch im gleichen Atemzug nahm auch die Kritik zu. Während der zweiten Staffel protestierten beispielsweise muslimische Bürgerrechtsgruppen gegen ein "24"-Werbeplakat, auf dem eine arabische Familie unter dem Schriftzug "Sie könnten Deine Nachbarn sein!" gezeigt wurde. Wiederholt in der Kritik stand die Serie mit ihren vielen Folterszenen auch wegen der mutmaßlichen Glorifizierung illegaler Verhörmethoden. Doch weder seine Kritiker noch seine Verfolger konnten am unverwüstlichen Status des Actionhelden rütteln. Vier Jahre nach seiner Flucht vor der Justiz ist Jack Bauer nun in London gelandet...

Parallel zur US-Premiere startet "24: Live Another Day" heute Nacht um 2.10 Uhr auch auf Sky Atlantic HD und über den Abrufdienst 'Sky Go' im englischen Original. Am Abend sind auf dem Pay-TV-Kanal ab 21.00 Uhr die beiden ersten Folgen dann auch optional in der synchronisierten Fassung zu sehen.


Quelle http://www.wunschliste.de/tvnews/m/serie...ive-another-day




24: Live Another Day


von Marcus Kirzynowski



Jack Bauer (Kiefer Sutherland) ist wieder da: Diesmal verschlägt es den Einzelgänger nach London.


seit Jahren still zu stehen oder sich sogar ab und an um einige Jahre zurückzustellen. Während die wachsende Konkurrenz der Kabel- und Pay-TV-Sender jede Saison eine Fülle hochklassiger neuer Serien mit ungewöhnlichen Prämissen, vielschichtigen Figuren und innovativen erzählerischen Konzepten an den Start bringt, versuchen die traditionellen Mainstreamsender weiterhin, ihr schwindendes Publikum mit immer mehr des immer Gleichen bei der Stange zu halten. Und wenn ihnen nach der zwanzigsten Krimi- und dreißigsten Familien-Comedyserie gar nichts mehr einfällt, graben sie halt einfach die Konzepte wieder aus, die sich in der Vergangenheit schon einmal bewährt haben.

Kurz bevor NBC 2015 sein "Heroes"-Reboot startet, erlebt deshalb also auf FOX Jack Bauer alias Kiefer Sutherland sein "24"-Comeback, diesmal in Form einer "begrenzten Eventserie" - was immer das heißen mag. Denn natürlich haben sich alle Beteiligten schon mal das Hintertürchen Richtung Verlängerung offen gehalten, falls die Quoten das erlauben. "24: Live Another Day" ist also in Wahrheit nichts anderes als die neunte Staffel der Spionage-Actionserie, nur eben, den geänderten Marktgesetzen und der gewachsenen Vorsicht der Senderbosse angepasst, mit halbierter Staffellänge. Rein logisch müsste das Ganze deshalb auch "12: Live Another Half Day" heißen, aber das klingt natürlich nicht halb so gut. War ursprünglich noch die Rede davon, die Handlung würde sich wieder über 24 Stunden erstrecken, wobei einige Stunden zwischen den Episoden übersprungen würden, sind die Autoren letztlich nämlich doch dem Echtzeitprinzip treu geblieben, weswegen Bauer nun von 11 Uhr morgens bis 11 Uhr abends unterwegs ist.


Vier Jahre sind vergangen, seit der ursprüngliche Run der Serie nach 192 Folgen endete. Vier Jahre sind auch in der Serienrealität vergangen. Ex-Superagent Jack Bauer lebt im Untergrund, seitdem er bei seinen ehemaligen Auftraggebern von der US-Regierung endgültig in Ungnade gefallen ist. Als er plötzlich in London wieder auftaucht, hat er natürlich prompt die halbe CIA am Hals. Zumal gerade Präsident James Heller (William Devane) auf Staatsbesuch bei Premierminister Alistair Davies (Stephen Fry) ist. Seltsamerweise schöpft nach Bauers Festnahme im Londoner CIA-Büro nur die dickköpfige Agentin Kate Morgan (Yvonne Strahovski) Verdacht, Bauer könne vielleicht ganz andere Absichten haben - und das, obwohl seine einzige verbliebene Vertraute aus CTU-Zeiten, Chloe O’Brian (Mary Lynn Rajskub), gleich nebenan inhaftiert ist. Naja, Glaubwürdigkeit war ja noch nie die Stärke von "24".

Eine Explosion später sind Bauer und O’Brian wieder vereint und auf freiem Fuß. Die Computerspezialistin arbeitet inzwischen für eine politische Hackergruppe à la 'Anonymous' - deren Hauptquartier eher wie das Loft eines hippen Internet-Start-Ups in Berlin-Mitte aussieht -, denn "Geheimdienste tun böse Dinge und man muss die Welt darüber aufklären". Genau, vom Saulus zum Paulus, so einfach stellen sich Fernsehautoren in den USA manchmal das Leben vor. Bauer hat dafür nur ein Stirnrunzeln übrig, denn der wahre Feind steht natürlich immer (noch) außerhalb des westlichen Systems - ob diesmal in Russland, im Nahen Osten oder in China, werden wir dann sicher spätestens um 5.00 P.M., also nach der Hälfte der Folgen, wissen.

Falls jemand so lange durchhält, denn genauso antiquiert wie Bauers Weltbild wirkt auch die Inszenierung seines TV-Comebacks. Die Produzenten um "Homeland"-Koschöpfer Howard Gordon, Evan Katz und Manny Coto haben sich formal nichts, aber auch gar nichts Neues einfallen lassen: die Split-Screens, die Einblendungen der Digitaluhr, das dramatische Ticken - alles ist wieder da und sieht noch aus wie 2001 (bis auf den CTU-Klingelton, den sich damals Millionen Menschen auf ihr erstes Handy luden). Aber was damals innovativ war, wirkt heute nur noch wie ein lahmes Selbstzitat. Was auch wieder da ist, sind die Schießereien, die Explosionen, die Rettungen in letzter Sekunde, das atemlose Hetzen von einem Schauplatz zum nächsten. Der Auftakt der Staffel wirkt dadurch so abgedroschen wie der letzte James-Bond-Film "alter Schule" (der passender Weise "Die Another Day" hieß). Während aber die 007-Produzenten irgendwann gemerkt haben, dass ein Reboot längst überfällig war, ist Sutherland praktisch Pierce Brosnan in seiner Bond-Spätphase - nur ohne dessen Charme und Selbstironie. Jack Bauer ist der vielleicht letzte verbliebene Charakter im US-Dramafernsehen, der sich nie ändern wird, der auch mit knapp 50 Jahren noch unüberlegt alles auf eine Karte setzt und sich lieber eine Kugel einfängt als aufzugeben, der unbeirrbar vermeintlich den amerikanischen Traum verteidigt, den die US-Behörden selbst schon längst verraten haben - und dem dazu alle Mittel recht sind. Im wahren Leben wäre so einer der Erste, der über die Klinge springt. War Bauer kurz nach 9/11 vielleicht noch der richtige Seriencharakter zur richtigen Zeit, ist er 13 Jahre später nur noch ein Anachronismus - wie im Grunde die ganze Fortsetzung.


Ach ja, und dann ist da noch William Devane, dessen James Heller man schon aus früheren Staffeln kennt. Inzwischen ist Heller Präsident und leidet an einem frühen Stadium von Alzheimer. Und wie er nach dem Tod zweier britischer Soldaten in Afghanistan durch "friendly fire" einer US-Drohne mit seinem Stabschef Mark Boudreau (Tate Donovan) seine Rede vor dem Unterhaus probt, wie der erfahrene Politiker sich nicht eingestehen will, dass seine Demenz sein politisches Geschick längst zunichte macht, das ist dann zwischendurch tatsächlich mal eine berührende Szene, in der gutes Scriptwriting und gutes Schauspiel zusammenfinden. Was bei "24" mittlerweile so selten geworden ist, wie sich Russland und die USA in der wahren Welt einig sind.

Dieser Text basiert auf der Sichtung der ersten drei Folgen von "24: Live Another Day".


Quelle Marcus Kirzynowski © Alle Bilder: FOX http://www.wunschliste.de/serienpreview/24live





Carina
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08.08.2014 14:03
#36 RE: Serienprewievs : Vor dem Start: "The Originals" Zitat · antworten

Vor dem Start: "The Originals"



"The Originals": Die Urvampire kehren nach New Orlenas zurück

Bild: The CW



Die schon seit einigen Jahren anhaltende Vampirwelle ist immer noch nicht abgeebbt. Nach den Vorreitern "Twilight" und "Vampire Diaries" dachte sich das US-Network The CW, dass das Publikum reif für eine weitere Serie rund um die Blutsauger sei und schickte im vergangenen Jahr "The Originals" an den Start. Dabei handelt es sich um einen Ableger von "Vampire Diaries", in dessen Mittelpunkt die Familie von Niklaus 'Klaus' Mikaelson (Joseph Morgan) steht.

Der Hybrid aus Vampir und Werwolf kehrt in das französische Viertel von New Orleans zurück, das er vor Jahrhunderten mitaufgebaut hat. Hier trifft er auf seinen früheren Schützling Marcel (Charles Michael Davis), der die Stadt inzwischen beherrscht. Außerdem sind unter anderem auch Daniel Gillies als Klaus' Bruder Elijah und Phoebe Tonkin als Werwolf Haley Teil des Casts. Claire Holt übernimmt erneut die Rolle der Schwester Rebekah, die dem jungen Zielpublikum ebenfalls bereits aus "Vampire Diaries" bekannt ist.

Als Pilotfolge fungierte die "Vampire Diaries"-Episode "The Originals" (Folge 20 der vierten Staffel, deutscher Titel: "Stadt der Vampire"). Obwohl die Einschaltquoten in den USA eher mittelprächtig ausfielen, gab The CW direkt am Tag danach die Serienorder für das Spin-Off bekannt.

Sixx beginnt heute Abend um 20.15 Uhr mit der deutschen TV-Premiere von "The Originals". Die erste Staffel ist jeweils freitags auf dem Frauensender zu sehen. Anlässlich des US-Serienstarts hatten wir die Serie ausführlich vorgestellt.


Quelle http://www.wunschliste.de/tvnews/m/vor-d...t-the-originals




The Originals


von Gian-Philip Andreas


Nach vier Jahren und jeder Menge 'Teen Choice Awards' war die bei Fans attraktiver Blutsauger beliebte Fantasyserie "The Vampire Diaries (TVD)" reif für das erste Spin-Off. Als Kandidat für eine eigene Serie hatte sich seit einiger Zeit Niklaus 'Klaus' Mikaelson herauskristallisiert, jener sexy-verschlagene Hybrid aus Vampir und Werwolf, der in der zweiten "Vampire Diaries"-Staffel eingeführt und dann sukzessive zu einem Haupt-Antagonisten der Protagonisten Elena und Stefan aufgebaut worden war - nachdem sich Stefans Bruder Damon aus dieser Bösewichtsposition immer mehr entfernt hatte.

Klaus ist ein Original Vampire, was in der Mythologie der von Kevin Williamson ("Dawson's Creek") geschriebenen Serie (nach den Romanen von L. J. Smith) wohl ungefähr das ist, was Ice Cubes "Original Gangster" für den Gangsta-Rap war. Ein Urvampir also, mehr noch: der missratene Bruder einer ganzen Urvampir-Familie, die auch bei "TVD" immer wieder Thema war. Warum also aus Klaus' Sippschaft keine neue Serie zimmern? Während sich aber Williamson der Psychothriller-Serie "The Following" widmete, machte sich seine langjährige Co-Autorin und Produzentin Julie Plec ohne ihn ans Werk, um von den jahrhundertealten "Originals" zu erzählen.

Wie sie das tat, ist durchaus bemerkenswert. Zunächst nämlich platzierte sie das, was jetzt in abgeänderter Form als Pilotfolge gesendet wurde, als 20. Episode der vierten "TVD"-Staffel: Sie erzählte von Klaus' (Freund des Sprechens mit zusammengebissenen Zähnen: Joseph Morgan) Abreise aus Mystic Falls, zurück in seine frühere Heimat New Orleans, die er aus den Klauen eines anderen Vampirs, seines früheren Schützlings Marcel, befreien will. Diese sogenannte Backdoor-Pilotfolge kam beim Hochglanzsender The CW gut an; man gab grünes Licht, doch Plec veränderte den Fokus: Die "TVD"-Folge wurde in entscheidenden Teilen neu gedreht, neu montiert und vor allem: neu perspektiviert. Jetzt fungiert Klaus' moralisch weniger windiger Bruder Elijah (Daniel Gillies) als Protagonist und Off-Erzähler der Pilotfolge. Er reist dem ewig aus dem Ruder laufenden Bruder hinterher nach New Orleans und versucht sich als korrektive Instanz im sich anbahnenden, wechselnde Allianzen geradezu herausfordernden Mehr-Parteien-Krieg zwischen seiner Familie, dem Vampir Marcel und einem Hexenorden. Zumal ausgerechnet ein Werwolf-Mädchen namens Hayley (Phoebe Tonkin) ein Kind von Klaus erwartet.

Interessanterweise scheint sich die Perspektivverlagerung als Finte zu erweisen: Schon am Ende der ersten Episode rammt Klaus einen Dolch in den Leib seines Bruders (in der Mythologie der Serie ist das der Weg, Vampire in einen komatösen Todesschlaf zu versetzen), worauf dieser fürs Erste aus dem Haupt-Plot verschwindet. In Episode zwei reist ihre Schwester Rebekah (Claire Holt) an, um sich widerwillig an die Seite des vermaledeiten Klaus zu stellen, der den tiefschlafenden Bruder ausgerechnet an Marcel weitergereicht hat - im listigen Bemühen, das Vertrauen des Ex-Protégés zu erschleichen. Klaus heizt im Folgenden mit weiteren Intrigen den Konflikt zwischen Marcel und den Hexen an, um daraus - so darf man erwarten - am Ende selbst Profit schlagen zu könenn. Klaus und Rebekah kristallisieren sich dabei als Protagonisten heraus: ein zunehmend mephistophelisch agierender Schurke und seine Schwester, die zunächst ohne das Korrektiv auskommen müssen, das ihr Bruder eingangs verkörperte.

Wer ohne Kenntnis von "TVD" in diese "Originals" einsteigt, bekommt einen etwas ungelenken Crashkurs in der Serienmythologie verabreicht, der den eingefleischten Fans schwer retardierend vorkommen muss. Die Beziehungen zwischen Vampiren und Werwölfen und den Hybriden werden rekapituliert, außerdem die "Spielregeln" abgefrühstückt: Werwolfsbisse sind auch für Vampire tödlich, doch Hybridenblut kann das heilen, Urvampire können auch normale Vampire "unter Zwang stellen", und so weiter. Per Rückblende gibt es einen Exkurs in die mittelalterliche Vorgeschichte der "Originals", in die Zeit vor ihrer Pest-Flucht aus "Europa" (was hier quasi wie ein Land behandelt wird). In dieser und weiteren Rückblenden bietet die Theaterfundus-Akkuratesse der Kostüme und Perücken immer wieder Anlass zum unfreiwilligen Vergnügen. In dieser Vergangenheit liegt auch der Grund für den Zwist zwischen Marcel und Klaus: Als Sklavenjunge wurde Marcel durch Klaus von seinem Peiniger erlöst, dann quasi als Ziehsohn aufgepäppelt und zum Vampir gemacht. Als schließlich die Mikaelson-Geschwister aus New Orleans vertrieben wurden, schwang sich Marcel - ewiger Undank! - zum Führer der Stadt auf. Jetzt will Klaus seine Stadt zurück.

Man merkt schon: Würde man alles Vampireske und jeden Hexen-Voodoo aus der Story entfernen, hätte man ein Familiendramolett, das "Dallas" und "Denver-Clan" Konkurrenz machen könnte. Dem "TVD"-Brüderpaar Stefan/Damon entsprechen hier als Kain-und-Abel-Variante die geschwisterlichen Antagonisten Klaus und Elijah, die schon optisch mit Lederjacke beziehungsweise Anzug und Krawatte als denkbar gegensätzlich markiert werden. Rebekah hingegen muss ihre Position in diesem Gefüge noch finden.

Schauspielerisch ist das alles eher Graubrot mit Lipgloss: Die aus "TVD" importierten Morgan, Gillies, Holt sowie die permanent lolitahaft den Schmollmund schürzende Tonkin verlassen sich vor allem auf ihre glattgeschmirgelte Attraktivität und drapieren sich (der CW-Glamourdoktrin gemäß) cool in die schick-morbide Deko. Daniella Pineda als Chef-Hexe Sophie Deveraux und Leah Pipes als von Marcel begehrtes Bar-Girl Camille wirken etwas lebhafter, während Danielle Campbell als allmächtige Teeniehexe Davina eher für unfreiwillige Lacher sorgt, wenn sie in ihrer Dachkemenate beim visionären Action Painting mit den Augen rollt. Charles Michael Davis hat als charmanter Finsterling Marcel, der seine Mitvampire zu rauschenden All-You-Can-Eat-Partys einlädt, bislang noch die dankbarste Rolle.

"TVD"-Fans sind an diese Art cheesiness in Darstellung und Dialog längst gewöhnt, und "The Originals" wird sie, wenn die Erklärungseskapaden irgendwann überwunden sind, wohl nicht enttäuschen. Die Inszenierung sowohl der ausufernden Dialogszenen als auch der Actionsequenzen mit ihrem Pflichtanteil an Gore ist durchaus gelungen, und besonders zu loben ist dabei die Kameraarbeit, die den verwitterten Voodoo-Charme des French Quarter in New Orleans, zwischen Friedhof und Kolonialvilla, bei aller Klischeehaftigkeit sehenswert rüberbringt. Selbst Klaus' Werwolfsverwandlung kommt weniger abstrus daher wie neulich noch jene in "Hemlock Grove".

Wer indes einen Schritt zurücktritt und sich aus dem für die Serie als gesetzt gegebenen "TVD"-Kosmos entfernt, wird das gleiche Befremden teilen, zu dem schon all die anderen Blutsaugerdramen aus der florierenden Young Adult-Fantasywelt der letzten Jahre Anlass gaben. Ob nun "Twilight", "TVD" oder (mit Einschränkung) auch "True Blood": In dieser Welt sind die Schauergestalten der Romantik (Vampire, Werwölfe, Hexen) längst zu hohlen Chiffren mutiert, die mit einem immer gleichen Repertoire an Gesten und Sätzen ein verblüffend humorloses und spannungsfreies, künstliches Universum bevölkern. Selbst die blutigen Horrorszenen zielen nie auf den großen Schock ab, weswegen sie auch nicht nach den Regeln herkömmlicher Spannungsdramaturgien inszeniert werden. Sie gehören halt einfach zum Gesamtpaket dazu. Vampire und Werwölfe haben sich von ihren ursprünglichen Insignien - Capes, Reißzähne, Pelz - weit entfernt, sie könnten auch Gang-Mitglieder, Mafiosi oder Öl-Magnaten sein, um ihre Soap Operas um Rache, Ehre und Liebe untereinander auszuagieren. Deshalb besteht auch "The Originals" zu weiten Teilen aus Sequenzen, in denen sich die Akteure, wie von der eigenen Bedeutungslast berauscht, in raunendem Tonfall pathetische Sätze über "Macht" und "Loyalität", über "bonds" und "family", entgegenzischen. Sätze, in denen pausenlos von einer Leidenschaft die Rede ist, die man nie sieht, die aber als Teil der Mythologie von vornherein behauptet wird. Wer dieses merkwürdige Spiel mitspielt, der kann sich amüsieren. Der Rest steht daneben und schüttelt ratlos den Kopf.

Dieser Text basiert auf Sichtung der ersten drei Folgen von "The Originals".


Quelle http://www.wunschliste.de/serienpreview/theoriginals





Carina
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30.09.2014 14:33
#37 RE: Serienprewievs : Tyrant Zitat · antworten

Tyrant



Bassam Al Fayeed alias "Barry" (Adam Rayner, m.) kehrt zu seiner muslimischen Familie zurück.


Um "Tyrant", die neue Serie von "24"- und "Homeland"-Produzent Howard Gordon und "Hatufim"-Schöpfer Gideon Raff, lieferten sich die Kabelsender HBO und FX angeblich einen harten Wettstreit, aus dem letzterer schließlich als Sieger hervorging. Wenn man sich das fertige Produkt ansieht, kann man den Sender nur im Nachhinein bemitleiden, dass man das Projekt nicht der Konkurrenz überlassen hat: Man hätte sich ein künstlerisches Desaster erspart. Obwohl das Konzept vorab als potentielle Hitshow gehandelt wurde (nicht zuletzt wegen der großen Namen auf Autoren-, Produzenten- und Regieseite), deutet schon die Entstehungsgeschichte des Piloten darauf hin, dass am Ende nichts Gutes dabei herauskommen konnte. Auch wenn der Hollywood Reporter bei deren Schilderung sehr zurückhaltend blieb, lässt sich doch herauslesen, dass während der Dreharbeiten und bei der Vor- und Nachproduktion des Nahostdramas so ziemlich alles schief ging, was nur schief gehen kann. Der für die Auftaktfolge als Regisseur auserkorene mehrfache 'Oscar'-Preisträger Ang Lee machte schon vor Drehstart einen Rückzieher, Serienschöpfer Raff (der die Ursprungsfassung des Skripts schrieb) und Gordon, der gemeinsam mit "Six Feet Under"-Alumni Craig Wright die weitere Entwicklung übernahm, zerstritten sich offenbar über die zahlreichen Änderungen und die grundsätzliche Ausrichtung der Serie, bis Raff seinen Hut nahm. Man kann es ihm und Ang Lee nicht verdenken, denn was Gordon und Wright aus der grundsätzlich reizvollen Idee gemacht haben, spottet jeder Beschreibung.

Im Ansatz ist "Tyrant" eine jener Cultural-Clash-Geschichten zwischen Westen und (Nahem) Osten, die Gordon so liebt: Der seit Jahrzehnten in den USA lebende Arzt Bassam Al Fayeed alias "Barry" (Adam Rayner) kehrt (auf Druck seiner angloamerikanischen Ehefrau) in sein muslimisches Heimatland zurück, um der Hochzeit seines Neffen beizuwohnen. Dummerweise ist nicht nur Barrys Vater Khaled (Nasser Faris) der verblendete Diktator des fiktiven Staats Abbudin, sondern zudem sein Bruder Jamal (Ashraf Barhom) ein psychopathischer Tyrann. Das wird uns gleich in der ersten Szene ohne Fackeln präsentiert, in der dieser - offenbar zum wiederholten Male - eine Frau in deren Haus vergewaltigt, während seine Soldaten ihre Familie in Schach halten. Danach trifft Barry erst im Land ein und dann - eher distanziert - auf seine diversen Verwandten, derentwegen er seinerzeit ausgewandert ist. Parallel laufen die Vorbereitungen für die prunkvolle, aber von Terroristen bedrohte Vermählung auf Hochtouren. Am Ende des Piloten sind die jungen Leute zwar getraut, aber auch der Diktator einem Schlaganfall erlegen und dessen designierter Nachfolger Jamal schwer verletzt im Straßengraben gelandet (erzwungener Oralsex während der Autofahrt ist halt doch keine ganz so clevere Idee).

Die Absurdität dieses Cliffhangers erinnert nicht zufällig an klassische US-Primetime-Soaps wie "Dallas", wo der Oberbösewicht ja auch gerne mal angeschossen in die Sommerpause entlassen wurde. Mit "‘Dallas‘ im Nahen Osten" lässt sich die Machart von "Tyrant" nämlich wohl am besten beschreiben. Was vermutlich einmal als kontroverse Auseinandersetzung mit unterschiedlichen politisch-kulturellen Systemen (und eben deren Aufeinanderprallen) gedacht war, entgleitet unter Gordons Händen zu einem ideologischen Machwerk, das in seiner dumpfen Schwarz-Weiß-Malerei einfach nur ärgerlich ist: Muslime sind hier entweder Terroristen oder durchgeknallte Machtmenschen, die Frauen entweder Opfer oder Intrigantinnen, die keine Skrupel haben, für ihre psychopathischen Ehemänner die Beine breit zu machen, um ihr Luxusleben zu sichern. Der durch sein Studium in den USA mit "westlichen" Werten sozialisierte Barry ist hingegen der reflektierende Moralist, der mit all dem Wahnsinn im Grunde nichts zu tun haben will. Durch eine Rückblende in die Kindheit des ungleichen Brüderpaars soll die moralische Überlegenheit Barrys zwar gegen Ende des Piloten relativiert werden, das wirkt allerdings auch nur wie ein weiterer an den Haaren herbeigezogener Plot-Twist. Weder den Drehbüchern noch dem Darsteller Rayner gelingt es nämlich in den ersten drei Folgen, der Figur eine glaubwürdige Ambivalenz zu verleihen.

Wobei Glaubwürdigkeit ohnehin eine Eigenschaft ist, die man in dieser Serie vergeblich sucht. Das fängt mit der grundsätzlichen kreativen Fehlentscheidung an, dass alle arabischen Figuren immer Englisch sprechen - auch wenn gar kein Amerikaner zugegen ist. So hält dann selbst der Präsident seine flammenden Ansprachen ans Volk in gebrochenem Englisch - im Zeitalter bilingualer Kabelserien (die im Falle von "The Americans" oder "The Bridge - America" sogar auf demselben Sender laufen) ein Anachronismus. Aber auch auf der Handlungsebene ist "Tyrant" weitgehend absurd: Um die Bösartigkeit Jamals zu demonstrieren, reicht im Piloten nicht eine Vergewaltigung, nein, er muss auch noch seine künftige Schwiegertochter vor deren Hochzeitsnacht "entjungfern". Und Barrys Sohn kennt trotz des muslimischen Hintergrunds seines Vaters nicht einmal die Erwiderung auf den gängigen Gruß "Salem Aleikum".

Wichtiger als ein solches Detail scheint den Produzenten zu sein, dass der Exploitation-Grad immer schön hoch bleibt: Da muss die Geisel in der zweiten Folge natürlich mit zerrissener Bluse gefesselt vor dem Geiselnehmer sitzen und ihm auch noch - als Angebot, um freizukommen - zuraunen: "Du hast noch nie die Brust einer Frau gesehen!" Auch wenn Jamal seine schöne junge Gattin gierig beim Duschen anstarrt, dient das keinem anderen Zweck, als noch ein paar sexuell unausgelastete Zuschauer zu gewinnen. Im Grunde ist "Tyrant" ein Porno - nicht etwa, weil es explizite Sexszenen gäbe, sondern weil Buch und Inszenierung - ähnlich wie sogenannte Torture Porn-Horrorfilme, etwa die "Saw"-Reihe - im Grunde ständig nur an die niederen Instinkte der Zuschauer appellieren: was in diesem Fall vom Bedienen antiislamischer und antiarabischer Vorurteile bis zu Vergewaltigungsphantasien reicht.


Was die rein filmisch-handwerkliche Ebene abseits des Inhalts angeht, macht die Serie nicht viel falsch: Die Sets sind aufwändig, die Bildsprache erinnert an Premium-Kabelserien von HBO oder Showtime. Der Score neigt allerdings zu übertriebenem Pathos, wodurch zum Beispiel die Trauerrede für den Diktator einen unpassenden Hauch von "Harry Potter" bekommt. Vielleicht liegt das daran, dass dessen mehrmaliger Regisseur David Yates nach Ang Lees Abgang die Inszenierung des Piloten übernahm. Der konnte jedoch ohnehin nichts mehr retten: "Tyrant" ist ein Musterbeispiel, was dabei herauskommt, wenn alle wichtigen Beteiligten komplett unvereinbare kreative Vorstellungen haben - und ein starkes Indiz dafür, dass die erste "Homeland"-Staffel wohl doch nur das eine Korn war, das auch ein "blindes Huhn" wie Howard Gordon einmal findet.


Quelle Marcus Kirzynowski http://www.wunschliste.de/serienpreview/tyrant





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30.09.2014 14:36
#38 RE: Serienprewievs : Extant Zitat · antworten

Extant


Kaum beginnt die Serie, hängt Halle Berry schon würgend über der Kloschüssel. Berühmter Merksatz aus Hollywood: Wenn schöne Frauen kotzen, sind sie schwanger. Natürlich auch hier. Astronautin Molly Woods erwartet ein Kind, obwohl sie gerade von einer 13-monatigen Solo-Mission in einer Raumstation zurückgekehrt ist. Was soll sie ihrem Mann sagen, einem Roboterforscher, der auch ihr gemeinsames Kind, den Androiden Ethan, erschuf?

CBS hat sich für seine neue Sci-Fi-Serie "Extant" eine vielversprechende Mystery-Prämisse einfallen lassen und dafür zu renommiertem Personal gegriffen. Auch wenn als Creator der bislang noch relativ unbeleckte Mickey Fisher fungiert: Hinter der Serie steht Steven Spielbergs berühmte Produktionsfirma Amblin, Spielberg selbst ist als Executive Producer beteiligt. Und für die Hauptrolle wurde Halle Berry verpflichtet, die mal einen Oscar erhielt ("Monster's Ball"), zuletzt gleich mehrere Rollen in "Cloud Atlas" spielte, im Kino ansonsten jedoch seit Jahren ziemlich glücklos blieb. Vielleicht spielt sie in "Extant" deshalb so übermotiviert? Die Art, wie sie unentwegt ungläubig starrt, manisch die Augen aufreißt und alle Affekte zwischen Angst, Skepsis, Wut und Freude irritierend überdeutlich ausagiert, reibt sich jedenfalls ein wenig am Fernsehserien-Autopiloten, den hier die meisten anderen Darsteller eingeschaltet haben.

Der Plot, der in einer nicht näher benannten, offenbar jedoch nicht allzu fern liegenden Zukunft angesiedelt ist, macht zu Beginn durchaus Lust auf mehr: Die soeben zur Erde zurückgekehrte und jetzt über der Kloschüssel hängende Molly Woods arbeitet für eine (fiktive) Raumfahrtorganisation namens ISEA. Während ihrer Solo-Mission an Bord der Raumstation mit dem engelsgleichen Namen "Seraphim" war sie (wie Rückblenden enthüllen) mit Experimenten um Sonneneruptionen, Insekten und Pflanzen zugange, wobei ihr nur der sanftstimmig sprechende Systemcomputer BEN Gesellschaft leistete. Eines Tages erschien ihr dort Marcus, ihr verstorbener Ex-Mann und Ex-Kollege: Was ist das? Ein Geist? Eine Simulation? Ein Hirngespinst? Molly fällt in Ohnmacht und erwacht erst Stunden später. Die Überwachungskameras haben allerdings nichts aufgezeichnet, sie zeigen nur die gestisch mit etwas Nichtvorhandenem interagierende Molly. Panisch löscht sie die Aufnahmen und bekommt nach ihrer Rückkehr prompt Probleme: Warum gibt es diese Unterbrechung in der ansonsten lückenlosen Dokumentation?

Zu trauen ist den ISEA-Oberen ohnehin nicht. Schnell deutet sich an, dass Direktor Alan Sparks (immer gern gesehen: Michael O'Neill aus "The West Wing", der derzeit auch in "Rectify" den Senator spielt) irgendetwas mit den Vorgängen im All zu tun zu haben scheint. Wurde an Molly da oben herumexperimentiert? Sparks hat auch sehr verdächtige Verbindungen zu Hideki Yasumoto, dem Chef der Yasumoto Corporation, einer Firma, von der man nicht genau weiß, was sie tut, nur, dass es wichtig, geheimnisvoll, zukunftsweisend und womöglich sehr gefährlich ist. Als Yasumoto tritt mal wieder Hiroyuki Sanada auf, ein Schauspieler, auf den die Besetzungschefs in den USA seit Jahren zurückgreifen, wenn ein latent undurchsichtiger Asiat gefragt ist - sowohl in Kinofilmen (jüngst: "47 Ronin") als auch in Serien: Im Syfy-Virenthriller "Helix" spielt Sanada derzeit praktisch exakt dieselbe Rolle wie in "Extant". Und auch hier geistert er wieder in beängstigender Zen-Ruhe durch modern-asiatisch designte, mit traditioneller Samurai-Deko gewürzte Räume. Und wenn er was isst, gleitet die Kamera vor ihm her, während er mit Stäbchen buntes Future-Sushi von einem großen weißen Leuchttisch fischt - hart an der Parodie. Man dünkt sich in der Bondschurken-Persiflage aus einem "Austin Powers"-Film, doch hier ist es wohl ernst gemeint.

Bei diesem Yasumoto jedenfalls bewirbt sich zeitgleich (und damit rutschen wir in den zweiten, wichtigen Handlungsstrang von "Extant" hinein) Mollys verdächtig sympathischer Ehemann John - gespielt vom ewig smarten "Emergency Room"-Doktor Goran Visnjic. John arbeitet seit Jahren an seinem "Humanichs"-Projekt, das Androiden entwickelt und dessen Prototyp Ethan (Pierce Gagnon) ist, ein von John und Molly als Sohn "angenommener" Kinderroboter. Warum genau eine von Überbevölkerung bedrohte Welt ausgerechnet auf Androiden setzen sollte, bleibt unklar, weswegen die Arbeit von John und seiner Assistentin Julie (Grace Gummer, "The Newsroom") auch auf Skepsis stößt. Yasumoto und Sparks engagieren John am Aufsichtsrat vorbei, geben ihm ein schickes rundes Büro im Yasumoto-Firmensitz. Während John nun fälschlicherweise denkt, man setze auf sein "Humanichs"-Projekt, geht es den Hintermännern in Wahrheit nur darum, die Woods-Familie näher an sich zu binden. Denn in Molly wächst offenbar etwas heran, das für sie wichtig ist.

Aus diesem relativ gut verschnürten Plot-Dickicht, das von "2001 - Odysee im Weltraum" über "Solaris", "Alien" und "A. I." bis hin zu den diversen Ausformungen des Paranoia-Thrillergenres ziemlich viel von dem zitiert, was in Hollywood und besonders auch in Produzent Spielbergs Kino-Universum schon für Furore gesorgt hat, strahlen im folgenden diverse Handlungsvektoren aus: Warum benimmt sich Androiden-Söhnchen Ethan so seltsam, dass "Mutter" Molly vor ihm Angst zu haben scheint? Warum sperrt er Vögel im Keller ein? Was führen Yasumoto und seine Assistentin und Geliebte Ms. Dobbs (Annie Wersching, "24") im Schilde? Wie lange wird Dr. Sam Barton (Camryn Manheim, "Practice - Die Anwälte") noch zu leben haben, die einzige Freundin, der Molly bei der ISEA scheinbar noch trauen kann? Und was ist hier überhaupt so titelgemäß "extant", also "noch vorhanden"? Eine außerirdische Lebensform?

Überhaupt: Mit Mollys Visionen ist das so eine Sache. Denn auch auf Erden hören sie keineswegs auf. Erneut erscheint ihr der tote Marcus, und bei einer Feier trifft sie dessen (noch lebenden) Bruder Tim. Doch auch der wird nur von ihr, nicht von den anderen Gästen gesehen. Schizophrenie? Experimente? Bald schon taucht ein anderer Astronaut auf, der auf seiner Solo-Mission ebenfalls Visionen hatte und danach angeblich Selbstmord beging. Die Wände seiner kargen Isolationsbehausung sind mit einer fraktalen Kreiszeichnung beschmiert. Und exakt dieses mysteriöse Muster taucht nun überall auf - als Abdruck auf Mollys Bauch, als Bild auf Johns Handy.

Man sieht schon: Mit WTF-Momenten nach "Lost"-Manier wird hier wahrlich nicht gegeizt, und es bleibt abzuwarten, ob Mickey Fisher die ganzen Alien-, Roboter- und Verschwörungsfässer, die er schon in den ersten Folgen aufmacht, am Ende auch gut zusammengenagelt bekommt. Nach den ersten beiden Episoden, die Mystery-Moment an Mystery-Moment reihen, kulminiert die Handlung in Folge drei erstmals in einem nach allen Regeln der Suspense-Kunst eingeleiteten Spannungshöhepunkt. Das ist nicht schlecht gemacht, kann aber über ein lastendes Problem der ganzen Serie nicht hinwegtäuschen: Alles wirkt hier irgendwie steril. Die Optik ist gut, das Rätsel-Panorama wird bestens aufgefächert, die Charaktere aber bleiben flach. Halle Berry spielt zwar mit größtmöglicher Anspannung, doch der Ertrag bleibt niedrig. Ihre Sorgen und Nöte kommen nicht richtig ran an den Zuschauer, und das könnte sich auf Dauer zu einem gravierenden Makel der Serie auswachsen.

So bewegen sich die Figuren durch eine durchaus glaubwürdig gezeichnete, sehr aufgeräumt wirkende Bald-Zukunft mit elektronischen Müllentsorgungsschächten und gläsernen Tablets, mit holografischen Museumsexponaten und Chips, die wir im Mund tragen, damit sie uns medizinisch überwachen, und sie treffen doch nur auf altbekannte Stereotypen des Horror- und Thrillergenres. Beispiel-Dialog: "Trau ihnen nicht!" "Wem?" "Niemandem!" Wer Bedrohungsszenarien so buchstäblich herbeischreibt, der braucht auch Figuren, die das Mitzittern wert sind. Auch wenn Fisher und Spielberg schon vieles richtig machen: Genau daran hapert es in "Extant" bislang.


Quelle Gian-Philip Andreas http://www.wunschliste.de/serienpreview/extant





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30.09.2014 14:38
#39 RE: Serienprewievs : The Strain Zitat · antworten

The Strain


In der Zeit zwischen seinem zweiten "Hellboy"-Film und der letztjährigen Rückkehr auf die Kinoleinwand mit "Pacific Rim" hat der mexikanische Star-Regisseur Guillermo del Toro vor allem geschrieben: den "Hobbit". Und Bücher. Gemeinsam mit dem Schriftsteller Chuck Hogan veröffentlichte er die Horror-Romantrilogie "The Strain", über die einige Kritiker urteilten, sie lese sich, als habe jemand Drehbuchanweisungen und -dialoge notdürftig in Prosaform gezwungen. Die wohl von Anfang an eingeplante Verfilmung in serieller Form ist nun auf FX zu begutachten, jenem Kabelsender, der mit "Fargo" und "Tyrant" dieses Jahr schon Himmel und Hölle der Fernsehserienwelt bediente. Mit "The Strain" zeigt er nun, dass er auch keine Scheu vor beispiellos blutigen Kopfzertrümmerungsbrutalitäten hat.

Zu erleben ist mal wieder eine Vampirgeschichte, die mit der in diesem Genre üblich gewordenen Glitzerwelt der "Vampire Diaries" oder gar der Schmachthakenromantik von "Twilight" indes nichts zu tun hat. Stattdessen orientiert sich del Toro (der auch die 70-minütige Pilotepisode inszenierte) an alten Dracula- bzw. Nosferatu-Motiven, vor allem aber an der Dramaturgie des Zombiefilms, die sich über epidemische Panik definiert. Eine Panik, die derzeit in so einigen Serien ("Helix", "The Last Ship") durchdekliniert wird. Fast logisch deshalb, dass als zentrale Protagonisten hier Mitarbeiter der Seuchenbekämpfung (CDC, Center for Disease Control) herhalten.

Es geht gruselig los: Da landet ein Flugzeug auf dem New Yorker JFK-Airport - und alle Insassen sind tot. Vorher sieht man schon etwas Großes, Dunkles, Mächtiges aus dem Frachtraum rauschen: ein Monster? Gestartet ist das Flugzeug in Berlin, es kam somit aus der sogenannten "Alten Welt" (lies: Europa) in die "Neue Welt" (lies: USA) - und hatte womöglich eine Seuche an Bord. Die eilig herbeigerufenen Spezialisten des CDC ermitteln im Hinblick auf ein mögliches Virus, das die Flugzeuginsassen über den Wolken dahingerafft haben könnte. Dann der erste große Schock: Nicht alle Toten sind tatsächlich tot! Der Pilot, ein Emo-Rocker, eine schnippische Anwältin und ein weiterer Mann wachen urplötzlich wieder auf, können sich allerdings an nichts erinnern.

Während nun CDC-Spezialist Dr. Ephraim "Eph" Goodweather ("House of Cards"-Glatzkopf Corey Stoll mit alberner Perücke) und seine ihn anhimmelnde Assistentin, Dr. Nora Martinez (Mía Maestro, "Alias - Die Agentin") mit den Ermittlungen beginnen, Quarantäne verhängen und sich nach gängigem Muster mit ignoranten Politikern und Vorgesetzten herumplagen, werden sukzessive andere Figuren eingeführt, die mit dem Vorfall direkt zu tun haben oder aber zu tun bekommen. Gus (Miguel Gomez) etwa ist ein Latino-Kleingangster - ein einziges Stereotyp, das man von del Toro eigentlich nicht erwartet hätte. Viel interessanter ist der ukrainische Kammerjäger Vasiliy Fet (Kevin Durand, "Lost"). Er kommt erstmals in der zweiten Episode vor, hat ein paar coole Szenen, und als er irgendwann ganze Schwärme von Ratten aus der Kanalisation fliehen sieht, deutet sich langsam an, dass er neben Eph und Martinez zu den Schlüsselfiguren werden könnte. Im Kampf gegen das Böse, um das es hier geht.

Von diesem Bösen eine Ahnung zu haben scheint ein anderer, der hier die Rolle des zunächst verkannten Warners übernimmt: Der alte Professor Abraham Setrakian führt ein Pfandleihgeschäft, das gleich zu Beginn von Gus ausgeraubt werden soll - was der Alte taff verhindert. Gespielt wird Setrakian vom immer sehenswerten David Bradley, der zuletzt in "Broadchurch" und als Walder Frey in "Game of Thrones" beeindruckte und spätestens seit letzterer Rolle etwas latent Bedrohliches ausstrahlt. In "The Strain" identifiziert ihn eine Nummer am Arm sehr bald als jüdischen Holocaust-Überlebenden, und das zuckende, an einen Herzmuskel erinnernde Gebilde, das er daheim in einem Glas beherbergt und mit Bluttropfen füttert, deutet darauf hin, dass er auch noch andere Schrecknisse bewältigt hat. Aber Moment mal, kam das Flugzeug nicht aus Berlin?


Womit wir bei den offenkundigen Bösewichtern angelangt wären. Was also plant Eldritch Palmer (Jonathan Hyde), der greise, todkranke und milliardenschwere Chef der Firma "Stoneheart"? Offenbar erwartet er "Fracht" aus der Todesmaschine und steht deshalb mit dem sinistren Thomas Eichorst im Bunde. Dessen sekundenweise die Farbe wechselnde Iris zeigt sofort: Ein Mensch ist das nicht (mehr). Sein deutscher Darsteller Richard Sammel (immer gern gebucht als Nazi in internationalen Produkten) spielt den undurchsichtigen Schurken mit einem gespenstischen gestischem Minimalismus und ein paar gefährlich freundlichen Christoph-Waltz-Anleihen. Eichorst lernte Professor Setrakian schon im Dritten Reich kennen, hat sich seither aber optisch nicht verändert. Ein Nazi-Vampir? Fürwahr: So trashig scheint es zu werden! In der dritten Episode enthüllt dann ein wunderbares Intro, wie Eichorst "eigentlich" aussieht und wie er sich für die Öffentlichkeit verkleidet - es ist zugleich ein schönes Sinnbild für die theatralische Maskerade, die Geschichten wie dieser schließlich immer zu eigen sind.

Worum es geht, schält sich dann relativ zügig heraus: Den maladen Milliardär Palmer giert es faustisch nach Unsterblichkeit, dazu lässt er einen mächtigen Vampir aus Europa, den "Master", einfliegen (der seltsamerweise Englisch spricht). Organisator der Aktion ist Eichorst, der als unwissenden Helfer unter anderem Gus einspannt. Durch eine Verkettung von Umständen, an denen der vermeintlich arglose, mit einer krebskranken Gattin gestrafte CDC-Beamte Jim Kent ("Herr der Ringe"-Sam Sean Astin) ganz und gar nicht unschuldig ist, kommt der "Master" im Sarg aus der Quarantänezone heraus - womit der vampirischen Ansteckung keine Grenzen mehr gesetzt sind.

Es gibt sehr blutige, sehr eklige Szenen in "The Strain" und diverse Gruselkabinettstücke, etwa wenn der "Master" zuschlägt oder sich die Überlebenden allmählich in Vampire verwandeln und sich ein wurmartiger Zungenersatz in ihnen heranbildet, oder wenn sich die Toten in der Pathologie erheben und anschicken, in die Stadt auszuschwärmen. Das Vampirische hat hier nichts Sexuelles mehr - es verbreitet sich virengleich-widerlich, eben wie im Zombiefilm oder verwandten Epidemiethrillern wie "28 Days Later". Bestes Beispiel dafür ist Emo-Rocker Gabriel (Jack Kesy), der aussieht wie eine Mischung aus Marilyn Manson und Jared Leto, weshalb seine Vampirwerdung zunächst nicht weiter auffällt - bis ihm dann am Pissoir großartig lapidar der Penis abfällt. Richtig gelesen. Vampire pflanzen sich eben nicht fort, sie beißen sich durch.

In dieser Hinsicht jedenfalls erweist sich "The Strain" als imponierend gruselig und phasenweise spannend. Plotmäßig ist das alles natürlich nicht neu - und auch nicht immer gut gelöst. Die verschiedenen Figuren (Gus, Setrakian, Fet, Eichorst) und ihre Handlungsstränge spielen sich auf stilistisch sehr disparaten Ebenen ab. Problematisch sind leider ausgerechnet die Hauptfiguren: Das Duo Eph/Martinez wirkt in den ersten Folgen ärgerlich reizlos, vor allem Eph langweilt als x-te Variante des genialischen Ermittlers, der zugleich private Probleme hat. So kämpft er hier mit seiner bereits neu verbandelten Frau Kelly (Natalie Brown) um das Sorgerecht für den gemeinsamen Sohn Zach (Fun Fact: Ben Hyland spielte auch in "House of Cards" Stolls Sohn), außerdem ist er Alkoholiker, Narzisst und Kontrollfreak. Diese völlig abgestandenen Seifenopernversatzstücke nehmen in der Serie irritierend viel Raum ein, ohne dass sie der Eph-Figur allerdings mehr Tiefe verleihen würden. Stattdessen stören sie eher als unerwünscht retardierendes Moment: So viel lieber würde man doch mehr von der Infektions-Exploitation und vom Nazi-Dracula-Trash sehen...

Wie sich da handlungsmäßig die Gewichte verteilen, wie sich die diversen Figuren-Plots fügen werden, ob sich vielleicht sogar die Dialoge verbessern (was sie gerne dürften), das wird sich noch erweisen. Bis jetzt präsentiert sich "The Strain" als weitgehend unterhaltsamer Thriller mit reichlich Gore, Ekel-Getier und Body-Horror nach David-Cronenberg-Manier, mit guten Schocks und ein paar wirklich starken Darstellern. Nichts davon ist wirklich neu, aber Genrefans können getrost einschalten.


Quelle von Gian-Philip Andreas http://www.wunschliste.de/serienpreview/thestrain





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30.09.2014 14:41
#40 RE: Serienprewievs : The Divide Zitat · antworten

The Divide



Wo verläuft der Graben zwischen Gut und Böse? Paul Schneider, Damon Gupton, Marin Ireland und Nia Long verkörpern einige Facetten des Justizsystems.


Dass "The Divide" eine ambitionierte Dramaserie ist, daran lassen die Autoren von Anfang an keinen Zweifel: Schon in der ersten Szene liest eine der Hauptfiguren Nietzsche, ein Zitat von ihm wird vorher eingeblendet. Danach legt die erste eigenproduzierte geskriptete Serie des ehemaligen US-Frauensenders WE tv (der jetzt vermehrt auch Männer ansprechen will) allerdings erst einmal ein Tempo vor, dass eher an etwas oberflächlichere Network-Dramen erinnert.

In rascher Folge lernen wir die wichtigsten Figuren kennen: Da wäre zuerst die angehende Juristin Christine Rosa (Marin Ireland, die eine Terroristin in der zweiten "Homeland"-Staffel spielte), die für die Nichtregierungsorganisation "The Innocence Initiative" ("Die Unschulds-Initiative") arbeitet. Diese NGO vertritt die Rechte von Strafgefangenen, die ihrer Meinung nach zu Unrecht verurteilt wurden. Im konkreten Fall will Rosa die Unschuld eines Mannes beweisen, der in der Todeszelle auf seine in wenigen Tagen angesetzte Hinrichtung wartet. Er soll vor elf Jahren gemeinsam mit einem Komplizen in das Haus einer afroamerikanischen Mittelschichtsfamilie eingedrungen sein und bis auf die jüngste Tochter Jenny alle Familienmitglieder umgebracht haben. Die schockierende Gewalttat hätte damals beinahe zu offenen Unruhen zwischen den verschiedenen Ethnien in der Stadt geführt. Während nun die meisten Einwohner mit Genugtuung der Exekution des vermeintlichen Täters entgegensehen, versucht Rosa einen neuen DNA-Test durchzusetzen - ein Wettlauf mit der Zeit beginnt.

Gar nicht in den Kram passt das Engagement der leicht übereifrigen Rosa dem (selbst schwarzen) Staatsanwalt Adam Page (Damon Gupton), der seine Karriere quasi der damaligen Verurteilung des Bauarbeiters Jared Bankowski (Chris Bauer) verdankt. Der titelgebende Graben ("Divide") verläuft aber nicht nur zwischen den Ethnien, sondern auch innerhalb von Pages eigenem Haushalt. Denn seine (von Bauers Ex-"Third Watch"-Kollegin Nia Long gespielte) Ehefrau Billie (ebenfalls Anwältin, allerdings für große Unternehmen) fragt sich schon bald, ob bei der von ihrem Gatten geleiteten Ermittlung gegen Bankowski wirklich mit der gebotenen Sorgfalt gearbeitet wurde - oder ob nicht doch einem unschuldigen Mann die Giftspritze droht.

Genügend Potential für vielfältige und ambivalente Konflikte und Diskussionen rund um Schuld, Moral, Verantwortung, Rache und Gerechtigkeit also, die das Grundkonzept der Serie ermöglicht. Dies nutzen die Autoren Tony Goldwyn und Richard LaGravenese in der Auftaktfolge aber zunächst nur bedingt. Stattdessen drohen sie, sich in reichlich cheesigen Szenen zu verlieren. So muss Christine natürlich zu allem Überfluss auch noch selbst einen Vater haben, der in der Todeszelle sitzt.

Zwischen diesen unnötig soapigen Elementen blitzen aber schon zu Beginn immer wieder einzelne Dialoge auf, die sehr vielversprechend sind. So etwa, wenn Staatsanwalt Page bei einem öffentlichen Auftritt vor der schwarzen Gemeinde eine flammende Rede darüber hält, dass es bei der zu sühnenden Straftat nicht um eine Angelegenheit von race gehe, sondern die Hinrichtung jeden Bürger befriedigen solle, dem Gerechtigkeit ein Anliegen sei. Ihr Versprechen einlösen kann die Serie dann zum ersten Mal vollends, wenn Bankowskis alte Mutter (Ann Dowd, auch die Mutter von William Masters "of Sex" und bei HBOs "The Leftovers" die Anführerin der schweigenden Sekte) ihren Sohn zum letzten Mal im Todestrakt besucht. Während sie ihm vorhält, er habe sich selbst dort hinein gebracht und den Tod deshalb unabhängig von seiner (Un-)Schuld ohnehin verdient, hat er selbst längst mit seinem Schicksal Frieden geschlossen. Die Intensität, mit der Chris Bauer es versteht, dem unzugänglich wirkenden Mann Tiefe zu verleihen (schauspielerisch ganz zurückgenommen, mit keiner unnötigen Regung im Gesicht) lässt einen bedauern, dass der HBO-Stammdarsteller ("The Wire", "True Blood") sich schon so bald wieder aus der Serie verabschieden muss.


"The Divide" mit "The Wire" zu vergleichen, HBOs soziologischem Meisterwerk über die Unmöglichkeit, aus den Systemen, die einen umgeben, zu entkommen, scheint etwas zu hoch gegriffen. Aber einige Parallelen fallen doch auf: Nicht nur, dass einem hier einige der Darsteller wieder begegnen, allen voran der großartige Clarke Peters (Lester "natural pooolice" Freeman aus der David Simon-Serie) als stellvertretender Polizeichef und Vater von Adam Page. Nicht genug, dass hier so viele Afroamerikaner in wichtigen Rollen zu sehen sind wie (abgesehen von Serien speziell für diese Zielgruppe) seit "The Wire" nicht mehr. Auch die Art, wie die Autoren ihr Thema aus den verschiedensten gesellschaftlichen Blickwinkeln betrachten, erinnert an das große Vorbild: Wir begleiten die Staatsanwaltschaft, die Polizei, die NGO, die (oder besser: das überlebende) Opfer, die vermeintlichen Täter, machen einen Abstecher ins Gefängnis und sehen die Reaktionen der Öffentlichkeit.

Dabei wird die Serie von Folge zu Folge besser: Spätestens in Episode 3 ist jeder Kitsch verschwunden, Folge 4, die hauptsächlich die Wiedereingliederungsversuche des vorübergehend aus der Haft entlassenen, als Mittäter verurteilen Terry Kucik (Joe Anderson) verfolgt, ist die bis dahin intensivste. Eine Serie, die es versteht, sich für eine Folge überwiegend auf eine Nebenfigur zu konzentrieren, ohne an Identifikationspotential einzubüßen, sollte man prinzipiell immer auf dem Schirm behalten.

In dieser Folge zeigt sich auch, dass die Macher kein Interesse an einfachen Antworten haben: Ja, Kucik scheint ein Nazi gewesen zu sein, aber er scheint sich ernsthaft ändern zu wollen. Der Unsympath ist hier nicht der mutmaßliche Schwerverbrecher, sondern sein Vater, der ihn nicht im Haus haben will. Und nur, weil man eine Hakenkreuztätowierung hat, heißt das nicht zwangsläufig, dass man nicht respektvoll mit Schwarzen sprechen kann. Absurd wirkt vielmehr das US-Rechtssystem, in dem ein unter Hausarrest Gestellter auch noch selbst für seine elektronische Fußfessel zahlen muss. Und ähnlich wie bei David Simon scheinen auch hier die leitenden Polizeibeamten mehr an ihrer Karriere und dem öffentlichen Frieden interessiert als daran, die wahren Schuldigen zu bestrafen.

Trotz aller inhaltlichen Gemeinsamkeiten unterscheidet sich "The Divide" stilistisch fundamental von "The Wire" (und den meisten anderen HBO-Dramaserien): Es ist wesentlich schneller erzählt und geschnitten, setzt wie Networkserien auf den Einsatz von Popsongs in emotionalen Momenten und arbeitet auch mit Cliffhangern und ähnlichen Elementen zur Spannungssteigerung. Zumindest nach der noch etwas unausgegorenen Auftakt-Doppelfolge klappt diese Kombination erstaunlich gut. Falls die Macher es schaffen, das Niveau der dritten und vierten Folge bis zum Staffelende zu halten, wäre der Serie wirklich etwas mehr Aufmerksamkeit zu wünschen. Denn Serien, die vielschichtig und tiefgründig von der Gesellschaft und ihren Institutionen erzählen, gibt es leider viel zu wenige. Und David Simon kann ja nicht die ganze Arbeit alleine machen.


Quelle Marcus Kirzynowski http://www.wunschliste.de/serienpreview/thedivide





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30.09.2014 14:44
#41 RE: Serienprewievs : The Knick Zitat · antworten

The Knick


Dr. J. M. Christiansen (Matt Frewer, "Max Headroom", "EUReKA - Die geheime Stadt") ist ein Mann der großen Worte. In den höchsten Tönen kündigt er eine noch nie zuvor gelungene Operation an, die er im Hörsaal, unter den neugierigen Blicken der Medizinstudenten, durchführen will: einen Kaiserschnitt an einer Hochschwangeren. Doch leider verblutet ihm die Patientin unter seinen Händen und auch das hervor geholte Baby kann nicht wiederbelebt werden. Operation gelungen - Patienten tot, so könnte man das desaströse Ergebnis des Eingriffs zusammenfassen. Nachdem sich der nun doch deutlich leiser gewordene Leiter der Chirurgie von seinen Studenten verabschiedet hat - mit dem Hinweis, die Präsentation sei hoffentlich doch aufschlussreich gewesen -, zieht er sich in sein Büro zurück und nimmt sich das Leben.

So spektakulär beginnt "The Knick", Steven Soderberghs neue Medizinerdrama-Serie auf Cinemax, dem kleineren Schwestersender von HBO. Sie entführt uns mehr als 100 Jahre zurück, ins New York des Jahres 1900, als die moderne Medizin noch in den Kinderschuhen steckte. Es ist also sozusagen ein Prequel zu all den zeitgenössischen US-Krankenhausserien von "Emergency Room" bis "Grey's Anatomy", die sich international noch immer so großer Beliebtheit erfreuen. Im Knickerbocker Hospital (einer Klinik, die es in Harlem wirklich gab und deren Spitznamen die Serie ihren Titel verdankt) legen engagierte Ärzte erst die Grundsteine für die hohe Kunst der Chirurgie, die dann etwa ein Jahrhundert später auch ein Dr. Benton oder ein "McDreamy" praktizieren werden.

Nach dem unglamourösen Abgang von Dr. Christiansen kommt Dr. John Thackery (Clive Owen) als neuer Chefchirurg ans "Knick". Er ist ein ehemaliger Schüler Christiansens und somit ebenfalls ein Mann der neuen Zeit und eines streng wissenschaftlichen Ansatzes. Er ist aber auch ein Mann der Extreme: in der Klinik ein zupackender, überzeugender Arzt, für den Zögern ein Fremdwort zu sein scheint, nach Dienstschluss ein nervliches Wrack, das sich ohne seine tägliche Dosis Kokain in ein klägliches Etwas verwandelt. Die Figur soll damit offensichtlich in eine Reihe mit den großen Antihelden der modernen Serienwelt gestellt werden, all den Don Drapers und "Nurse Jackies". Mit ersterem hat er auch das resolute Auftreten gemein, mit letzterer die oft ungewöhnlichen Behandlungsansätze.

Leider bleibt Hollywood-Kinostar Clive Owen ("Children of Men") zumindest in den ersten Folgen in dieser ambivalent angelegten Rolle noch etwas blass, versteht es nicht, wirkliches Interesse für diesen undurchsichtigen Mann zu wecken. Was in einer solchen modern angelegten Serie natürlich auch nicht fehlen darf, sind Konflikte zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen. Und so wird auch gleich nach Thackery ein afro-amerikanischer Arzt eingeführt: Dr. Algernon Edwards (Andre Holland). Der hat zwar einen Harvard-Abschluss und in Europa ganz selbstverständlich an der Seite von weißen Kollegen praktiziert, aber in den USA dauerte es mit der Aufhebung der Schranken zwischen den Ethnien bekanntlich um einiges länger. So will Thackery ihn zunächst als seinen Stellvertreter verhindern, schließlich darf er nur im Keller Dienst tun, wo er die schwarzen Patienten behandelt, die oben abgewiesen werden.

Konfliktpotential gibt es aber auch sonst reichlich unter der Belegschaft des Hospitals: Der Geschäftsführer Herman Barrow (Jeremy Bobb) zweigt Gelder ab, um einen Kredit an die Mafia zurückzuzahlen, und Thackery stellt die Kompetenz einer jungen Krankenschwester (Eve Hewson) in Frage - die ihm kurz darauf aber dann doch eine Drogen-Injektion verabreichen darf, damit er überhaupt wieder arbeitsfähig wird.

Die Autoren um Jack Amiel und Michael Begler (sie haben bis auf zwei alle zehn Folgen der ersten Staffel geschrieben) haben sich ohne Zweifel einiges für ihre Serie vorgenommen: spektakuläre Operationen, ambivalente Figuren, ein Vergleich zwischen der vormodernen Vergangenheit und unserer vermeintlich so aufgeklärten Gegenwart, wobei sich dann in vielerlei Hinsicht doch nicht so viel geändert hat. Das alles wirkt in den ersten beiden Folgen aber noch etwas kraftlos-bemüht, zu sehr nach dem Lehrbuch für modernes Serienschreiben. Auch ein prägnanter Regiestil ist nicht zu erkennen, obwohl oder vielleicht gerade weil Soderbergh nach seinem Rückzug aus dem Kinogeschäft alle Episoden selbst inszeniert hat. Aber er galt ja auch schon bei seinen Spielfilmen wie "Out of Sight", "Traffic" oder "Ocean's Eleven" als Chamäleon, das von einem Stil zum anderen wechselte.

Während in allen anderen Bereichen zumindest das Potential besteht, dass sich "The Knick" doch noch zu einer packenden und tiefgründigen Dramaserie entwickeln könnte, fällt ein Schwachpunkt besonders ins Gewicht: die OP-Szenen. Diese sind zwar wesentlich blutiger als etwa im auch nicht gerade anämischen "ER", aber wirken auch deutlich unrealistischer als in dieser oder anderen modernen US-Krankenhausserien. So sind die aufgeschnittenen Leiber immer sofort als Gumminachbildungen zu erkennen, was der Glaubwürdigkeit doch erheblich schadet.

Wer darüber hinweg sehen kann, bekommt zumindest eine leidlich unterhaltsame Medizinerserie der etwas anderen Art geboten, so etwas wie "Mad Men" in OP. Man könnte als Anhänger dieses Genres aber auch einfach mal wieder eine alte "Emergency Room"-DVD einlegen.


Quelle Marcus Kirzynowski http://www.wunschliste.de/serienpreview/theknick





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30.09.2014 14:47
#42 RE: Serienprewievs : Outlander Zitat · antworten

Outlander



Die glutvollen Blicke folgen bald: Claire Randall (Caitriona Balfe) und ihr Jamie (Sam Heughan)


Seit den 1990er Jahren hält die "Highland-Saga" der US-amerikanischen Schriftstellerin Diana Gabaldon (im Original: "Outlander") die Bestsellerlisten zahlloser Länder im Klammergriff. Kunststück, werden diese Listen doch vor allem durchs weibliche Publikum bestimmt - und mit der zeitreisenden Krankenschwester Claire Randall schuf Gabaldon eine der stärksten Protagonistinnen der jüngeren Populärliteratur. Zudem bedient die Autorin gleich mehrere Zielgruppen: Die bislang acht Romane (der jüngste ist frisch erschienen) vereinen historisches Abenteuer, Fantasy, Romantik und sogar Science Fiction, falls man denn eine Zeitreise in die Vergangenheit schon als Science Fiction bezeichnen möchte. Auch wenn Gabaldons Bücher den Ruf der Hausfrauenbeglückungsprosa nie ganz abstreifen konnten: Sie sind längst eine Marke.

In Zeiten, in denen jeder Film- und Serienproduzent nach Romanreihen fahndet, die sich kommerziell langfristig melken lassen (Sequel für Sequel, Staffel für Staffel), war es erstaunlich, dass es dann doch so lange gedauert hat, bis es zu einer Verfilmung kam. Alleine der Schauplatz: Gibt es fotogenere Landschaften als die schottischen Highlands? Und seit die Runde machte, dass sich niemand Geringerer als Ronald D. Moore, also der Mann, der für das kultisch gefeierte Reboot von "Battlestar Galactica" verantwortlich zeichnete, um die Umsetzung kümmern würde, stieg die Vorfreude auf "Outlander". Und zwar nicht nur bei den meist weiblichen Fans der Romane. Jetzt, da die einstündigen Episoden dem Kabelsender Starz Lorbeeren selbst von skeptischer Kritikerseite mit Lorbeeren überschüttet wurden, darf man sagen: Unbegründet war diese Vorfreude nicht.

Natürlich handelt es sich beim Plot um ein relativ durchsichtiges Vehikel, um die (nicht nur) romantischen Selbstbehauptungsstrategien einer starken Frau in den Blick zu nehmen: Besagte Krankenschwester, eine verheiratete Engländerin Mitte 30, wird aus der post-katastrophischen Mitte des 20. Jahrhunderts 200 Jahre in die schottische Vergangenheit zurückgebeamt. Dort erweckt sie nicht nur wegen ihres medizinischen Wissens Argwohn - und muss sich bald fragen, ob sie überhaupt zurück in die Zukunft will, schließlich gibt es da diesen heißblütigen, rothaarigen Schotten namens Jamie...

Die Pilotfolge tut sich ein wenig schwer damit, in medias res zu kommen. Angesiedelt ist sie im Jahr 1945, kurz nach dem (europäischen) Ende des Zweiten Weltkriegs. Claire Randall und ihr Gatte Frank machen Urlaub im schottischen Inverness: Sie hat als Krankenschwester im Krieg viel Leid gesehen, er war bei der Aufklärung in London. Ihre Traumata werden nur angedeutet, doch Caitriona Balfe und Tobias Menzies (der Brutus aus "Rom" und Edmure Tully aus der dritten "Game of Thrones"-Staffel) lassen sie in ihrem Spiel mitschwingen - die gegenseitige Entfremdung ist beiden spürbar anzumerken, obwohl sie sich bemühen, wieder an die unbeschwerte Vorkriegs-Verliebtheit anzuknüpfen.

Gerade die Irin Caitriona Balfe ist eine Schau. Die Irin, früher Topmodel und als Schauspielerin bisher fast nur in Nebenrollen zu sehen, bringt die nötige Power für diese Rolle mit - die immerhin eine Identifikationsfigur von Legionen von RomanleserInnen ist: Aus Claire macht sie weder das gefügige Weibchen eines arrivierten Ehemanns noch eine Femme Fatale aus den Film Noirs der 1940er Jahre, sondern etwas, was auch im Serienalltag von heute Seltenheitswert besitzt, zumindest unter den Hauptrollen: eine selbstbestimmte Frau mit neugierigem Blick auf die Welt, die sich nimmt, was sie braucht. Dass dazu auch Cunninglingus in schottischen Burgruinen gehört, ist nur folgerichtig. Und liegt, klar, auch in der Logik des Senders: Starz sorgt für ein Minimum an nackten Tatsachen, bleibt dabei aber weit unter dem Maß von, sagen wir mal, "Spartacus". Das Zielpublikum ist eben vorwiegend weiblich.

Zum Zeitsprung Claires ins wilde Schottland des 18. Jahrhunderts kommt es erst 25 Minuten vor Schluss der Pilotfolge. Trotz stil- und stimmungsvoller Regie (die ersten beiden Folgen inszenierte "Dexter"-Routinier John Dahl) kommt sie eher zäh aus den Hufen: Warum Frank ausgerechnet jetzt, kurz nach der Katastrophe des Krieges und kurz vor dem Antritt einer Dozentenstelle in Oxford, nach seinen Ahnen forschen will, erschließt sich nicht so ganz. Es wird viel von schottischen Traditionen geraunt, ein mysteriöser Dunkelmann taucht auf und verschwindet wieder, eine Wahrsagerin sieht Merkwürdiges in Claires Handlinien, schließlich beobachtet das Ehepaar eine Gruppe weiblicher Druiden, die im Morgengrauen an einer Art keltischem Steinkreis ein Ritual durchführen (das allerdings so aussieht, als würde eine Eurhythmiegruppe eine Enya-Platte vertanzen): Womöglich wird das alles noch einmal wichtig im Verlauf der Serie, deren zweite Staffel bereits bestellt wurde. Anfangs verschleppt es eher das Tempo. Hinzu kommt die fragwürdige Entscheidung, die Serie von Claire selbst als Off-Erzählerin begleiten zu lassen. Off-Kommentare sind meist ein unbeholfenes Mittel der filmischen Narration - entweder verkaufen sie das Publikum für dumm, indem sie das Offensichtliche doppeln, oder sie sind Überbrückungshilfen, wenn den Machern keine treffenden Bilder eingefallen sind. Immerhin: Hier rutscht er nicht ins Platte ab. Die Titanic-Panflöten- und Dudelsack-Dichte im Soundtrack des "The Walking Dead"-Komponisten Bear McCreary sorgt da schon für größere Besorgnis.

Überzeugend ist die klare Erzählperspektive der Serie: Claires Sicht bestimmt das Geschehen, das endlich ganz zu sich kommt, wenn sie einen der zuvor umtanzten Keltensteine berührt und (per Fluxgenerator?) im Schottland des Jahres 1743 landet. "Outlander" wird jetzt zum Spiel der Dopplungen und Kontraste, zum zweifachen "Period Piece", in dem auch Gatte Frank wieder auftaucht - in Form seines Urahns Jack, eines fiesen englischen Captains, der jegliche schottische Unabhängigkeitsbestrebungen sofort verständlich macht - und Claire gleich vergewaltigen will. Das ist ein bemerkenswerter Psycho-Spiegeltrick: Tobias Menzies tritt in der Jetztzeit der Serie als sexuell passiver Ehemann auf und in der Vergangenheit als sexueller Aggressor, den Claire aufgrund der Ähnlichkeit sogar eingangs mit ihrem Gatten verwechselt. Freudianische Konfusion!

Kurz vor der Untat wird Claire gerettet - von besagtem schottischen Schönling (im Musketier-Modus: Sam Heughan) und der Horde um den verkniffenen Dougal (Graham McTavish aus "Der Hobbit"). Sie wird nach Castle Leoch gebracht, einer Burg im "Winterfell"-Look, wo Gutsherr Colum McKenzie (gut: Gary Lewis) skeptisch bleibt: Ist Claire ein britischer Spion? Der Abenteuerplot, der damit in die Spur gebracht ist, lässt sich gut an: Nebenfiguren mit Potenzial (eine "Engelmacherin", eine kauzige Haushälterin) tauchen auf, erste Intrigen werden gesponnen. Und erstaunlich gut gelingt es, die Grundverwirrung Claires glaubhaft werden zu lassen, eine Verwirrung, von der wir ja selbst nicht wüssten, ob sie uns, beträfe sie uns selbst, womöglich wahnsinnig machen würde: Ist das alles ein Traum(a)? Ein fieses Rollenspiel? Oder ist Claire wirklich in der Zeit zurückgereist? Wenn ja: Was tun? Claire, schnell wieder ganz toughe Frau und bald auch zeitgemäß korsettiert, beschließt, das Spiel mitzuspielen, zumal sie wegen ihres Knowhows erst einmal als Heilerin in der Burg festgesetzt wird. Erste glutvolle Blicke zwischen ihr und Jamie deuten an, was kommen könnte. Schon in der zweiten Episode wird nur noch kurz in Franks Gegenwart zurück- bzw. vorausgeswitcht, während die Serie ganz bei Claire bleibt: Die gälische Sprache der Schotten versteht sie nicht (und wir mit ihr auch nicht, da bewusst keine Untertitel eingesetzt werden), und die Schotten verstehen ihr Vokabular nicht. Keime? Entzündungen? Kannte man damals nicht.

Einer süffig erzählten Fantasyserie mit History-Touch, starker Frauenfigur und cultural clash steht also nur noch eines im Wege: Autorin Gabaldon arbeitet als Beraterin eng mit der Produktion zusammen. So etwas wird gern als Authentizitätsgarant und Qualitätsfaktor vermarktet, verheißt aber in der Regel nichts Gutes. Zu hoffen ist daher, dass sich Moore und Team vom Diktat der Vorlagentreue freihalten können: Sklavische Buchbebilderung war schließlich noch nie interessant.


Quelle Gian-Philip Andreas http://www.wunschliste.de/serienpreview/outlander





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30.09.2014 14:50
#43 RE: Serienprewievs : Manhattan Zitat · antworten

Manhattan



Ein Team gegensätzlicher Charaktere in einer Stadt in der Wüste: das Ensemble von "Manhattan"


Das "Manhattan Project" war ein berüchtigtes Forschungsprojekt der US-Armee, das - tief in der Wüste von New Mexico versteckt - die Entwicklung der Atombombe vorantrieb. Unter der wissenschaftlichen Leitung des Physikers J. Robert Oppenheimer und unter strengster Geheimhaltung lebten Forscher, Soldaten und ihre Familien ab 1942 in einer von der Außenwelt abgeriegelten Kleinstadt - ein Mikrokosmos, der als Spielort einer Dramaserie natürlich hervorragend taugt.

Das sah auch Sam Shaw so, ein Neuling unter den Serienautoren, der zuletzt immerhin drei Episoden des gefeierten Forscherdramas "Masters of Sex" schrieb: Wissenschaftlier scheinen ihm zu liegen. "Manhattan" ist nun zwar beileibe nicht das erste fiktionale Werk, das sich mit dem Manhattan Project beschäftigt (erinnert sei stellvertretend an die britische Miniserie "Oppenheimer" von 1981 und an den Paul-Newman-Film "Die Schattenmacher" von 1989), aber definitiv die erste Qualitätsserie neuerer Machart, die sich des Themas annimmt. Gleichzeitig ist sie die zweite eigenproduzierte Serie des Kabelsenders WGN America - nach dem trashigen Hexendramolett "Salem".

Bis auf die Figur Oppenheimer selbst (entrückt: Daniel London, "Old Joy") ist das Personal fiktiv. In der Pilotfolge wird es erst einmal in Gruppen aufgeteilt: Auf der einen Seite - jener, mit der wir Zuschauer uns identifizieren sollen - steht Dr. Frank Winter im Zentrum (John Benjamin Hickey, "The Big C ... und jetzt ich!"), ein stiller, von Dämonen gejagter 50-Jähriger, der seinem Team jeden Morgen die neuesten Zahlen der im Krieg gegen Hitler-Deutschland gefallenen GIs auf die Tafel schreibt - als Motivation. (Freilich waren längst nicht alle Forscher des Projekts darüber aufgeklärt, dass das Ziel ihrer Bemühungen die A-Bombe war.) Die Handlung setzt im Sommer 1943 ein, ungefähr ein Jahr nach Installierung des Manhattan Projects im Wüstenkaff Los Alamos und, wie eingangs eingeblendet wird, 766 Tage vor Hiroshima - dem Ort in Japan, über dem die Atombombe schließlich erstmals abgeworfen werden würde.

Winter arbeitet mit einem in bewährter Weise zusammengestellten Team gegensätzlich gezeichneter Charaktere, wie es so oder ähnlich auch auf jeder Serien-Polizeistation, -Raumschiffbrücke oder in jedem Serien-Krankenhaus anzutreffen sein könnte: Dem versnobten, ambitionierten Briten Crosley (Harry Lloyd, der die Nase hier ebenso hoch trägt wie zuletzt als Viserys Targaryen in "Game of Thrones") stehen die beiden aus dem "The Big Bang Theory"-Universum herübergebeamten Nerd-Scientists Meeks (dünn: Christopher Denham) und Fritz (dick: Michael Chernus) gegenüber, hinzu kommt als Quoten-Frau Dr. Helen Prins (Katja Herbers).

Auf der anderen Seite steht als Antagonist schnell Dr. Reed Akley (David Harbour, "Rake") fest, ein kräftiger, großspuriger Forscher, der in der Gunst Oppenheimers gerade an Winter und seinem Team vorbeizieht: Akley arbeitet an einer "eigenen" Bombe, dem "Thin Man". Als Winters eigentliche Kontrast- und Spiegelfigur wird in der Pilot-Episode allerdings Dr. Charlie Isaaks (Jake-Gyllenhaal-Lookalike: Ashley Zukerman) eingeführt, ein junger, aufstrebender Forscher, den Akley in sein Team holt. Mit Isaaks Augen geht es für uns Zuschauer erstmals nach Los Alamos hinein, durch die Straßensperren in die provisorische Kleinstadt aus billig zusammengeschraubten Hütten, über den Markt mit seinen rationierten Gütern und schließlich per Führung in die Labore, wo sich Autor Shaw einen Spaß daraus macht, im nächsten Raum die "besten Computer der Zeit" anzukündigen: Es ist ein Raum voller Frauen - begabten "Rechnern".

Isaaks entpuppt sich schnell als ambivalenteste Figur, als Grenzgänger zwischen den Teams (ein möglicher Überläufer?), nicht nur, weil er im älteren Winter eine Respektsperson erkennt, sondern auch, weil er inoffiziell mit dessen Team in Berührung kommt und gleich mehreren möglichen love interests begegnet: Helen zum Beispiel, und, womöglich, Franks Teenie-Tochter Callie (Alexia Fast).

Womit wir bei der dritten Gruppe wären, die zwischen den Teams und den überall herumschwirrenden Soldaten Kontur gewinnt: den Forscherfamilien, vor allem den Ehefrauen. Winters Gattin Liza ist selbst Wissenschaftlerin und wird als lebenskluge Mittvierzigerin von der wie üblich sehenswerten Britin Olivia Williams ("Rushmore") verkörpert. Jünger und vom Umzug überfordert ist Isaaks' Frau Abby (Rachel Brosnahan, "House of Cards"), die von den in Geschwaderstärke auftretenden Housewives der Nachbarschaft sogleich in Beschlag genommen wird. Die Tagline der Serie lautet schließlich "Nuclear. Family", was dem Begriff der Kernfamilie einen schön atomaren Doppelsinn verleiht; vor allem zeigt sie, worauf "Manhattan" im Spezielleren hinaus will: auf den Effekt, den das todbringende Geschäft der (ja eigentlich dem Wahren und Hehren verpflichteten) Wissenschaftler auf ihr Umfeld haben wird.

Eine Serie, die als period piece in den 1940er Jahren spielt, muss Wert auf Kostüme, Frisuren und Dekors legen. "Manhattan" tut dies vorblidlich. Es dürfte allerdings klar sein, dass eine so stark zeitgeschichtlich orientierte Produktion, die sich mit (männlich dominierten) Konkurrenzsituationen und Kompetenzgerangel befasst, an Matthew Weiners "Mad Men" gemessen werden wird; zumal mit Mark "Duck" Moses (als Colonel Cox) ein "Mad Men"-Darsteller mitspielt und Daniel Stern ("City Slickers") als Winters weißbärtiger Mentor nicht nur von Ferne an den alten Bertram Cooper erinnert.

Und obwohl "Manhattan" inszenatorisch einen durchaus überzeugenden Eindruck macht (die ersten beiden, schön dahinfließenden Episoden inszenierte Produzent und "The West Wing"-Regieveteran Thomas Schlamme), bleibt die Serie, zumindest in ihren ersten Episoden, deutlich hinter der renommierten, in den Sixties spielenden Konkurrenz zurück, vor allem im Dialog, aber auch in den Ambivalenzen der Charakterzeichnung.

Während "Mad Men" vom unaufhaltsamen Macht- und Bedeutungsverlust des weißen, westlichen Manns erzählt, ist der Glaube an die männliche Autorität in "Manhattan", trotz Krieg und Krise, im Kern noch intakt. Doch Frank Winter erweist sich bis dato als wenig taugliche Zentralfigur. Nicht etwa, weil Hickey ein schlechter Schauspieler wäre, sondern weil er Winter bislang nur als grimmigen, schlecht gelaunten, wenig charismatischen Maniker zeichnen darf, um den herum der Ton (buchstäblich) dumpf wird - ein Mann, dem zuzusehen nicht eben faszinierend ist.

Gewiss, es gibt sehr gute Szenen. Die beste von ihnen ist vielleicht das Finale der insgesamt sehr gemächlich voranschreitenden Pilotfolge, in dem Winter aus dem Off lange mit sich selber hadert und erst nach einem Kameraschwenk offenbar wird, dass er seine Gedanken mit dem mexikanischen Hausmädchen teilt - das kein Wort Englisch versteht. Dem gegenüber stehen leider arg klischeehafte Sequenzen und sogar ärgerliche Simplifizierungen, die hart an der Parodie segeln: Männer, die auf Formeln starren. Da muss der geniale Isaaks etwa nur mal eben zwei Sekunden auf eine mit mathematischen Formeln vollgekritzelte Tafel blicken, um den Kern des Gekritzels sofort erkennen: "Sie entwickeln eine Atombombe!" Oder: Weil Liza eine Botanikerin ist, muss sie am Küchentisch Chrysanthemen klassifizieren und im Dialog in florale Gleichnisse flüchten. Oder: Ein als Spion verdächtigter Forscher aus Winters Team wird einem brutalen Verhör unterzogen, in dessen Inszenierung trotz des klaren Bezugs auf Guantanamo und Abu Ghureib auf sattsam bekannte Stereotype zurückgegriffen wird - inklusive des freundlich sein Sandwich kauenden, katzenliebenden Brutalo-Verhörers.

Diese Makel beeinträchtigen die Freude, die man an "Manhattan" sonst definitiv haben könnte. Denn im Prinzip hat die Serie das Potenzial, auf klaustrophobisch kleinem Raum sehr mitreißend von den Wechselbeziehungen von Politik und Privatleben, Triumph und Scheitern zu erzählen. Und die nötige tragische Fallhöhe hat sie sowieso: Die Weltkatastrophe von Hiroshima und Nagasaki schwebt schließlich von der ersten Sekunde an über dem gesamten Geschehen.


Quelle Gian-Philip Andreas http://www.wunschliste.de/serienpreview/manhattan





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15.10.2014 18:07
#44 RE: Serienprewievs : Vor dem Start: "Devious Maids" Zitat · antworten

Vor dem Start: "Devious Maids"




"Devious Maids" - ab heute auf ProSieben

Bild: Lifetime



Fans der langjährigen Erfolgsserie "Desperate Housewives" haben ab heute wieder einen festen Termin ihrem Fernseh-Kalender: ProSieben bringt den inoffiziellen Nachfolger "Devious Maids" erstmals ins deutsche Free-TV. Jeweils mittwochs ab 21.15 Uhr ist die 13-teilige erste Staffel in Doppelfolgen zu sehen, im Anschluss an neue Folgen von "Grey's Anatomy".

"Devious Maids" basiert auf der mexikanischen Telenovela "The Disorderly Maids of the Neighborhood", welche wiederum stark von "Desperate Housewives" beeinflusst wurde. Die Dramedy porträtiert fünf Dienstmädchen mit ihren eigenen Wünschen und Träumen, während sie für die Reichen und Berühmten in Beverly Hills arbeiten. Als mit Marisol Duarte (Ana Ortiz, "Ugly Betty") ein neues Mitglied zu diesem Freundeskreis stößt, ahnen die anderen nicht, dass Marisol eigentlich eine College-Professorin ist. Sie will undercover die wahren Täter für jenen Mord finden, bei dem ihr Sohn derzeit der Hauptverdächtige ist. Eine der 'Maids', die von Roselyn Sanchez ("Without A Trace") gespielte Carmen Luna, hatte in der letzten "Desperate Housewives"-Episode bereits einen Gastauftritt in ihrer Dienstmädchen-Rolle. In weiteren Rollen sind Rebecca Wisocky, Brianna Brown, Tom Irwin, Brett Cullen, Drew van Acker und Mariana Klaveno zu sehen.

Die Serie stammt aus der Feder von Marc Cherry, dem Schöpfer der "Desperate Housewives", zudem ist Eva Longoria als Produzentin tätig. Ursprünglich sollte sie auf ABC gezeigt werden, doch das US-Network entschied sich nach dem Pilotfilm gegen die Bestellung einer ersten Staffel. Zugeschlagen hat stattdessen der kleine Kabelsender Lifetime - mit Erfolg. Die Dramedy übertraf alle Erwartungen und wurde mit bis zu 2,95 Millionen Zuschauern zur quotenstärksten Serie des Senders. An diese Werte konnte die zweite Staffel zwar nicht mehr anknüpfen, dennoch bestellte Lifetime Ende September eine dritte Staffel, die erneut 13 Folgen umfassen wird und im Frühjahr 2015 ausgestrahlt werden soll.

In Deutschland war die erste Staffel von "Devious Maids" bereits im Frühjahr auf dem Pay-TV-Sender Universal Channel zu sehen. Seit vergangener Woche läuft dort die zweite Staffel als deutsche TV-Premiere - ebenfalls mittwochs ab 21.00 Uhr im Doppelpack.

Anlässlich des US-Starts hatten wir "Devious Maids" anhand der ersten drei Folgen bereits ausführlich vorgestellt und bewertet:


Quelle http://www.wunschliste.de/tvnews/m/vor-d...devious-maids-2









Devious Maids


Verschlagene Dienstmädchen statt verzweifelter Hausfrauen: Marc Cherry bleibt im Follow-Up zu seiner dreifach 'Golden Globe'-gekrönten Erfolgsserie "Desperate Housewives" der Titel-Kombi aus D-Adjektiv und Frauengruppe treu. Und auch auf dem Plakat (rote Schrift vor schönen Frauen) sieht alles derart vertraut aus, dass gleich klar wird: Am gewohnten Mix aus Comedy, Romanze und Satire wird nicht gerüttelt. Die ersten 13 Folgen von "Devious Maids" sind allerdings nicht, wie ursprünglich geplant, beim "Housewives"-Network ABC gelandet, sondern bei Lifetime, einem Kabelsender mit Frauenzielgruppe, der unter anderem auch den "Army Wives" auf die Welt half und sich jetzt über einen Quotenerfolg freuen darf: Staffel Nummer zwo ist schon bestellt.

Titelgemäß verlagert Cherry in der neuen Serie die Perspektive von den gelangweilten Hausfrauen auf ihre Zugehfrauen. Keine schlechte Idee, sind doch "Maids" und "Nannies" in Filmen, Theaterstücken und Opern sonst immer nur die Vom-Rand-Blickenden, im schlechtesten Fall bloße Statisten, im besseren Fall kluge Kommentatorinnen aus den Schlafzimmern der Macht. Was aber geschieht, wenn man sie in den Mittelpunkt der Handlung stellt?

Cherry gruppiert seine "Maids", die allesamt Latinas sind und bei den Reichen und Schönen von Beverly Hills beschäftigt, um eine Tragödie herum. Gab bei den "Housewives" ein Selbstmord Rätsel auf, wird hier, zu Beginn der Pilotfolge, das Hausmädchen Flora ermordet. Von einem Unbekannten. Zuvor darf das Publikum noch erfahren, dass das Opfer vom Herr des Hauses offenbar sexuell genötigt wurde.

In rascher Sequenz werden die fünf Hauptfiguren eingeführt: Carmen, Sängerin aus Puerto Rico (gespielt von der tatsächlichen singenden Roselyn Sanchez, die an die junge Sandra Bullock erinnert), sieht ihren Job als Dienstmädchen beim Pop-Star Alejándro als Starthilfe für die eigene Karriere. Rosie (Dania Ramirez aus dem Kurier-Krimi "Premium Rush") hat ihren kleinen Sohn in Mexiko zurücklassen müssen und plagt sich nun mit Peri und Spence herum, einem egozentrisch-oberflächlichen Schauspielerehepaar. Zoila (Judy Reyes aus "Scrubs") arbeitet für die in die Jahre gekommene Diva Genevieve. Zoilas hübsche Tochter Valentina (Edy Ganem) hat sich überdies in Genevieves feschen Sohn Remi verliebt, was Zoila aus Erfahrung missbilligt. Diesem Quartett schließt sich - als eigentliche Zentralfigur - Marisol an (Ana Ortiz aus "Ugly Betty"), die aufgrund ihres akzentfreien Amerikanisch sofort als "unechte" Maid erkennbar ist. Sie ergattert einen Job beim Geschäftsmann Michael (Brett Cullen) und seiner leicht überspannten jungen Frau Taylor (Brianna Brown). Doch eigentlich interessiert sie sich eher für die Vorgänge im Haus von Adrian und Evelyn Powell, einem giftzüngigen Zyniker-Ehepaar, das zurecht als "seltsam" verschrien ist: Flora war deren Dienstmädchen. Geschickt erschleicht sich Marisol das Vertrauen der Powells, und am Ende der Pilotfolge erfährt man auch schon, warum sie das tut: Sie sucht den wahren Mörder, weil ihr Sohn, ein Kellner, als Tatverdächtiger verhaftet wurde.

"Devious Maids" bietet ein bisschen Murder Mystery der makabren Art (schon in der Titelsequenz wird Blut weggeschrubbt, als wär's "Ray Donovan"), ein wenig Love Story und dazu, als Konstante, Anekdoten aus dem Alltag der Dienstmädchen mit ihren schrägen Hausherren und -damen. Alles schnurrt von der ersten Minute an routiniert-unterhaltsam vor sich hin, und die lustig tapsenden Pizzicato-Streicher auf dem Latin-lastigen Soundtrack geben den Takt vor.

Die fünf Hauptrollen sind bestens besetzt, vor allem Ortiz und Ramirez (die das Klischee der nöligen Latina mittels kunstvoller Übertreibung ad absurdum führt, womit sie mitunter an Sofía Vergara in "Modern Family" denken lässt) überzeugen, doch es sind ihre neurotischen Arbeitgeber, die die besseren Parts abbekommen haben. Viele von ihnen hat Cherry übrigens mit ehemaligen "Housewives"-Nebendarstellern besetzt.

Heraus sticht Rebecca Wisocky als rothaarige Society-Dame Evelyn, die sich bei den Autoren für wunderbar abschätzige Dialoge bedanken kann und sie mit einer souveränen, höllisch jovialen Performance zurückzahlt. "Ich bewundere euch Dienstmädchen! Ihr wascht Kleider, die ihr euch nicht leisten könnt, für Leute, die sich nicht einmal eure Namen merken können" - so garstig leitet sie die Serie ein, und auch im weiteren Verlauf schafft sie es, ihr Geläster genau zwischen Kumpelei und Abgrund auszutarieren: Als Marisol erstmals zum investigativen Putzen vorbeikommt, wird sie mit einem fröhlichen "Die Kavallerie ist eingetroffen - und sie bringt Desinfektionsmittel mit!" empfangen. Ein ebenso großer Glücksgriff ist Susan Lucci. Die Grande Dame der US-Seifenoper (41 Jahre spielte sie in "All My Children") ist unlängst 66 geworden, sie spielt die manisch-depressive, tablettensüchtige Diva Genevieve aber mit einer beinahe schon irritierenden Mädchenhaftigkeit.

Auch Tom Irwin als Evelyns dauergeiler Ehemann macht was her. Vage erinnert er an Leland Palmer aus "Twin Peaks" - entsprechend schnell wird ihm auch eine verdächtige Perversion angedichtet. Nicht zu vergessen sind schließlich noch Mariana Klaveno ("True Blood") und Grant Shaw (20 Jahre nach "Melrose Place") als eitles Schauspielerpaar. Herrlich ist die Szene, in der Peri, die mit ihrem neu geborenen Kind sonst eigentlich nach Möglichkeit nichts zu tun haben möchte, ein ranschmeißerisches Fernseh-Interview gibt, in dem sie sich so lange heuchlerisch als tolles Muttertier inszeniert, bis Rosie sie mit der schlimmstmöglichen Auskunft öffentlich bloßstellt: Das Baby habe sie, das Dienstmädchen, "Mama" genannt.

Dass Rosies Affront ein Fake war, deutet darauf hin, dass die Maids "devious" sein sollen, verschlagen und hinterlistig. Doch gerade im Vergleich mit den tollen ersten Staffeln der "Housewives" wirkt die Nachfolgeserie in diesem Punkt noch arg zahm - als habe Cherry weniger Freude an seinen Hauptfiguren als am spöttischen Blick auf die kalifornische High Society. Dieser Blick ähnelt dem der Klamotte "Scenes from the Class Struggle in Beverly Hills" von 1989 und rutscht bisweilen allzu stark ins Alberne - in der Figur von Odessa etwa (Melinda Page Hamilton), Alejándros russischer Assistentin, die mit betonhartem Dutt als ostblockstrenge Karikatur daherkommt und beim Treppensturz ihre Beinprothese verliert; oder in Gestalt der Innenarchitektin Olivia (Valerie Mahaffey), die sich als Michaels Ex-Frau übertrieben furienhaft benimmt.

Apropos "class struggle": Bis zur Unschärfe geglättet scheint mir in der Serie die soziale Differenz zwischen Maids und Ma'ms. Gäbe es die Schürzen nicht, sähe man keinen nennenswerten Unterschied, die Langhaarfrisuren auch des Dienstpersonals sind allerbestens gepflegt und gelegt. Ist das Beschönigung - oder die wahre Subversion? Die geschickte Unterminierung aller Klischees, die Klassenunterschiede schon optisch auszumachen meinen? Wie dem auch sei: Aus dem sozialen Gefälle ließe sich weit mehr machen. In den ersten Folgen jedenfalls bricht dieser Gegensatz nur selten unverwitzelt durch - zum Beispiel, als Remis reiche Freunde bei Valentina, die sich vor ihnen als Dienstmädchen outen muss, ganz selbstverständlich ihre Biere bestellen.

Schöne Details gibt es immer wieder - etwa, wenn Valentina und Remi einander im Kino näherkommen, ausgerechnet in einer Reihe mit den beziehungsreich betitelten Noir-Krimis "White Heat" und "Double Indemnity"; oder auch die Episodentitel, die jedes Mal typische Dienstmädchen-Tätigkeiten zitieren und dabei metaphorisch zu lesen sind ("Taking out the Trash", "Cleaning out the Closet"). So ergibt sich recht bald das Bild einer durchaus clever erdachten Comedyserie, der allerdings noch etwas fehlt zum größeren Wurf: mehr Schärfe und Mut zum Abgründigen.


Quelle http://www.wunschliste.de/serienpreview/deviousmaids





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Alte Besucher - Länder Statistik 16 November 2011 - Neue Besucher Länder Statistik 15 Juni 2014 08:00 Uhr.
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